Der Silberstreif am Horizont

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In einer Zeit, in welcher der heimische Schwimmsport aufgrund mutmaßlich misswirtschaftender Funktionäre gerade seine schwärzeste Stunde durchlebt, ist er neben Lisa Zaiser der Silberstreif am Horizont.

Mit „er“ ist Felix Auböck gemeint.

Ein 18-Jähriger, der in den vergangenen Monaten sage und schreibe zwei österreichische Rekorde, drei Olympia-Limits und vier Normen für die Langbahn-WM in Kazan (Schwimm-Bewerbe ab Sonntag) erbrachte.

Mit diesen Ausrufezeichen avancierte der gebürtige Bad Vöslauer zu einem der größten Hoffnungsträger der rot-weiß-roten Planscher-Zunft, auf dass in Zukunft auch wieder sportliche Schlagzeilen geschrieben werden.

Schubhafte Problematik

Von der Betitelung Silberstreif am Horizont fühle er sich geschmeichelt, wie Auböck im Gespräch mit LAOLA1 zu verstehen gibt. Seine jüngsten Zeiten seien aber erst der Anfang, wirft er rasch ein. Die rasante Entwicklung, die der Kraul-Spezialist im vergangenen Jahr genommen hat, sei nämlich noch lange nicht zu Ende.

Denn neben seinem Wechsel vor einem Jahr aus dem Leistungszentrum Südstadt nach Berlin, gebe es noch einen weiteren, nicht unwesentlichen Grund für seinen Zeitensprung: „Ich bin fast nicht mehr gewachsen.“

Klingt simpel, ist mit Blick auf die Technik aber eine sehr komplexe Angelegenheit. In der Vergangenheit hatten Wachstumsschübe von bis zu fünf Zentimeter im Jahr stets eine Umstellung seiner Technik erforderlich gemacht. Dass diese Anpassungen mal besser, mal schlechter gelingen, liegt auf der Hand.

„Im vergangenen Jahr bin ich aber nur noch ein, zwei Zentimeter gewachsen“, nähert sich der 1,98 m lange Schlacks allmählich dem Plafond. Zumindest Größen-technisch. In Sachen Leistung ortet er noch jede Menge Luft nach oben. „Mit 18 fehlt mir körperlich einfach noch ein gutes Stück.“

Besagtes Stück wolle er in den nächsten zwei bis drei Jahren aufholen. „Und in etwa fünf Jahren könnte ich dann meinen Zenit erreichen“, gibt er einen Einblick in seine Karriereplanung, die aktuell ganz auf die Sommerspiele 2020 in Tokio ausgerichtet ist.

Apropos Karriereplanung

Mit 18 schon zwei OSV-Rekorde

Diese ist durch seine jüngsten Limit-Zeiten ein wenig durcheinander geraten. „Eigentlich wollte ich versuchen, mich erst einmal mittels OSV-Limit über 1.500m Freistil für die WM zu qualifizieren“, verrät der Blondschopf. Dann kam bei den deutschen Meisterschaften im April jedoch alles anders. Nicht genug, dass er mit seinem zweiten Platz gehörig aufzeigte, zertrümmerte er den aus dem Jahr 2008 stammenden österreichischen Rekord von Florian Janistyn um satte sieben (!) Sekunden. Seine 15:05,48 Minuten bedeuteten die Tickets für Kazan und Rio.

Nur eine Woche später ließ er in Graz-Eggenberg einen weiteren OSV-Rekord über 200m Freistil in 1:47,60 folgen. Über 400m schaffte er „nur“ die Rio-Norm. Für Kazan ist er schlussendlich über 200, 400, 800 und 1.500m qualifiziert.

Die WM in der Hauptstadt der russischen Teil-Republik Tatarstan wird für Auböck die erste große Standort-Bestimmung inmitten der Weltspitze. „Auf die fehlt mir noch so ein Leistungssprung, wie ich ihn zuletzt hatte.“ Bei den Zielen braucht er nicht lange zu überlegen: „Über jede Strecke eine persönliche Bestzeit schwimmen und über 200m ins Semifinale kommen.“

Es gehe ein Stück weit auch darum, sich zu profilieren, führt er fort. Denn Auböck wolle nicht nur „ein Nobody“ unter vielen Kraul-Schwimmern sein. Kazan bietet ein Jahr vor dem Highlight in Rio die perfekte Bühne dazu.

