Meidlinger beteuert: "Wir haben einen Plan"

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Desolate oder nicht vorhandene Trainingsstätten, scharenweise davonlaufende Sportler und ein juristischer Kleinkrieg mit dem letzten echten Aushängeschild, das Österreich noch geblieben ist.

So könnte eine Job-Beschreibung für das Präsidenten-Amt des heimischen Schwimm-Verbandes aussehen.

Den Posten inne hat Christian Meidlinger, der vergangenen September in die Fußstapfen von Paul Schauer trat und sich heftiger Kritik ausgesetzt sieht.

Im LAOLA1-Interview spricht der Wiener über Verfehlungen der Vergangenheit, Nachwuchskonzepte und Aushängeschilder wie Jukic und Markus Rogan.


LAOLA1:
Rund 300 Tage sind Sie jetzt schon im Amt. Wie oft haben Sie sich schon gefragt, warum tue ich mir das überhaupt an?

Christian Meidlinger: Viel Zeit zum darüber Nachdenken hatte ich nicht, weil das Tagesgeschäft viel Zeit in Anspruch genommen haben. Wir haben eine Wirtschaftsprüfung über die ganzen Systeme laufen lassen und uns kennenlernen müssen, weil zwei Drittel der Verbandsfunktionäre neu sind. Mittlerweile haben wir auch schon wieder etwas herumgetauscht, weil wir fanden, dass es da und dort besser ist, jemand anderen zu haben. Jetzt beginnt schön langsam die Vorbereitung Richtung Zukunft und das läuft ganz gut. Aber gestellt habe ich mir die Frage nie.

LAOLA1: Haben Sie auch nicht daran gezweifelt, ob es richtig war, damals ja gesagt zu haben?

Meidlinger: Man entscheidet sich und macht das dann. Wenn ich gezweifelt hätte, hätte ich es nicht machen dürfen. Ursprünglich war ich für den Vorstand vorgesehen, durch den kurzfristigen Absprung von Paul Schauer bin ich dann sozusagen in die Ziehung gekommen und hatte dann etwa zwölf Stunden Zeit nachzudenken.

LAOLA1: Man hört von verschiedenen Ecken und Enden, dass Sie nicht mehr lange in Amt und Würden sind, weil vielleicht ein politisches Amt nach der Wahl winkt?

Meidlinger: Das ist mir neu. Bis zu mir ist das noch nicht durchgedrungen.

LAOLA1: Das heißt, für Sie ist das keine Präsidentschaft mit Ablaufdatum?

Meidlinger: Als ich dieses Amt übernommen habe, war ich mir der vollen Tragweite bewusst. Ich habe es bis 2016 über und das ist auch die Funktionsperiode, die ich mir einmal gebe. 2016 werde ich dann überlegen, ob ich weitermache.

LAOLA1: Rund 300 Tage ihrer Präsidentschaft sind schon um und 2016 rückt unaufhaltsam näher. Was verfolgen sie mit ihrer Präsidentschaft?

Meidlinger: Da gibt es mehrere Dinge, die wir verfolgen. Das eine ist, dass wir bei der Infrastruktur Fortschritte machen. Diesbezüglich haben wir vertiefende Gespräche mit unseren Freunden aus Tirol geführt, die um den Bau eines Bads in Innsbruck kämpfen. Da haben wir versucht, dafür beim Bund zu intervenieren. Es sieht gut aus, dass wir dort eine Einrichtung erhalten. Das gleiche gilt für Wien. Da hat es eine Machbarkeitsstudie gegeben. Ich hoffe, dass wir da bis September klar Schiff machen, dass wir auch in der Bundeshauptstadt ein Trainingszentrum erhalten und dass wir infrastrukturell ein paar Voraussetzungen schaffen, weil die natürlich die Basis für langfristige Ziele sind.

Sascha Subarsky gilt als eines der größten OSV-Talente

LAOLA1: Und sportlich?

Meidlinger: Für 2016 sind wir im Umbruch, das ist kein Geheimnis. Wir haben viele Sportler, die aufgehört haben. Auf der anderen Seite haben wir aber viele Junge, die nachkommen. Bei den diversen internationalen Nachwuchs-Meisterschaften sind wir zahlreich vertreten. Gerade erst kürzlich hat Sascha Subarsky Silber bei der Junioren-EM geholt und dabei den Altersklassenrekord von Dinko Jukic gebrochen. Da tut sich etwas. Es kommt eine Generation nach. Ob sich die weiterentwickelt, wird man sehen. Das hängt sicherlich auch mit der Infrastruktur zusammen, aber da liegen auch viele Weichenstellungen dazwischen, auch private.

