Dinko Jukic: Auch ohne EM auf dem richtigen Weg

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Dinko Jukic schwimmt wieder.

Der 25-Jährige bestritt in Slowenien seine ersten beiden Rennen seit den Olympischen Spielen 2012 und einem Wettkampf in Rijeka im März 2013.

Der Wiener entschied vor zwei Wochen in Trbovlje die 50m und 100m Delfin sowie die 100m Kraul für sich. Vergangenes Wochenende reüssierte er in Kamnik über die 50m und die 100m Delfin. Fünf Starts, fünf Siege.

„Ich bin sehr froh, dass ich zurück bin und diese fünf Rennen hinter mich gebracht habe“, erklärt Jukic im Gespräch mit LAOLA1. Mit seiner Zeit über 100m Delfin, die er in Kamnik in 54,42 Sekunden bewältigte, war er nicht unzufrieden.

„Ich bin es unrasiert und aus dem Training heraus geschwommen, habe diese Rennen als Trainingswettkämpfe mitgenommen.“

EM ist kein Muss

Vor den Olympischen Spielen war er zu diesem Saison-Zeitpunkt lediglich acht Zehntel schneller gewesen. „Insofern passt das recht gut.“

Das Limit für die anstehenden Langbahn-Europameisterschaften im August in Berlin, zu der der OSV 15 Schwimmer entsendet, hat er mit 53,68 Sekunden verpasst, was ihn aber weiter nicht stört. „Es hätte keinen Sinn gemacht, zur EM zu fahren, nur um dabei zu sein“, hat der Olympia-Vierte höhere Ansprüche an sich selbst. Er wolle sich lieber auf die Kurzbahn-Saison mit EM und WM am Jahresende konzentrieren.

„Ich glaube, dass das eine vernünftige Entscheidung ist, schließlich habe ich fast alle meine Medaillen auf der Kurzbahn geholt. Von daher ist es logisch, dort wieder auf die internationale Bühne zurückzukehren“, meint der fünffache Kurzbahn-Medaillengewinner.

Das Ziel Olympische Spiele in Rio 2016 hat er trotz der ganzen Verbands-Querelen nie aus den Augen verloren. Die Marschroute bis dorthin ist klar: „Wenn ich bis Ende 2014 auf der Kurzbahn wieder bei der europäischen Spitze dabei bin und im Jahr darauf auf der Langbahn wieder um WM-Medaillen mitschwimmen kann, dann kann es auch mit einer Olympia-Medaille etwas werden.“

Kilometer-Fressen im offenen Wasser

Sein Fokus bleibt auf den 200m Delfin. „Im Augenblick geht es über die 100m schon ganz gut, für die 200m fehlt mir aber noch die Distanz“, gibt er unumwunden zu.

Damit der Projekt-Rio-Athlet auf die nötigen Umfänge kommt, will er im Sommer an ein paar Open-Water-Wettkämpfen teilnehmen. „Das ist die perfekt Maßnahme, um das nötige Wassergefühl zu bekommen.“

Diese werde Jukic aller Voraussicht nach in Australien bestreiten. Mit dem Schwimm-Team aus Downunder läuft eine Kooperation, die es ihm ermöglicht, am Training der „Aussies“ teilzunehmen. „Sie schicken mir Trainingspläne und wir fahren gemeinsam auf Lehrgänge“, führt Österreichs Parade-Schwimmer aus.

Insbesondere für die Kurzbahn-Saison erhofft er sich davon einiges. Schließlich findet eines der australischen Trainingscamps in Doha statt, also genau in jener Halle, in welcher im Dezember die WM stattfindet.

Eine andere Welt

„Durch die Australier bekomme ich Möglichkeiten, die ich in Österreich nie hätte.“ Damit meint er aber nicht nur das Training in der WM-Halle, sondern vor allem die sportwissenschaftlichen Technologien, welche am fünften Kontinent zum Standard gehören.

„Es wird beispielsweise genau herausgefiltert, in welchem Teil meines Armzugs ich den größten Wasserdruck habe oder wann meine Wasserlage am besten und wann am schlechtesten ist“, gibt Jukic einen kleinen Einblick.

Darüber hinaus gebe es ein genaues Sleep-Monitoring, um etwa aufzuzeichnen, wann sich der Sportler wie lange in der Tiefschlafphase befindet. Dazu wird der Schlaf auf einer Seehöhe von 3.000m simuliert, um die Effekte eines Höhentrainingslagers zu erzeugen.

„Und was mich daran am meisten beeindruckt: Diese Betreuung bekommen sie dort bis runter zu den C-Kader-Leuten. Da wird niemand wie ein Star behandelt“, gerät Jukic regelrecht ins Schwärmen.

Verein

SCHWIMMEN:

Desiree Fellner

SVS Schwimmen

Patricia Hais

SG Wr. Neustadt

Birgit Koschischek

SVS Schwimmen

Julia Kukla

SV St. Veit/Glan

Caroline Pilhatsch

USC Graz

Jördis Steinegger

ASV Linz

Lisa Zaiser

SV Spittal

Lukas Ambros

SVS Schwimmen

Felix Auböck

SU Mödling

David Brandl

  1. Perger SV

Heiko Grigler

SV Spittal

Jakub Maly

Eisenstädter SU

Filip Milcevic

SVS Schwimmen

Christian Scherübl

ATUS Graz

Martin Spitzer

USC Graz

SYNCHRONSCHWIMMEN:

Nadine Brandl

SU Wien

WASSERSPRINGEN:

Constantin Blaha

SU Wien

Fabian Brandl

SU Wien

Zum Vergleich: In Österreich wurde es zuletzt schon als kleine Sensation verbucht, wenn das Wiener Stadthallenbad nach vier Jahren Sanierung wieder aufsperrt

Täglich grüßt das Murmeltier

Ganz friktionsfrei gingen die Starts von Jukic in Slowenien nicht über die Bühne. Denn der österreichische Verband bemängelte eine fehlende Auslandsstart-Genehmigung. Jukic sieht nicht ein, warum er diese einholen hätte müssen, schließlich hatte der OSV seinen Verein, den SC Austria Wien, gesperrt. Technisch gesehen, sei also der Klub, für den er auf den Startsockel stieg, aktuell gar kein Mitglied des OSV.

Zwar erklärte das Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien den Ausschluss für rechtswidrig, doch die Verbandsspitze rund um Präsident Stefan Miklauz legte Berufung ein (mehr dazu).

Für den sportlichen Weg zurück sind die Querschüsse vonseiten des Verbandes freilich nicht förderlich. Jukic: „Der Schwimm-Verband interessiert mich immer weniger und weniger. Das einzige, was ich von ihnen möchte, dass ich, wenn ich den Richtlinien eines Großereignisses entspreche, von ihnen dort angemeldet werde.

Wenn er dann bei EM, WM oder Olympia auf dem Startsockel stehe, sehe er sich ohnehin nicht als OSV-Vertreter. „Dann steht hinter meinem Namen Austria. Und dafür schwimme ich mit Stolz.“

Reinhold Pühringer

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