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Phelps - Ein Mensch wie jeder andere

Ni hao aus Shanghai,

so haben wir uns das nicht vorgestellt. Die Ergebnisse am ersten Tag drücken gehörig auf die Stimmung im Team. Ich war selbst im Bad, um zu trainieren, als alle sehr niedergeschlagen von den Rennen zurückgekommen sind. Ich habe mitbekommen, wie sie vergangene Woche hart trainiert haben, da tut es mir weh, wenn man sie dann so sieht.

Ich glaube, das Schlimmste ist, wenn man wie David Brandl und Jördis Steinegger einfach nicht weißt, woran es liegt.

Einige Außenstehende meinen jetzt, dass vielleicht die Akklimatisierung nicht geklappt hat. Das finde ich nicht. Wir sind früh genug angereist, um den Jetlag unter Kontrolle zu haben. Für uns ist diese Uhrzeit mittlerweile normal. Ob es aber noch auf die Schwimm-Leistung Auswirkungen hat, weil wir umgerechnet auf Europa doch mitten in der Nacht schwimmen, weiß ich nicht.

Der Hallen-Komplex in Shanghai, bestehend aus drei Anlagen, ist einfach riesig. Alles ist ganz neu und modern. Neue Maßstäbe setzen die Chinesen auch in puncto Sicherheit.

Wenn du in die Halle kommst, musst du wie am Flughafen durch einen Security-Check mit Taschenscanner und Metall-Detektor. Das hatten wir noch nie. Wenn deine Akkreditierung gescannt wird, sieht der Polizist auf seinem Bildschirm sofort ein Foto von dir.

Im Hotel ist es dasselbe. Zusätzlich steht in jedem Stock Security. Das habe ich noch nie erlebt. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir mit den US-Amerikanern im Hotel sind. Im Intercontinental wohnen nur die Amis und wir. Die US-Stars siehst du somit jeden Tag.

So sitzt beispielsweise Michael Phelps beim Essen am Tisch neben mir. Aber keine Sorge, ich gehöre nicht zu den Freaks, die ihn ständig beobachten und dann tuscheln: „Oh, hast du gesehen, was er gemacht hat?!“ Ich habe großen Respekt vor seinen Leistungen, aber für mich ist er ein Mensch wie jeder andere. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ihn schon so oft im Becken gesehen habe, dass es für mich nichts Besonderes mehr ist.

Viel mehr staune ich da schon über die Skyline von Shanghai. Mein Zimmer liegt zwar nur im achten Stock, doch das reicht, um durch die Glasfront einen tollen Ausblick auf die beeindruckenden Hochhäuser Shanghais zu haben.

Zum Schluss noch eine gute Nachricht: Ich habe wieder ein Handy! Ein Freund in Wien war so lieb und hat mir das gemanagt. Er hat es OSV-Generalsekretär Thomas Gangel mitgegeben. Danke auf diesem Weg! Damit kann die WM für mich beginnen!

Eure Fabienne

 

Fabienne Nadarajah geht bei der Schwimm-WM in Shanghai über 50 m Rücken (Vorlauf am Mittwoch) und über 50 m Delphin (Vorlauf am Freitag) an den Start. Die 26-Jährige holte in ihrer Karriere bereits eine WM-Silbermedaille bei den Kurzbahn-Weltmeisterschaften 2006 in Shanghai.

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