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Brandl: "Es gibt keinen Kapitän"

Markus Rogan und Dinko Jukic.

Zwei Ausnahme-Könner, zwei Persönlichkeiten, zwei Dickköpfe.

Österreichs erfolgreichste Schwimmer der Gegenwart sind zweifelsohne nicht die besten Freunde, doch für EIN Ziel möchten sie Seite an Seite an einem Strang ziehen: Olympia-Qualifikation mit der 4 x 200 m Freistil-Staffel.

Dazu muss bei der anstehenden Langbahn-Weltmeisterschaft in Shanghai (24. bis 31. Juli) ein Top-12-Platz her.

Da fehlt was

Doch zwei Schwimmer sind noch keine Staffel. Vervollständigt wird das Quartett durch den frischgebackenen zweifachen Jugend-Europameister Christian Scherübl und durch David Brandl.

Brandl mag vielleicht keiner der großen Wortführer im österreichischen Schwimm-Team sein. Um ihn scharen sich auch auf Pressekonferenzen nicht sämtliche Kameras. Der 24-Jährige ist mit Sicherheit keiner, der sein Ego in den Vordergrund stellt – was in puncto Teamfähigkeit sicherlich kein Nachteil ist – und vor allem weiß er, was es heißt, eine Staffel-Medaille zu gewinnen.

Der Mühlviertler war bereits 2008 in Eindhoven dabei, als er gemeinsam mit Rogan, Jukic und dem mittlerweile im Studentendasein aufgegangenen Dominik Koll EM-Bronze holte. Es ist das bislang einzige Edelmetall einer österreichischen Männer-Staffel.

„Unsere Staffel in Shanghai ist wieder so gut wie jene in Eindhoven“, verrät Brandl.

Zutaten eines Pulverfasses

Auf eine WM-Medaille zu hoffen, ist allerdings vermessen. Zu stark ist die außereuropäische Konkurrenz. Der Top-12-Platz sei laut Brandl jedoch absolut realistisch.

Dazu muss aber die Chemie im Team stimmen. Bekommen sich Rogan und Jukic in die Haare, kann sich die Staffel das Olympia-Ticket wohl abschminken.

Die Vorzeichen dafür sind allerdings nicht gerade verheißungsvoll. Jukic wirkte wegen des Theaters um eine vermeintlich verweigerte Dopingkontrolle zuletzt genervt und dünnhäutig. Zudem bereitete sich Rogan abseits des OSV-Teams, welches im Vorfeld in Peking stationiert war, in Tokio auf die WM vor. Sozusagen eine Extrawurst, die Jukic sauer aufstoßen könnte.

Herrscht akute Explosionsgefahr? „Bestimmt nicht“, schüttelt Brandl den Kopf.

„Schon in Eindhoven haben wir gesehen, dass bei der Staffel die persönlichen Differenzen zuhause gelassen werden.“

Nicht wie Fußball

Etwaige Differenzen hätten schließlich nichts mit Schwimmen zu tun. Auf die individuellen Leistungen komme es stattdessen an.

Der Formaufbau von David Brandl stimmt

„Es ist nicht so wie im Fußball, dass wir uns gegenseitig den Ball zuspielen, sondern jeder muss seine eigene Strecke schwimmen. Im Wasser bist du auf dich alleine gestellt, da können dir die anderen nicht helfen“, erklärt Brandl. Außer natürlich durch Anfeuerungen.

An einem Tisch

Das gegenseitige Pushen und Aufstacheln sei aber ohnedies fixer Bestandteil des rot-weiß-roten Staffel-Prozederes.

Im Vorfeld möchten sich die vier Athleten noch an einen Tisch setzen, um sich abzusprechen. Brandl: „Wir werden mitunter über die Aufstellung reden. Letztendlich entscheiden dies aber die Trainer und der Verband.“

Wenn er es sich aussuchen könnte, würde er als Erster in das Becken hüpfen. „Weil nur dann meine Zeit auch für Rekorde oder Limits gilt und ich ja die 200 m bei der WM nicht schwimmen kann.“

Einen Kapitän gibt es nicht. „Wir sind alle gleich“, behauptet der vierfache österreichische Rekordhalter.

Ein Laib Heimat

Chemie hin oder her, auf der Hand liegt auch, dass keiner der Vier krank werden darf. Ein Fragezeichen steht bei Fernostreisen für gewöhnlich hinter der Verköstigung. Mögliche Nebenwirkungen fremdländischer Speisen sind wohl jedem Reisenden nur allzu gut bekannt.

Zwar haben erste Meldungen der Turmspringer und Synchron-Schwimmerinnen, deren Wettkämpfe in Shanghai bereits laufen, für Entwarnung gesorgt, dennoch will Brandl nichts riskieren.

Immer mit im Gepäck hat er deshalb sein eigenes Müsli und gutes, bodenständiges Perger Brot, das freilich schwarz sein muss. „In China haben sie nur weißes. Das ist nichts für mich.“

Bei seinen Hausbäckereien genießt der Kraul-Spezialist bereits einen Sonderstatus. „Sie packen mir das Brot sogar so ein, damit es möglichst lange hält.“

Gute Mühlviertler Backware – klar, dass da so mancher Teamkollege gerne etwas davon abhaben will. Doch Snorrern zeigt Brandl die kalte Schulter. „Nein, da bleibe ich hart. Schließlich reicht es gerade mal für mich“, lacht er.

Fußball-Verbot

Sein Trainer in Linz, Marco Wolf, ist zwar für seine vielseitigen Trainingsmethoden bekannt, dennoch wurde für Brandl eine Übungsform gestrichen – und zwar Fußball.

„Ich bin jetzt nicht so der atemberaubende Kicker“, grinst Brandl verlegen.

In erster Linie reagiert Wolf damit aber auf die hohe Verletzungsgefahr. Denn durch das viele Wasser-Training wird bei einigen Schwimmern die Koordination an Land in Mitleidenschaft gezogen. Erfahrungswerte zeigen, dass es bei Zweikampfsportarten wie Fußball dann schon einmal ausarten kann. Ein Risiko, dass sowohl Coach als auch Athlet nicht mehr eingehen wollten.

Brandl: „Deshalb finde ich, dass Schwimmer lieber im Wasser bleiben sollten.“

Reinhold Pühringer

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