LAOLA1: Wie erklären Sie sich, dass so viele Athleten im praktisch besten Schwimmer-Alter aufhören?

Meidlinger: Da muss man einerseits die Athleten selbst fragen, anderseits habe ich vollstes Verständnis dafür, dass sich einige für den Ausbildungsweg entscheiden. Schwimmen ist zwar ein schöner, aber ein zeitintensiver Sport. Außerdem kann man davon nicht leben. Das ist so. Von daher verstehe ich, dass junge Menschen versuchen, beruflich weiterzukommen.

LAOLA1: Ist Schwimmen überhaupt noch zeitgemäß? Schließlich ist es aufgrund des enormen Zeitaufwandes mit mehr Entbehrungen als so manch anderer Leistungssport verbunden.

Meidlinger: Dennoch halte ich Schwimmen für zeitgemäß. Jede Sportart hat ihre Eigenheiten, weshalb ich da gar nicht große Vergleiche anstellen möchte, aber Schwimmen ist ohne Frage ein sehr harter Sport. Zehn Mal Training pro Woche, davon vier, fünf Mal in der Früh gehören zum Geschäft dazu. Und auch Krafttraining. Wenn man etwas erreichen will, ist das notwendig. Dennoch glaube ich, dass Schwimmen ein zeitgemäßer Sport ist, weil das gerade mit Blick auf Ernährung und Ästhetik etwas ist, worauf die Jugend schaut.

Kratochwil übte zuletzt Kritik

LAOLA1: Aber müsste man nicht noch viel mehr danach trachten, genau diese Leute, die jetzt aufgehört haben, einzubinden?

Meidlinger: Erstens muss ein guter Schwimmer nicht auch ein guter Verbandsarbeiter sein. Zweitens muss es auch passen. Ich bin gerade dabei, einige Trainer mehr einzubinden, weil die aus der Praxis kommen und die nötige Erfahrung haben. Wir haben hervorragende Kontakte nach Linz, Graz und Salzburg. Genau von dort sind Leute in der Sportkommission Schwimmen mit dabei. Sie stehen ante portas, wenn es darum geht, Zukunftsprojekte zu entwickeln.

LAOLA1: Heißt das, dass die Tür für einen Florian Janistyn oder auch einen Bernhard Wolf zur Mitarbeit offen steht?

Meidlinger: Ja, sie sind mit offenen Armen willkommen. Partiell passiert es auch schon, wie man bei Nina sieht.

LAOLA1: Gibt es Kontakt zu Markus Rogan?

Meidlinger: Ja, wir telefonieren gelegentlich. Er studiert momentan sehr fleißig. Ich hoffe, dass ich das auch in seinen Noten niederschlägt. Ich glaube, dass es für den Menschen Markus Rogan wichtig ist, eine abgeschlossene Ausbildung zu haben. Wir möchten ihm nächstes Jahr bei Nachwuchs-Projekten eine Rolle geben.

LAOLA1: Bezüglich des geplanten Schwimm-Zentrums in Wien war zuletzt die Rede von einem Bad mit acht Bahnen, da mit dem Stadthallenbad ohnehin eine Wettkampfstätte zur Verfügung stehe. Ist das nicht wieder eine halbherzige Lösung?

Meidlinger: Die Machbarkeitsstudie sieht alle Kategorien vor. Das erstreckt sich von der Vier-Bahnen-Variante bis zur größtmöglichen. Als Schwimm-Verband wünsche ich mir natürlich den „Best Case“. Aber wir bauen es nicht und müssen es auch nicht finanzieren. Aber über acht zusätzliche Bahnen neben dem Stadthallenbad wäre ich sehr glücklich. Dann wäre ich sehr optimistisch, dass wir mit Blick Richtung 2020, 2024 strukturell arbeiten können.

LAOLA1: Schmerzt Sie der Aufschrei der Turmspringer?

Meidlinger: Natürlich tut er das. Der Aufschrei erfolgte völlig zu Recht. Ich hätte auch gerne die Stadthalle mit einem 10m-Turm und den Sprungbrettern in Betrieb. Was wir machen können, ist zum Bund um Land zu gehen, um Geld für Trainingslager zu bekommen. Aber das ist nur die zweitbeste Lösung.

