Ein Sprung in unbekannte Gewässer

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Auch wenn die Kurzbahn-EM in Stettin beileibe nicht meine ersten Titelkämpfe sind, ist für mich dennoch so einiges Neuland.

Zum einen habe ich einen neuen Trainer – Zeljko Jukic. Mein bisheriger Coach, Robert Michlmayr, war aufgrund seiner Tätigkeit als Sportdirektor des Triathlon-Verbandes einfach zu wenig da. Dabei war er für mich der einzig wahre Coach in Österreich. Doch es ging nicht mehr.

Eine Option für mich war, dass ich ins Ausland gehe. Das ist zwar sehr reizvoll, aber halt auch eine finanzielle Frage. Wir verdienen nur so viel, dass man davon leben kann, aber für einen längeren Aufenthalt im Ausland samt den Flügen wird es schwierig. Ich hatte überlegt, nach Los Angeles zu Markus Rogan zu gehen, mir das Ganze einmal anzuschauen. Auch die Niederlande war eine Alternative.

Ich muss zugeben, dass ich nicht wusste, zu wem außer Zeljko ich in Österreich sonst hätte gehen sollen. Ich respektiere ihn als Trainer und habe Respekt vor seiner Arbeit. Die Erfolge mit seinen Kindern sprechen für sich. Somit war das keine schwere oder langwierige Überlegung für mich. Es hat sich nur noch die Frage gestellt, ob er mich auch nimmt. Er nahm mich gleich auf, wofür ich sehr dankbar bin.

Die ersten drei Wochen bei ihm gab es für mich wirklich nur Training, schlafen, essen. Ich war tot. Körperlich war ich am Ende, mir tat alles weh. Ein ganz anderes Training – intensiver, länger. Auch wenn es hart war, hat es mir voll getaugt, weil es für den Kopf einfach mal was Neues war.

Die Trainingsumfänge in der unmittelbaren EM-Vorbereitung waren enorm hoch. Im Vergleich zu früher ist das wie Tag und Nacht. Fünf Tage vor meinem ersten EM-Start bin ich früher nur noch drei Kilometer geschwommen. Diesmal war es eine echt intensive Einheit über fünf Kilometer. Dennoch möchte ich dieser Vorbereitung eine Chance geben und schauen, ob es funktioniert.

Leider steige ich in Stettin nicht voll fit auf den Startsockel. In Dubai habe ich mir die Schulter luxiert und mir dabei ein Band gerissen. Ich habe es nicht operativ machen lassen, weil es ansonsten sechs Monate gedauert hätte. So musste ich erst einmal drei Wochen pausieren und fahre deshalb nur mit vier Trainingswochen zur EM. Angesichts dessen waren meine Zeiten beim Ströck-Qualifying ganz okay. Sicher ärgere ich mich, weil ich mich frage, wie wäre es wohl, wenn ich nicht drei Wochen Pause hätte machen müssen. Aber was soll’s.

Eigentlich bin ich schmerzfrei, allerdings besteht die Gefahr, dass der Rest des gerissenen Bandes eingezwickt wird. Es dürfte aber ziemlich günstig liegen, da das bisher noch nicht passiert ist.

Die Angst davor schwimmt allerdings mit. Bei meinem ersten Wettkampf nach der Verletzung, in Zagreb, hatte ich vor den schnellen Bewegungen großen Respekt. Das Vertrauen in die Schulter ist aber von Rennen zu Rennen gewachsen. Beim Ströck-Meeting hatte ich es aber noch immer im Hinterkopf. In Stettin wird das wohl nicht anders sein. Aber da muss ich jetzt irgendwie durch. Los geht’s am Donnerstag mit dem Vorlauf über 100 m Rücken.

Drückt mir die Daumen!

Eure Fabienne

 

Fabienne Nadarajah geht bei den Kurzbahn-Europameisterschaften von 8. bis 11. Dezember in Stettin (POL) an den Start. Die 26-Jährige hat für 100 m Rücken (Donnerstag), 50 m Delfin (Freitag), 50 m Rücken (Samstag) und 50 m Freistil (Sonntag) gemeldet. Die Wienerin holte in ihrer Karriere bei Kurzbahn-Europameisterschaften bereits vier Bronze-Medaillen.

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