Reif für die Insel

Auch wenn Auböck im Augenblick noch dieser ungeliebte Nobody ist, hat er jetzt schon etwas gemein mit einem Markus Rogan oder einer Mirna Jukic: Er ist eine sogenannte Insellösung.

Eine Bezeichnung, die in den vergangenen Jahren immer wieder ausgegraben wurde, um zu beschreiben, dass die beiden erfolgreichsten Schwimmer des Landes nicht dem österreichischen Schwimm-System entsprungen sind, sondern ihr Erfolg auf ihrem eigenen Weg fußt. Während sich Rogan mit seinem Studium in Übersee eine eigene kleine Leistungs-Insel aufgebaut hat, war es bei Mirna sowie ihrem Bruder Dinko die Rundumbetreuung durch ihren Vater Zeljko.

Bei Auböck ist dies der Schritt nach Berlin, obgleich dies in seinem Fall etwas zu relativieren ist. Schließlich ist nicht wegzuleugnen, dass in Österreich augenscheinlich gute Grundlagen-Arbeit geleistet wurde. Auböck selbst sieht sich mit Verweis auf die jüngsten Leistungen in den heimischen Leistungszentren (Stichwort: Sebastian Steffan und Caroline Pilhatsch) ebenfalls nicht als Insellösung, meint aber: „Ohne meinen Wechsel nach Berlin wäre ich nicht dort, wo ich heute stehe.“

Damen Jördis Steinegger
Birgit Koschischek
Lisa Zaiser
Claudia Hufnagl
Lena Kreundl
Herren Felix Auböck
David Brandl
Jakub Maly
Christian Scherübl
Sebastian Steffan

Kurze Rückblende

Auböck kann sich einen Wechsel in die USA vorstellen

Mit der Entlassung Walter Bärs als Südstadt-Trainer im Herbst 2013 war für Auböck die Perspektive in Österreich verloren gegangen. „Bei der Junioren-WM in Dubai hat sich dann ein Kontakt nach Berlin ergeben“, schildert er die Einfädlung seines Wechsels, welcher schließlich im Sommer 2014 über die Bühne ging.

Bei dem hiesigen Klub SG Neukölln bekam er neben dem Spitznamen „Kleiner“ und einer fordernden Trainingsgruppe auch einen neuen Coach. Die Zusammenarbeit mit dem früheren Rückensprinter Miro Zervica stellte sich für Auböck alsbald als Glücksfall heraus.

Zum Leidwesen des Niederösterreichers wurde die Probezeit des Kroaten jedoch nicht verlängert. Um den Coach nicht zu verlieren, folgte er diesem im Mai dieses Jahres zu den Wasserfreunden Spandau. Ein Schritt, den auch andere in seinem Klub machten. „Bei Neukölln zeigten sie Verständnis dafür, weshalb der Vereinswechsel reibungslos und ohne Streitereien über die Bühne ging“, so Auböck.

Die Zeit im Internat fernab der Heimat empfand der Youngster bislang als „sehr lehrreich“. Denn selbst die Wäsche zu waschen sowie alles zu putzen war bislang nicht in seinen Aufgabenbereich gefallen. Dafür, dass das Erwachsenenwerden dann doch nicht zu schnell geht, sorgen FIFA-Sessions auf der Playstation mit Alterskollegen aus den unterschiedlichsten Sportarten. Ausflüge zu den Nachwuchsspielen der Eisbären oder der Füchse durften da nicht fehlen.

Reife-Prüfung

In der Schule kommt Auböck laut eigenen Angaben „ganz gut“ zurecht. Das nun anstehende Schuljahr ist das letzte für ihn in der Spree-Metropole. Vorausgesetzt freilich, dass er das Abitur meistert. Wie es danach weitergeht, wisse er noch nicht genau. „Ich werde auf alle Fälle einmal schauen, wie es bei meinem Trainer weitergeht“, zeigt er Interesse an einer Fortführung des gemeinsamen Weges.

Eine andere Möglichkeit wäre der Sprung über den großen Teich zu einem US-College. „Aktuell schreibe ich schon mit einigen US-Trainern“, verrät er.

Ein Weg, bei dem ihn dann womöglich auch der neue Berater des Schwimm-Verbandes, Markus Rogan, mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Damit der Silberstreif kein Silberstreif bleibt.

 

Reinhold Pühringer

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