Angekommen in einer neuen Welt

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Angekommen in der neuen Welt

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Österreichs Team für die heute beginnenden Schwimm-Bewerbe bei der EM in Berlin ist breit aufgestellt. Bei der Suche nach potenziellen Final-Aspiranten bleibt von den 17 Athleten aber nur eine Handvoll übrig

Neben Lisa Zaiser, Birgit Koschischek und Jördis Steinegger gilt Jakub Maly als heißer Tipp für einen Endlauf.

Der 22-Jährige rechnet sich auf den Lagen-Strecken über 200m (Vorlauf am Dienstag) und vor allem über 400m (Sonntag) Chancen aus.

Im Interview mit LAOLA1 spricht er über sein erstes Jahr an der University von Minnesota, das Phelps-Comeback und Thomas Vanek:

LAOLA1: Jakub, wie fällt deine Bilanz nach deinem ersten Jahr in den USA aus?

Jakub Maly: Recht gut. Die Umstellung war sehr groß, sei es im Training oder bei der Lebensweise am Campus. In Österreich hatte ich nichts anderes als schwimmen gemacht. Jetzt habe ich mit der Uni manchmal so viel Stress, dass ich schauen muss, um zwischen Schule und Training überhaupt Zeit zum Essen zu finden.

LAOLA1: Wie sehen die Trainingsunterschiede konkret aus?

Maly: Es ist ganz anders. Der größte Unterschied ist, dass ich nicht alleine trainiere. Jetzt trainiere ich mit einer Mannschaft von 60 Schwimmern. Erst jetzt bei meiner Rückkehr nach Österreich habe ich realisiert, wie irrsinnig anstrengend das Alleine-Schwimmen überhaupt ist. Zwei Stunden Training hier kommen mir wie eine Ewigkeit vor.

LAOLA1: Und vom Umfang her?

Maly: Der ist in den USA weniger, als ich in der Südstadt gemacht habe.

LAOLA1: Weniger!?

Maly: Ja, beim Walter (Bär; Anm.) haben wir sehr viel trainiert. Vor allem im Grundlagenbereich. In den USA legen wir mehr Wert auf die Intensität. Fast jeden Tag schwimmen wir etwas Schnelles. Wir machen neun Wasser-Einheiten pro Woche und sind drei Mal im Kraftraum.

LAOLA1: Wie deine Auszeichnung zum „Big Ten Freshman Of The Year“ belegt, hast du dich auch sportlich gut eingelebt.

Maly: Allzu ernst darf man das nicht nehmen, weil ich mit 21 Jahren älter bin als die übrigen Freshmen, die zumeist 18 sind. Mein Trainer meinte auch, dass diese Auszeichnung eigentlich „Rookie Of The Year“ heißen sollte. Mithilfe des Zeitumrechners von Yard- auf Meter-Bahn kann man jedoch erahnen, dass es aufgrund der Konkurrenz nicht so einfach ist. Mit der Kurzbahn-Saison waren ich und mein Trainer zufrieden.

Jakub Maly gilt als Final-Kandidat über die Lagen-Strecken

Maly: Das ist von Uni zu Uni verschieden, wobei mein Trainer ein großes Augenmerk auf die Langbahn-Saison legt. Ende Mai wurde das Becken umgebaut und seitdem lag der Fokus bei uns voll auf der Langbahn, für die wir richtig hart geschuftet haben. Ich habe mich im Training super gefühlt und auch mein Trainer war begeistert, was ich da abgeliefert habe. Das hat mir sehr viel Selbstvertrauen für die EM gegeben.

LAOLA1: Bist du an deiner neuen Trainingsstätte jemals mit deinem Sandgruben-Fauxpas aufgezogen worden?

Maly: Ich habe erfahren, dass sie das zwar mitbekommen haben, der Trainer ihnen jedoch verboten hat, das zur Sprache zu bringen (schmunzelt). Sie haben mich dann danach gefragt, aber als ich es ihnen erzählt hatte, war es wieder vom Tisch.

LAOLA1: Das Comeback von Michael Phelps hat in den USA große Wellen geschlagen.

Maly: Ich habe es hautnah miterlebt, in Costa Mesa bin ich etwas zu spät gekommen, da war er gerade fertig, aber die Massen waren unglaublich, die er bewegt hat. Und in Santa Clara war ich auch dabei, da wurden Gratis-T-Shirts verteilt, er genießt den Rummel um seine Person, ist total gechillt und immer freundlich und nett, obwohl er natürlich stets Bodyguards dabei hat.

LAOLA1: Thomas Vanek ist nach Minneapolis gewechselt. Wie groß ist Eishockey in deiner neuen Wahlheimat?

Maly: Eishockey ist in Minnesota die absolute Nummer 1. Ich habe mir für die neue Spielzeit schon ein Saison-Ticket von meiner Uni-Mannschaft besorgt. Die Gophers haben heuer Platz zwei belegt, dementsprechend groß ist das G’riss um die Karten. Ich habe letzte Saison auch ein Spiel von den Minnesota Wild besucht und freue mich schon darauf, Thomas Vanek live spielen zu sehen.

Das Interview führten reip/scs

LAOLA1: Bist du mit den Noten auch zufrieden?

Maly: Ich habe einen Notendurchschnitt von 3,46, wobei 4,00 das Beste ist, was man erreichen kann. Am Anfang war ich ein wenig überrascht, dass ich die Leute an der Uni besser verstanden habe, als die im Training. Weil dort haben sie manchmal einen Spruch rausgehauen, bei dem ich in keinster Weise verstanden habe, was sie von mir wollen (lacht).

LAOLA1: Bei der WM im Vorjahr in Barcelona hast du mit mehreren persönlichen Bestzeiten zu den Lichtblicken gehört. Was ist bei der anstehenden EM in Berlin das Ziel?

Maly: Früher habe ich das nicht so gerne gemacht, aber heuer habe ich mir von den Zeiten her ganz klare Ziele definiert. Der Fokus liegt auf den 200 und 400m Lagen. Auf der kürzeren Strecke möchte auf jeden Fall ins Semifinale kommen, was mir vor zwei Jahren schon fast gelungen wäre, wenn mich Dinko Jukic nicht noch ausgestochen hätte. Auf den 400 ist das Finale realistisch.

LAOLA1: Was sagst du zu dem 21-köpfigen OSV-Aufgebot für die EM?

Maly: Mir gefällt es nicht, dass sich Leute hinstellen und groß verkünden, dass wir mit dem größten Team aller Zeiten hinfahren. Schließlich stimmt das nicht. Bei der EM 2012, wo die Bewerbe der Schwimmer und jene der anderen Sparten an unterschiedlichen Orten standfanden, waren wir über 30. Zudem waren damals mit Markus Rogan und Dinko Jukic noch Leute dabei, die wirklich vorne mitgeschwommen sind. Auch wenn ich es nicht schlecht finde, wenn mit einfacheren Limits den Jungen eine Chance gegeben wird.

LAOLA1: An den US-Colleges ist oftmals das Training sehr auf die NCAA-Bewerbe abgestimmt. Inwieweit ist deine Saison überhaupt auf den Höhepunkt EM ausgerichtet?

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