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Wenn der Freund keine Gnade kennen darf

Das Schleifen hat ein Ende.

Aber auch während der harten Vorbereitungswochen auf die Weltmeisterschaft in Shanghai hat Jördis Steinegger ihr Lächeln nicht verloren.

„Wir hatten viele Serien, bei denen es einfach nur darum ging, über die eigenen Grenzen hinaus zu gehen. So quasi: Wer als erster kotzt, hat gewonnen“, grinst die 28-Jährige, die bei den Titelkämpfen über 200 m Freistil, 200 m und 400 m Lagen sowie in der 4 x 200 m Freistil-Staffel an den Start geht.

Der Vernichter im gleichen Becken

Die Wahl-Linzerin, die mit Trainer Marco Wolf liiert ist, gilt gemeinsam mit Nina Dittrich als die Kilometer-Fresserin im OSV-Team. Klar, dass sie daher auch im Training zu den Fleißigsten gehört.

Um in Shanghai das große Ziel, das Olympia-Ticket heißt, zu realisieren, darf der Freund keine Gnade kennen.

„Am liebsten lässt er uns lange, unerwartete, gemeine Serien, die kein Ende haben, schwimmen“, verrät die Alleskönnerin im Gespräch mit LAOLA1.

Und welche Trainingsform bevorzugt sie selbst? „Gegen David Brandl schwimmen“, lacht die Blondine, die im zarten Alter von neun Jahren das erste Mal vom Zehn-Meter-Turm sprang. Ihr Linzer Trainingskollege zählt allerdings zu den besten Kraulern des Landes. Da stehen die Chancen für Steinegger nicht allzu gut.

„Es kommt darauf an, wie viel Vorsprung ich bekomme. Wenn es genug ist, bringe ich es nach Hause. Aber David ist ein Vernichter.“

Auf London ausgerichtet

Neu im Programm sind bei Steinegger in Shanghai die 200 m Lagen. „Die schwimme ich im Hinblick auf die 400 m Lagen, wo für mich die größten Chancen bestehen, mich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.“

Um sich nicht zu viel aufzubürden, hat die gebürtige Steirerin, die ein Faible für vierblättrige Kleeblätter hat, die 400 m Freistil gestrichen.

Neu zusammengestellt

Ein Sprung ins kalte Wasser wird für Steinegger und Co. die 4 x 200 m Freistil-Staffel, die sie gemeinsam mit Dittrich, Birgit Koschischek und der jungen Eva Chaves-Diaz in Angriff nehmen wird.

„In dieser Besetzung sind wir noch nie geschwommen. Außerdem ist es schwierig zu beurteilen, wie die anderen Nationen aufgestellt sind“, so die Studentin.

Das Ziel ist auch hier die Quali für London 2012. Das wird allerdings kein Zuckerschlecken. „Dafür wären die Top-12 notwendig. Aber in Wahrheit wäre ein Platz in den Top-15 bereits ein Hit.“

Doch von der starken Konkurrenz will sich das OSV-Quartett nicht abschrecken lassen. Denn speziell in der Staffel kann viel passieren. Steinegger: „Hier gibt es viele Disqualifikationen aufgrund von Frühstarts. Aber darauf sollten wir uns nicht verlassen.“

Gute Aussichten

Dass der Schwimmsport zuletzt einige mediale Dämpfer hinnehmen musste, bereitet ihr keine Sorgen.

„Es schaut gut aus, dass das Schwimmen auch nach der Ära Rogan/Jukic weiter so gut dasteht. Mit Christian Scherübl haben wir einen frischgebackenen Jugend-Europameister.“

Doch noch sind Rogan und Jukic ja aktiv und können in Shanghai für weitere OSV-Medaillen sorgen. „Das eine oder andere Edelmetall ist sicher drinnen. Auch wenn das für mich nicht gilt, so ehrlich muss ich sein“, meint Steinegger. Immer noch lächelnd.

Stephan Schwabl und Reinhold Pühringer

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