Das Interview führten Stephan Schwabl und Reinhold Pühringer

LAOLA1: Nichtsdestoweniger sind die Zahlen bei den Vereinen rückläufig. Wie kann man diesem Trend gegensteuern?

Meidlinger: Die Freizeit-Industrie ist ein starker Mitbewerber. Es werden viele Sportarten angeboten, die es vor zehn, 15 Jahren noch nicht gab. Wichtig muss es erst einmal sein, möglichst viele für den Schwimmsport zu begeistern und zu gewinnen. Da haben wir in Planung, ab kommendem Jahr mit Schulen ein paar Veranstaltungen zu machen. Nur mit einer vernünftigen Breite kann man in der Spitze etwas lukrieren.

LAOLA1: Im aktuellen WM-Team fehlen große Identifikationsfiguren, die es in den vergangenen Jahren noch gab. Solche Persönlichkeiten spielen in ihrer Vorbildwirkung für den Nachwuchs aber eine große Rolle.

Meidlinger: Es hat auch eine Zeit vor den Rogans und Podoprigoras gegeben. Das war ebenfalls eine lange Durststrecke. Ich sehe aber nicht, dass wir uns wieder in so einer Situation wie damals befinden, weil wir viele Junge haben, die nachkommen. Keine Ahnung, ob unter diesen ein neuer Superstar dabei ist, aber vielleicht sitzen wir in einigen Jahren wieder hier und sagen, dass sich einer dieser zehn, zwölf Jungen genau zu einem dieser Vorbilder entwickelt hat, dass die Jugend zum Sport bringt.

LAOLA1: In den vergangenen Jahren gehen die großen Schwimm-Erfolge auf sogenannte „Insellösungen“ zurück. Einerseits war da die Familie Jukic, die in sich geschlossen war, und anderseits ein Markus Rogan, dessen Erfolge zu einem Großteil auf sein Training in den USA zurückzuführen sind. Es war aber nie ein herausragender Schwimmer dabei, der einem Nachwuchs-System des OSV entsprang. Wird jetzt einfach auf den nächsten Glücksfall gewartet oder existiert so etwas wie ein Plan für den Nachwuchs?

Meidlinger: Wir haben einen Plan in der Schublade. Wir sind gerade dabei, eine Konzeption zu erarbeiten. Dazu kommt auch ein Leitbild, was es so im Schwimm-Verband noch nicht gegeben hat. Da geht der Fokus natürlich weit über 2016 hinaus. Auch wenn sich 2020 und 2024 noch sehr weit entfernt anhört, ist es das nicht. Wir müssen schauen, dass wir heute die achtjährigen Kinder so fördern, dass wir sie Richtung 2024 dementsprechend entwickeln. Diesen Plan arbeiten wir gerade mit Arrivierten aus. So hoffen wir, auch eine Systematik hineinzubekommen. Die Kritikpunkte bezüglich unserer Vergangenheit stimmen. Das waren Produkte von Individualleistungen und besonderem Ehrgeiz.

LAOLA1: Wird dieses Leitbild auch für Funktionäre erarbeitet? Schließlich kommt von Seiten der Sportler immer wieder der Vorwurf, dass im Verband mit sehr viel Willkür entschieden wird.

Meidlinger: Da sind wir um Transparenz, Offenheit und Klarheit bemüht. Wir haben das Limit-System für die Europameisterschaften so umgestellt, dass die Athleten immer gleich wissen, wie die Norm aussieht. Da gibt es auch kein Deuteln und kein Rütteln.

LAOLA1: Wozu bedarf es dann des Zusatzes bei Limitausschreibungen, dass einer Entsendung auch der Vorstand zustimmen muss?

Meidlinger: Die Limits sind nur eine Bedingung, im Endeffekt muss aber das Gesamtpaket passen.

LAOLA1: Was heißt das konkret?

Meidlinger: Einen Bankräuber werde ich nicht mitnehmen, nur weil er ein Limit geschwommen ist. Bis heute ist mir aber kein Fall bekannt, in dem der OSV dagegen entschieden hat.

