"Habe Comeback unterschätzt"

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"Nachprüfung" für Dinko Jukic

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Dinko Jukic hängt das verpasste EM-Limit noch hinterher.

Wie die „Presse“ berichtet, setzt der Schwimm-Verband (OSV) dem 25-Jährigen eine „Galgenfrist“: Bis Ende Oktober muss er die Norm über 200m Delfin nachbringen.

Dies dient freilich weniger, um bei der am Mittwoch in Berlin beginnenden Langbahn-EM doch noch mitmachen zu dürfen – was ohnehin nicht im Sinne des Schwimmers wäre („In meiner aktuellen Verfassung habe ich dort nichts verloren.“) – sondern, um seinen Verbleib im Projekt-Rio-Kader sicherzustellen.

Denn der Zeitung liegt der normalerweise vertrauliche Fördervertrag zwischen Sportler, Verband und Ministerium vor, der die kontinentalen Titelkämpfe als „wichtigstes Ziel des Jahres“ ausweist.

Der schwere Weg zurück

Jukic kennt die Problematik. Schließlich hat er den Fördervertrag selbst ausverhandelt. Dass sich die Situation nun so zuspitzt, war freilich nicht in seinem Sinne. Genausowenig wie die Entwicklungen, die dazu führten.

„Ich habe das Comeback unterschätzt“, gibt er auf Nachfrage von LAOLA1 zu. Als er im Vorjahr den Kontrakt mit den Verantwortlichen des Projektes Rio unterschrieb, dachte er, dass der Weg einfacher wäre. Schließlich habe er noch nie ein Comeback unternehmen müssen.

„Anfang des Jahres habe ich gemerkt, dass ich zwar konditionell dabei bin, mir aber die spezifischen Kilometer im Wasser abgehen.“ Darum lag es für Jukic nahe, seinen Fokus von den 200m Delfin auf die halbe Distanz zu verlagern.

„Rasiert“ weil unrasiert?

Bald deutete sich jedoch an, dass die EM auch auf dem 100er für ihn zu früh kommt. In Slowenien blieb er in 54,42 Sekunden knapp sieben Zehntel über dem Limit von 53,68. „Ich wollte die Quali unrasiert und aus dem Training heraus schaffen, da ich auf keinen Fall zur EM fahren wollte, nur um dabei zu sein.“

Hätte er sich mit einem gerademal so geschafften Limit und einem freiwilligen EM-Verzicht nicht viel Ärger erspart? „Ich habe mir diese Möglichkeit überlegt, dann wären aber bestimmt wieder die Stimmen laut geworden, dass ich nicht für Österreich schwimmen will, weil ich einen Nationenwechsel anstreben würde, was totaler Blödsinn ist“, gibt Jukic an, dass er einen dafür notwendigen Antrag beim Weltverband FINA nie eingebracht hat. „Ich schwimme gerne für Österreich.“

Lieber trainieren

Die „Presse“ unterstellt dem Olympia-Vierten Nachlässigkeiten bei seinem Comeback-Versuch. Schließlich hat er ein geplantes Trainingslager in Seefeld sowie diverse Wettkämpfe ausgelassen.

„Seefeld war im Jänner als Konditionierung auf der Langlauf-Loipe geplant. Da mir aber die Kilometer im Pool fehlten, habe ich umdisponiert. Und wegen der ausgelassenen Rennen: Warum soll ich mir durch öffentliche Gelder eine Reise zu einem Meeting beispielsweise nach Monaco finanzieren lassen, wenn ich finde, dass ich noch nicht konkurrenzfähig genug bin? Da lasse ich das Geld lieber unbenutzt an das Projekt Rio zurückgehen“, findet Jukic nichts Verkehrtes an seinem Vorgehen.

Blick nach vorne

Dass sich Jukic seinen Weg zurück anders vorgestellt hatte, liegt auf der Hand. Doch da raunzen ohnehin nicht hilft, ist er festen Willens, das Etappenziel für das Projekt Rio nun eben mittels „Nachprüfung“ zu erbringen.

Wo und wann das sein wird, ist durchaus knifflig. Denn das vom OSV festgesetzte Zeitfenster mit bis Ende Oktober lässt nur eine sehr begrenzte Auswahl zu.

Mit dem Hungarospa Cup in Ungarn und dem Zilina Cup in der Slowakei weist der Wettkampf-Kalender des Europäischen Verbandes (LEN) nur zwei Langbahn-Events für diesen Zeitraum aus. Die Crux: Sie finden am selben Wochenende rund um den 26. Oktober statt, womit der Sportler nur eine einzige Chance hat, das Limit nachzubringen.

Reinhold Pühringer

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