Ein Schuss vor dem Bug zerstört keine Träume

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Ohne Wasser geht’s nicht, aber was zu viel ist nun mal zu viel.

Österreichs Ruder-Team tritt mit sieben Booten und Sorgenfalten die Reise zur Europameisterschaft  (30. Mai bis 1. Juni) nach Belgrad an. Niemand kann genau sagen, welchen Schaden das Hochwasser in Serbien angerichtet hat.

Die Angaben des Veranstalters, dass die Titelkämpfe unbehelligt durchgeführt werden können, sorgen zwar für ein Aufatmen, das Wissen, dass man in eine hilfsbedürftige Region reist, vermögen sie aber nicht wegzuwischen, wie auch Paul Sieber bestätigt.

„Es ist heftig, wenn so etwas passiert“, meint der 21-Jährige, der im gleichen Atemzug aber zu verstehen gibt, dass er die tragischen Vorfälle rundherum als Sportler ausblenden muss. „Wenn du erst einmal an der Regatta-Strecke bist, verschwinden die Gedanken an andere Dinge von selbst.“

Klappt das, dann möchte er gemeinsam mit seinem Bruder Bernhard ganz weit vorne mitmischen, auch wenn es bei der Generalprobe einen Schuss vor den Bug setzte.

Nicht das Gelbe vom Ei

Sieber kennt die Gegebenheiten in Belgrad. „Es ähnelt der Neuen Donau. Dort gibt es am Wasser ebenfalls einige Bars und Standeln.“ Oder gab?

Wie auch immer sind die Erinnerungen an die serbische Hauptstadt sehr positiv, schließlich feierte der Leichtgewichts-Zweier dort 2012 mit einem zehnten Platz eine überraschend starke Weltcup-Premiere. „Wir sind dort erstmals gegen unsere Vorbilder gefahren und waren gleich das beste ÖRV-Boot – ein super Erlebnis!“

Diese guten Erinnerungen sollen helfen, die jüngsten Erfahrungen, die weniger gut waren, zu verarbeiten. Denn der sechste Platz bei der Wedau Regatta in Duisburg, „einer Art Mini-EM“, war nicht, was sich die U23-Weltmeister erhofft hatten.

„Das war nicht das Optimum“, drückt es Paul noch vorsichtig aus. Technisch habe man nicht das umsetzen können, was in den Trainings zuvor noch gut geklappt hatte. „Die Einheiten davor waren richtig gut.“

Auf Ursachenforschung

Woran es letztlich gelegen hat, ist für die Brüder nur schwer festzumachen. Das reicht von psychologischen – „Die Deutschen sind dort EM-Ausscheidung gefahren, die sind mit einer ganz anderen Anspannung reingegangen“ – bis zu physiologischen Aspekten.

„Vielleicht war es auch die Restmüdigkeit aus dem Training. Wenn du nur zwei Prozent nicht aktivieren kannst, bist du gleich vier bis fünf Sekunden langsamer“, führt Paul aus.

Bei der EM soll das freilich nicht passieren, weshalb in der letzten Woche nur noch leichtes Training samt Aktivierungs-Einheiten auf dem Programm steht. „Wir haben die Enttäuschung von Duisburg umgedreht und versuchen das als Motivation zu sehen. Die Rolle des Underdogs ist vielleicht ganz vorteilhaft.“

Das Ziel bleibt

Underdog hin oder her bleibt der Final-Einzug das vorrangige Ziel. Oder sogar ein bisschen mehr. „Ich denke, wenn wir unsere Leistung abrufen, dann ist eine Medaille im Bereich des Möglichen, allerdings ist das Feld recht dicht beisammen. Zehn Boote kommen für das Podest infrage“, so Paul.

Zumal bei vielen noch nicht klar ist, wie sie über den Winter gekommen sind. Und die ersten Ergebnisse im Frühjahr wollen gerade die Siebers nicht als handfeste Standortbestimmung gelten lassen.

„Uns ist es lieber, es passt in Duisburg nicht zusammen, dafür aber bei der EM.“

 

Reinhold Pühringer

Boote

Einer

Magdalena Lobnig

Doppelzweier

Lisa Farthofer

Birgit Pühringer

LG-Doppelzweier

Anna Berger

Sefanie Borzacchini

LG-Doppelzweier

Bernhard Sieber

Paul Sieber

LG-Vierer ohne

Florian Berg

Markus Lemp

Dominik Sigl

Joschka Hellmeier

LG-Zweier ohne

Alexander Chernikov

Matthias Taborsky

Doppelzweier

Camillo Franek

Julius Hirtzberger

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