LAOLA1: Anderes Fallbeispiel: Einem Sportler, der einen Heeressportplatz will, mitzugeben „Jetzt schwimm einmal gescheit über den Sommer und dann schauen wir einmal“ ist dann doch etwas wenig zum Anhalten für den Sportler.

Meidlinger: Da geht es um FINA-Punkte und um Leistungstabellen. Auch das ist transparent. Seitdem ich da bin, gibt es eine Reihung. Da wissen diejenigen anhand der Punkte, wo sie stehen. Natürlich kann sich über den Sommer noch etwas entwickeln, weil ja Wettkämpfe stattfinden, aber auch hier ist eine objektivierte Liste draußen. Wir hanteln uns Agenda für Agenda in Richtung Transparenz.

LAOLA1: Ist das auch ein Schritt in Richtung dem, was Dinko Jukic gefordert hat, nämlich dass der Verband Dienstleister sein soll?

Meidlinger: Der Verband war und ist Dienstleister. Die Frage ist nur, wieweit soll das gehen und was stellt man sich darunter vor? Für jedes öffentliche Fördermittel, das der Sportler bekommt, übernimmt der Verband die Haftung für dessen ordensgemäße Abrechnung. So gesehen ist der Verband auch Dienstleister und arbeitet für den Sportler. Was man nicht verwechseln darf, ist, was kann der Verband selbst machen und wo ist er nur Übermittler. Wir sind ja eigentlich nur Gelddrehscheibe, um das an die Athleten weiterzugeben, was wir bekommen. Für das Vorjahr haben wir abgerechnet, dass die Sportler rund 450.000 Euro erhalten haben. Das ist kein Geld des Verbandes, sondern des Steuerzahlers, das wir weitergeben.

LAOLA1: Wo steht man aktuell im Prozess gegen Dinko Jukic und wo kann da die Reise hingehen?

Meidlinger: Rein juristisch ist der Status quo, dass der Anwalt von Dinko Jukic gegen die letzte Gerichtsentscheidung Einspruch erhoben hat. Das Gericht hat gesagt, es muss in der Sache entscheiden und hat es an die Erstinstanz zurückgeworfen. Dagegen hat Herr Doktor Krankl Berufung eingelegt. Das ist der formale Teil. Der nicht formale Teil ist, dass wir uns früher oder später – so hoffe ich doch – soweit einigen können, dass beide Seiten aufeinander zugehen. Meine persönliche Bereitschaft dazu ist da. Wir werden nach dem Sommer den nächsten Anlauf unternehmen.

LAOLA1: Kann man es sich leisten, auf einen Dinko Jukic zu verzichten? Schließlich ist er einer der Hauptgründe, warum Sponsoren in den Schwimmsport investieren.

Meidlinger: Ich habe auf Dinko Jukic nicht verzichtet. Er hat erklärt, dass er in Barcelona nicht schwimmt. Das war nicht unsere, sondern seine Erklärung. Ich habe immer betont, dass ich mich freuen würde, wenn er bei der WM antritt. Das ist von unserer Seite zu akzeptieren.

LAOLA1: Ein Bereich, der in den vergangenen Jahren gewachsen ist, ist Synchronschwimmen. Allerdings ist das Budget nicht in gleichem Maß mitgewachsen. Wird man da nachbessern?

Meidlinger: Ob das Budget erhöht werden kann, hängt immer davon ab, wie viel Mittel man zur Verfügung hat. Wir sind dabei, Mittel aufzutreiben. Was etwas untergegangen ist, dass wir eine Trainerin in der Südstadt über die BSO finanziert haben. Wie wir diesen Bereich weiter verbessern können, möchten wir bei den Staatsmeisterschaften in Kapfenberg und danach im Herbst besprechen.

LAOLA1: Ein Verband, der nach Erfolgen in den 90er-Jahren etwas in der Versenkung verschwunden ist, jetzt aber wieder durchstartet, ist Rudern. Ein großes Plus dort ist, dass dort ehemalige Spitzenruderer jetzt im Vorstand an einem Strang ziehen. Kann da in Sachen Kompetenz der OSV-Vorstand mithalten?

Meidlinger: Wir haben auch frühere Athleten im Vorststand. Jetzt wurde Nina Dittrich (Referentin für Jugend-Leistungssport; Anm.) aufgenommen. Auch Birgit Fürnkranz-Maglock (Vize-Präsidentin) ist eine ehemalige Spitzenschwimmerin.

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