Endlich alt genug für eine EM

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Um sich für eine Schwimm-Europameisterschaft zu qualifizieren, muss ein vom Österreichischen Schwimm-Verband (OSV) festgelegtes Zeit-Limit unterboten werden. Mehr bedarf es eigentlich nicht.

Nicht ganz. Denn würde dies zutreffen, wäre Christian Scherübl bereits vor einem Jahr zur Kurzbahn-EM gefahren. Denkste: Dem damals 16-jährigen Steirer wurde das Alterslimit zum Verhängnis.

Mit den Feierlichkeiten zu seinem 17. Geburtstag am 6. April dieses Jahres stellte der Grazer BORG-Schüler quasi die Weichen für seine erste Kurzbahn-EM-Teilnahme. Fehlte nur noch das Limit. Das ließ er beim Ströck-Qualifying in Wiener Neustadt in eindrucksvoller Manier folgen. Über 1.500 m Kraul blieb er mit Platz drei in 14:57,91 Minuten fast 20 Sekunden unter der geforderten Norm.

„Ich war um knapp neun Sekunden schneller als im Vorjahr“, vergleicht Scherübl im Gespräch mit LAOLA1.

Zwischen Sprint und Marathon

Bei der Kurzbahn-EM von 8. bis 11. Dezember im polnischen Stettin nimmt der Youngster ein sehr breitgefächertes Programm in Angriff. Bei einer Streckenauswahl mit 100, 200, 400 und 1.500 m Kraul drängt sich die Frage auf, was ist er nun: Sprinter oder doch Ausdauer-Spezialist?

„Im Prinzip bin ich auf den längeren Strecken zu Hause. Aber wir wollten es schön aufteilen, damit ich bei der EM jeden Tag einen Bewerb und nicht zu viel Pause habe“, erklärt Scherübl, für den nur Kraul-Rennen in Frage kamen.

Seine – wie er sagt – „A-Strecke“ sind aber die 400 Meter. Obwohl er als größtes heimisches Talent gilt, ist es noch zu früh von EM-Platzierungen oder gar Medaillen zu reden. „Ich hoffe auf gute Zeiten, der Rest ergibt sich von selbst. Für mich steht das Sammeln von Erfahrung im Vordergrund.“

Größere und kleinere Sprünge

Gelegenheit um Erfahrung bei internationalen Titelkämpfen zu sammeln, bekam Scherübl heuer bereits bei der Kurzbahn-WM in Shanghai. Gemeinsam mit Markus Rogan, Dinko Jukic und David Brandl hievte er Österreichs 4x200-m-Kraul-Staffel auf den neunten Platz, der zugleich das Olympia-Ticket bedeutet.

Als Draufgabe wurde er in Belgrad zweifacher Jugend-Europameister. Ein aufregendes Jahr für einen, den 2010 nur Insider kannten. Eine Entwicklung, die auch den Athleten manchmal selbst überrascht.

„Am wenigsten hatte ich mit dem Limit vor einem Jahr gerechnet. Von dort an konnte ich mich noch weiter steigern, aber der Sprung danach war nicht mehr so gigantisch“, analysiert der Schützling von Trainer Christoph Schreiner.

Über kurz oder lang

Momentan genießt die Kurzbahn-EM für den Coach Priorität. Auch wenn diese im vorolympischen Jahr aufgrund des nichtolympischen 25-m-Beckens für viele Athleten einen geringeren Stellenwert hat.

Und bei Scherübl? Auch bei ihm ist der Trainingsplan im Wesentlichen auf den Staffel-Bewerb in London ausgerichtet. Zumal sein Olympia-Ticket aber nicht in Stein gemeißelt ist.

„Aktueller Stand der Dinge ist, dass ich der Viertschnellste über 200 Meter Kraul bin, das bedeutet den Staffelplatz“, meint er kryptisch.

Auf der gleichen Welle

Trotz seiner Jugend hat Scherübl kein Vorbild vor Augen. Zumindest nicht im klassischen Sinn. „Es gibt niemanden, dem ich so richtig nacheifere. Aber es gibt Schwimmer, bei denen schaue ich schon genauer hin.“

Genauer gesagt, macht er das via „YouTube“. Zuletzt befand sich unter anderem Vize-Weltmeister Mads Glaesner (DEN) auf seiner Playlist. „Gegen ihn bin ich beim Ströck-Meeting geschwommen. Da habe ich ihn mir davor einmal angeschaut.“

Richtig ins Schwärmen gerät er, wenn er etwa von Paul Biedermann oder Sun Yang spricht. Als der Chinese in Shanghai den 1.500-m-Weltrekord auf 14:34,14 Minuten drückte, war Debütant Scherübl Augenzeuge.

Der große Unterschied zu diesen Stars: „Die haben einfach die Kraft, diese Strecken volldurchzuziehen.“ Etwas, das Scherübl noch abgeht. Doch mit 17 ist ja noch nicht aller Tage Abend.

Reinhold Pühringer

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