Eine EM als Vorgeplänkel

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Die Schlagzahl erhöhen – eine der gängigsten Metaphern, die es vom Rudersport in den alltäglichen Sprachgebrauch geschafft hat.

Unter diesem Motto stehen auch die Bemühungen der heimischen Ruderer, die in die vorolympische Saison gehen.

Bei den Weltmeisterschaften Anfang September werden die Quotenplätze für die Sommerspiele in Rio vergeben. Dies ist eine von nur zwei Regatten, bei der Olympia-Tickets eingefahren werden können. Im Frühjahr 2016 folgt die zweite Gelegenheit.

Somit ist die bevorstehende Europameisterschaft von 29. bis 31. Mai in Posen nicht viel mehr als ein Vorgeplänkel. Eine Einschätzung, die von den ÖRV-Verantwortlichen vollauf geteilt wird. „Der Fokus muss weiterhin auf der WM liegen“, bestätigt Nationaltrainer Carsten Hassing.

Der Däne wird dabei flankiert von ÖRV-Präsident Horst Nussbaumer. Dieser unterstreicht: „Wir sind gemeinsam mit Carsten nach den Spielen in London mit dem Ziel angetreten, den österreichischen Rudersport zurück zu Olympia zu bringen.“ Dem werde weiterhin alles untergeordnet. Auch die anstehende EM.

Diesmal kein harter Winter

Magdalena Lobnig gilt derzeit als größte Olympia-Hoffnung im Rudern

2004 kamen Österreichs Ruderer das bislang letzte Mal zu olympischen Ehren. Die größte Hoffnung auf eine ÖRV-Rückkehr nach zwölf Jahren ist Magdalena Lobnig. Die 24-Jährige ruderte im Vorjahr bei jedem Weltcup ins A-Finale und startete kürzlich mit einem fünften Platz in Bled in die Saison.

Bei der EM hat die Völkermarkterin, die im schweren Einer („Alleine bist du von niemanden abhängig“) an den Start geht, einen vierten Platz aus dem Vorjahr zu verteidigen.

Die Vorbereitung verlief für die Projekt-Rio-Athletin vielversprechend. Während sie in den vergangenen Jahren oft mit Erkrankungen zu kämpfen hatte, kam sie heuer beinahe gesund durch den Winter. „Bis auf eine Kleinigkeit konnte ich durchtrainieren“, resümiert sie zufrieden.

Neben Trainingscamps auf Fuerteventura und im portugiesischen Avis („Das ist so abgelegen dort, dass du nicht einmal auf einen Kaffee gehen kannst“) standen viele Stunden auf dem Ruder-Ergometer auf dem Programm. Sobald es die Temperaturen zuließen, wurde auf dem Wasser trainiert. „Ab ca. 4 Grad Außentemperatur kannst du rausgehen. Aber es kann dir passieren, dass dir nach und nach das Boot wegen des reinspritzenden Wassers vereist“, schildert sie.

Schnellerer Sitz

ÖRV-Coach Carsten Hassing

Die Schlagzahl erhöhen. Darum geht es für Lobnig nicht nur im metaphorischen, sondern auch im eigentlichen Sinn. Eine Technik-Umstellung brachte im Vorjahr nicht den gewünschten Erfolg. Nun rudert sie wieder zurück.

Ihre detaillierten Ausführungen vom „schnelleren Sitz“, den sie nun wieder fahre, führen in Zahlen zu einem Anstieg von 30 auf 32 Schläge pro Minute.

Es ist nicht das erste Mal, dass bei Lobnig eine Technik-Umstellung nicht den gewünschten Erfolg brachte. „Es geht immer wieder zurück zum alten System“, nimmt sie es mit einem Schmunzeln.

Next Level

Die Schlagzahl erhöhen müssen auch die Sieber-Brüder.

Der Leichtgewichts-Zweier mit den Brüdern Paul (22) und Bernhard (24) hat eine schwierige Saison hinter sich gebracht. „Wir haben im Vorjahr gesehen, dass es in der Allgemeinen Klasse anders zugeht“, zieht Paul einen Vergleich mit der U23, in der das Duo 2012 den Weltmeistertitel holte.

„Das ist ungefähr so, wie wenn du bei einem PC-Spiel von Beginner auf Advanced umstellst“, veranschaulicht Bernhard. Zudem habe ihr Trainerwechsel im Vorjahr ebenfalls seine Zeit benötigt. Der LG-Zweier hat sich voll in das Nationalteam rund um Hassing integriert.

Für die nun anstehende Saison sind sie positiv, wobei der Wind merkbar rauer wird. „Carsten und Horst haben uns schon in der Vergangenheit gesagt, dass im olympischen bzw. im vorolympischen Jahr ganz anders gerudert wird. Sie hatten Recht“, spielt Bernhard auf den Weltcup in Bled an, bei dem sie auf Rang vier landeten. „Vom Drive und von der Power her hat sich der Vorlauf dort so angefühlt wie das WM-Finale 2013.“

Bis zu den Olympischen Spielen wird sich das noch steigern.

Vier Gesunde

In einem Boot: Taborsky, Hellmeier, Berg und Chernikov (v.l.)

Ebenfalls ein Wörtchen um die Quali mitreden will der leichte Vierer mit Matthias Taborsky, Florian Berg, Alexander Chernikov und Joschka Hellmeier. Das Quartett kam in Bled zuletzt nicht über den elften Endrang hinaus.

„Ein Arschtritt“, wie es Chernikov bezeichnet, der in Folge aber auch für viel Motivation innerhalb des Teams gesorgt hatte. „Dadurch haben wir noch mehr zusammengefunden.“

Ganz aus dem Nichts sei der holprige Saisonstart ohnehin nicht zustande gekommen. Taborsky war vor dem Wettkampf eine Woche lang im Bett gelegen, weshalb ihm die Form fehlte. „Die EM-Vorbereitung ist nun aber komplett anders verlaufen“, ist der Heeressportler vom WRC Pirat optimistisch.

 

Reinhold Pühringer

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