Fußbruch statt Fußpilz

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Fußbruch statt Fußpilz

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Unter einem Gips da juckt es.

Jeder, der jemals einen hatte, kennt dieses Naturgesetz nur allzu gut.

Fabian Brandl macht diese leidvolle Erfahrung gerade. Dabei hat er seinen Gips nur deswegen, weil er lästiges Jucken vermeiden wollte.

Der 23-Jährige hat sich bei den Hallen-Staatsmeisterschaften der Wasserspringer am vergangenen Wochenende in Graz nämlich den Knöchel gebrochen. Schuld war mitunter ein Fußpilzmittel.

Dem Partner die Entscheidung abgenommen

Der Wiener rutschte bei einem Anlaufsprung am Brettende aus und überknöchelte dabei so unglücklich, dass wenig später im Spital ein Bruch des linken Sprunggelenks festgestellt wurde.

Was war geschehen? Mit Fortdauer des Wettkampfes war das auf den Schwimmhallenboden aufgetragene Desinfektionsmittel gegen Fußpilz via die Springer auf die Bretter gelangt, was die Angelegenheit zusehends rutschiger machte. „Da war schon ein regelrechter Film drauf“, schildert Brandl im Gespräch mit LAOLA1.

„Ich hätte das Brett vorher abspritzen lassen sollen“, ist er im Nachhinein klüger. Doch das hilft nichts mehr. Während sich sein Synchronpartner Constantin Blaha in Graz erwartungsgemäß die Titel vom 1m- sowie 3m-Brett holte, musste sich Brandl im Krankenhaus bereits an seine neue waagrechte Lage gewöhnen.

„Dabei hatte Coco (Blaha; Anm.) während der Konkurrenz wegen eines flauen Gefühls im Magen, was sich später als Speiseröhrenentzündung entpuppte, bereits überlegt, unseren Start im Synchron-Bewerb auszulassen. Diese Entscheidung habe ich ihm dann abgenommen“, meint der Bruder von Synchron-Schwimmerin Nadine Brandl, die zeitgleich die German Open in Bonn gewann, mit einer Portion Galgenhumor.

Glatt oder nicht glatt

Versucht die Verletzung mit Fassung zu tragen: Fabian Brandl

Die Verletzung stellt Brandl auf eine Geduldsprobe. Zunächst einmal in Graz, wo er einige Tage zubringen musste. „Die Steiermark mag zwar wunderschön sein, aber ohne Freunde und Familie ist mir dort dann schon langweilig geworden“, schmunzelt er.

Mittlerweile ist Brandl zurück in Wien und mittlerweile sind auch die Schürfwunden vom Sturz weitgehend verheilt. Die zunächst mit sechs Wochen prognostizierte Zwangspause könnte sich jedoch noch einmal verlängern, falls sich bei weiteren Untersuchungen am Freitag herausstellt, dass eine Operation notwendig ist. „Erst wurde ein glatter Bruch diagnostiziert. Nun ist man sich aber doch nicht so ganz sicher“, weiß Brandl.

Bei einem komplizierteren Bruch wäre ein Eingriff notwendig. Dann würden die sechs Wochen ab der OP neu starten.

Nächtliches Zucken

Die Verletzung hat natürlich Auswirkungen auf die Saisonplanung des Studenten für Marketing und Sales. Der Start bei der EM Anfang Juni in Rostock sollte sich zwar ausgehen, unklar ist jedoch, wie sich der Rückschlag auf die Form auswirkt. Im Vorjahr war Brandl mit Blaha bei der EM in Berlin im Synchron-Finale vom 3m-Brett überraschend starker Sechster geworden.

„Daran wollten wir eigentlich anschließen. Außerdem hatte ich mit dem dreifachen Auerbach einen neuen Sprung in mein Repertoire aufgenommen, damit wir einen höheren Schwierigkeitsgrad haben“, so Brandl, der obendrein mit den Grand Prix in Mexico und Kanada zwei Quali-Springen für die WM in Kazan (24. Juli bis 9. August) verpasst.

Das vorrangige Ziel heiße für ihn nun aber ohnehin, wieder fit zu werden. Die Ausfallzeit versucht er bestmöglich zu nutzen, neben Lernen für die Fachhochschule verbringt er viel Zeit mit Youtube-Videos von Wasserspringern. „Als kognitives Training“, so Brandl.

Mit dem Visualisieren der Bewegungsabläufe muss er jedoch vorsichtig sein. „Direkt nach der Verletzung, als ich also direkt aus der intensiven Trainingsphase gekommen bin, hat die Muskulatur in der Nacht oft gezuckt. Das hat mir manchmal höllische Schmerzen bereitet“, hätte er sich den Fuß am liebsten festgeschraubt.

Gut aufgehoben

Der Ehrgeiz ist bei Brandl und seinem engsten Umfeld ungebrochen. „Sobald es irgendwie geht, will ich wieder mit dem Training beginnen.“ Dabei wolle er sich eine kleine Anleihe bei Lindsey Vonn nehmen, die nach ihrem Kreuzbandriss in Sachen Fitness-Training massiv zu Kettlebell und Therabändern griff.

Zudem ist seine sportlich sehr bewanderte Familie bei ihm vorstellig geworden. „Meine Mutter hat ein Pilates-Studio, sie feilt schon an speziellen Übungen für mich. Und auch meine Tante, die Physiotherapeutin ist, hat mir ihre Unterstützung versprochen.“

Die Verletzung dürfte ihn also schon bald nicht mehr jucken.

Reinhold Pühringer

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