Blaha: Profi-Tipps für's Freibad

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Wenn sich der blaue Quecksilber-Streifen der 40-Grad-Marke nähert und Essen nur noch in Eis-Form eingenommen werden kann, gibt es nur einen Ort, an dem es sich aushalten lässt: das Freibad.

Hohe Temperaturen, viel nackte Haut und entspannte Stimmung lassen das Plantschen jedoch schnell zum hormonellen Wellenbecken mutieren. Es geht um sehen und gesehen werden.

Und da sich LAOLA1 mitunter als Service-Seite für seine erwiesenermaßen männliche (Surprise, surprise…) Leser-Gemeinde sieht, hat sich die Redaktion den Kopf zerbrochen, wie man(n) am Ufer möglichst ausufernden Eindruck schinden kann. Wie gesagt: Nur als Service-Leistung für euch, versteht sich.

Unser Fokus richtete sich dabei recht rasch auf die Sprunganlagen. Einfach deshalb, weil sie hoch sind, man von vielen gesehen wird und es mit der richtigen Technik auch gewaltig spritzt. Kurzum: Das perfekte Terrain zum Angeben.

Jemand, der sich nicht zwingend mit Angeben auskennt, aber auf den Sprungtürmen dieser Erde daheim ist, ist Constantin Blaha, Österreichs derzeit bester Wasserspringer. Ab Freitag kämpft der Wiener bei der WM in Kazan um Final-Teilnahmen sowie Olympia-Ticket.

Bevor der 27-Jährige in den Flieger kletterte, fragte LAOLA1 nach, welchen Sprung er als Profi einem Otto-Normal-Proleten empfehlen würde, um im Bad den einen oder anderen Blick auf sich zu ziehen.

„Prinzipiell würde ich da zu einem Auerbach mit einer Arschbombe hinten dran raten“, entgegnet der Wiener durchaus schlagfertig. Zur Erklärung: Bei einem Auerbach vollführt der Springer einen Rückwärtssalto, bei dem er dem Becken zunächst aber mit dem Gesicht zugewandt ist. Sprich: Nach vorne abspringen und irgendwie die Beine vorne über den Kopf bringen.

 

So habt ihr Wasserspringen GARANTIERT noch nicht gesehen! Constantin Blaha (official fanpage) fliegt mit uns eine Runde.#WirhabeneinZiel #RoadtoRio #Rio2106 #Diving

Posted by Projekt Rio on Mittwoch, 10. Juni 2015

„Es kommt gut, wenn du kopfüber stehst. Die abschließende Arschbombe sorgt für das nötige Spritzen – und darauf kommt es im Freibad schließlich an“, bietet uns Blaha im selben Atemzug sogar noch seine Hilfe an, um unser Springen mit ein paar Tipps auf ein höheres Level zu bringen.

Aus Angst vor möglichen Fehlversuchen und den damit verbundenen Bauchflecken (Blaha: „An die muss man sich einfach gewöhnen, gegen das Brennen gibt es kein Wundermittel.“) lehnen wir letztlich aber doch ab.

Die Zuschauer können’s besser

Mit dem Halbstarken-Gehabe im Freibad scheint Blaha bestens vertraut zu sein. Kein Wunder: Vor der Wiedereröffnung des Stadthallenbades, die sich um Jahre verzögerte, mussten Österreichs Wasserspringer im Stadionbad inmitten der übrigen Bad-Besucher trainieren. Ein praktisch unmöglicher Zustand, um konzentriert an der eigenen Leistung zu feilen.

„Das einzige Positive am Zielspringen in Wien zwischen die Badegäste war, dass man dadurch eine gewisse mentale Härte entwickelte“, hatte Blaha schon 2013 für einen der Sprüche des Jahres gesorgt.

Damals war er fast tagtäglich mit den Halbstarken rund um das Becken konfrontiert. „Die haben mir mitunter erklärt, dass sie das eh viel besser könnten“, lacht Blaha, der bei der bislang letzten WM vor zwei Jahren sowohl vom 1m- (5.) als auch vom 3m-Brett (9.) das Finale der besten Zwölf erreichte. Ähnliches nimmt er sich für die nun anstehende WM in Kazan vor. Vom 3m-Brett würde ein Finaleinzug das Ticket für die Olympischen Spiele in Rio bedeuten, was auch das erklärte Ziel ist.

Seit der Wiedereröffnung des Stadthallenbades hat sich die Trainings-Situation für Blaha und Co. drastisch verbessert. Sprunganlage sowie ein Teil des Beckens sind extra abgesperrt, während Blaha unter der Aufsicht von Trainer Aristide Brun seine Salti und Schrauben in das Wasser zirkelt. Bis zu über 60 Sprünge sind es pro Trainingseinheit.

Das durch die Stadthallenbad-Schließung entstandene Loch im Nachwuchs könne schon bald wieder geschlossen werden, ist Brun gegenüber LAOLA1 optimistisch. Angespornt von Vorbildern wie Blaha, der seit seinem Studien-Abschluss aus den USA wieder zurückgekehrt ist, drängt eine neue Generation nach. Eine, die aber noch Zeit braucht.

Reine Kopfsache

Insgesamt entsendet der OSV 16 Aktive zur WM nach Kazan

Dass Blaha mit den besten Zehn der Welt mithalten kann, dessen ist er sich sicher. Das Kriterium wird vielmehr der Vorkampf, bei dem knapp 60 Teilnehmer über die Planke gehen.

„Da hast du fast 40 Minuten zwischen den einzelnen Sprüngen. Du darfst aber die Spannung nicht verlieren“, spricht er von einer „Nervenprobe“. Die Form stimme, was nicht zuletzt ein zweiter Platz beim Grand Prix in Madrid Ende Juni untermauerte.

Wie schnell es jedoch in die andere Richtung gehen kann, wurde Blaha mit dem Vorkampf-Out nur eine Woche später in Bozen vor Augen geführt.

Somit bleibt zu hoffen, dass er sich Bauchflecke und Arschbomben für das Freibad aufhebt. Zumindest solange sie noch keine vom Weltverband FINA anerkannten Wettkampfsprünge sind.

 

Reinhold Pühringer

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