Dominik Koll outet sich: "Ich bin schwul"

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Um Dominik Koll war es zuletzt ruhig geworden.

Der Schwimmer, der sich für zwei Olympische Spiele (2004 und 2008) qualifizierte, ist 2011 nach New York übersiedelt, um an der Columbia-University zu studieren.

Für den 28-Jährigen bietet sein neuer Lebensraum auch die Möglichkeit, sich ungezwungener zu fühlen. "Ich bin schwul", outet er sich jetzt in einem Interview mit den "OÖ-Nachrichten".

"Ausgrenzung darf nicht mehr passieren"

Seit einem Jahr ist Koll mit seinem aktuellen Lebenspartner nun schon zusammen. Ein homosexuelles Pärchen? In New York nichts Ungewöhnliches. "Das ist hier normal. Es dreht sich niemand nach einem händchenhaltenden Homo-Paar um", erklärt der gebürtige Oberösterreicher.

In Linz hätte das Aufsehen seiner Einschätzung nach ein viel größeres Ausmaß gehabt. "Das sollte nicht solch einen Effekt auf Leute haben, den hat es ja bei Hetero-Pärchen auch nicht."

Und genau hierin liegt auch ein wesentlicher Grund für sein jetziges Outing. Koll möchte dadurch mithelfen, das Thema Homosexualität zu enttabuisieren und in weiterer Folge deren Gleichberechtigung vorantreiben. "Das ist das Ziel, Ausgrenzung darf nicht mehr passieren", so Koll, der den Prozentsatz an gleichgeschlechtlichen Paaren in Österreich gemäß Forschern auf fünf bis zehn Prozent schätzt.

Nachholbedarf in Österreich

Ausgrenzung habe er auch selbst erfahren. "Es gab Zeiten, in denen ich gehänselt worden bin. Ich bin mir sicher: Hätte ich schwule Vorbilder in Sport und Politik gehabt, wäre es leichter gewesen."

Nun möchte er dazu beitragen, für mehr Akzeptanz zu sorgen. "Schwule sind ein Teil der Gesellschaft", wünscht sich Koll, dass diese durch Vorurteile oder Gesetze nicht benachteiltigt werden.

In den USA ist die rechtliche Lage in dieser Hinsicht bereits weiter als in Österreich. Während in unseren Breitengraden gleichgeschlechtliche Partnerschaften gerade einmal anerkannt sind, ist die Homo-Ehe bereits in elf US-Staaten gesetzlich verankert. Über eine landesweite Ausdehnung entscheidet demnächst der Oberste Gerichtshof.

Die Oma gutiert es

Im Sport wünscht sich Koll mehr Fußballer, die sich outen. "Weil es eine so prominente Sportart ist und es die Gesellschaft prägt." Von den Klischees, dass Schwule feminin, nicht stark und nicht hart sind, halte er ohnehin nichts.

Seinen aktuellen Freund hat er bereits daheim vorgestellt. Die Oma aus Zell an der Pram hat ihn bereits in die Familie mitaufgenommen.

Schwimmerisch nimmt der Freistil-Spezialist derzeit an diversen US-Wettkämpfen teil und hält nach eigener Einschätzung eine Teilnahme an der EM 2014 oder Olympia 2016 für möglich.

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