Heimkehr des Cambridge-Duos

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Unsere Cambridge-Asse im neuen ÖRV-Vierer

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Zurück in heimischen Gefilden.

Für Alex Leichter ist das Abenteuer Boat Race Geschichte. Drei Wochen nach dem bisherigen Höhepunkt seiner Ruder-Karriere dockt der 25-Jährige, der als erster Österreicher am legendären Wettstreit zwischen Oxford und Cambridge teilnahm, wieder im ÖRV-Lager an.

Genauer gesagt setzt er sich an der Neuen Donau in Wien, der Trainings-Strecke des österreichischen Nationalteams, in einen schweren Vierer ohne Steuermann. Es soll Leichters neue sportliche Heimat werden.

LAOLA1 war bei der Geburtsstunde des Bootes hautnah mit dabei.

Man kennt sich

Leichter und Auersperg

Die Stimmung ist locker, was wahrscheinlich der Art von Carsten Hassing schuldet. Der ÖRV-Nationaltrainer wirkt auf der einen Seite tiefenentspannt, auf der anderen Seite hält er seine Athleten durch sein sympathisches dänisch-englisch-deutsches Kauderwelsch bei Konzentration. Wer nicht aufpasst, verliert da schnell den Faden. Zumindest hat es für den ungeübten Zuhörer den Anschein.

Nicht einmal der gewagt türkise Ski-Overall im 80er-Jahre-Style des Coaches, den er in der noch windigen Jahreszeit auf dem Motorboot trägt, lassen bei Leichter den Eindruck eines Kulturschocks aufkommen. „Nein, schließlich kenne ich die Begebenheiten hier“, schmunzelt der Linzer, der seit drei Jahren mit Großbritannien in jenem Land trainiert, dessen Ruder-Verband in einem Monat mehr Geld zur Verfügung hat, als der österreichische im ganzen Jahr.

In der Zwischenzeit hat sich aber auch die heimische Szene etwas gewandelt – und zwar zum Besseren. „Österreich ist spürbar professioneller geworden“, befindet Leichter. Die Gründe ortet er im von Hassing praktizierten klaren Selektionsprozess sowie der zielgerichteten Arbeit der Verbands-Führung.

Umlernen auf den Oxford-Stil

Wer im neuen Vierer wo am besten Platz nimmt, muss erst durchprobiert werden. Neben Leichter und seinem Studenten-Kollegen Clemens Auersperg, der den Sprung in den ersten Cambridge-Achter nur um Haaresbreite verfehlte, stehen mit den beiden Jugend-Olympia-Startern Ferdinand Querfeld und Christoph Seifriedsberger sowie dem Salzburger Robert Wöhrer drei weitere Mann parat.

Das Experimentieren beginnt. Leichter knobelt noch mit Auersperg, ob er nun Backbord oder Steuerbord ans Ruder muss. „Backbord ist meine Schokoladenseite“, verrät er. In der ersten Einheit muss er in Fahrtrichtung gesehen aber dann doch links ran. Das macht aber nix.

Die ersten „Geh-Versuche“ des neuen Vierers verlaufen positiv. „Es von Anfang an eine gewisse Grund-Einheit spürbar. Das ist das Wichtigste und stimmt mich optimistisch“, erklärt Leichter. Für Auersperg und ihn ist der Schritt von der Insel zurück in die Heimat jedoch mit einer kleinen Technik-Umstellung verbunden.

„In Cambridge wird ein etwas anderer Stil gerudert“, bestätigt Hassing. „Unser Stil in Österreich ist mehr mit jenem in Oxford vergleichbar.“

Der wesentliche Unterschied liege laut Leichter in jener Phase, in welcher die Ruder nicht im Wasser sind: „Carsten versucht, auch daraus möglichst viel Vorwärtstrieb für das Boot herauszuholen.“

Ein für Nicht-Ruderer nicht ganz einfach nachzuvollziehender Prozess. Leichter: „Wenn man in einem stehenden Boot von Bug zum Heck geht, bewegt sich das Boot in Fahrtrichtung. Ähnliches lässt sich zwischen jedem Schlag herausholen. Und wenn ein Rennen aus rund 200 Schlägen besteht, summiert sich das.“

Der Däne lernt schnell

Auch wenn das erste Herantasten gut verlief, steht außer Frage, dass auf das neue Boot noch viel Arbeit wartet. Wie lange es dauert, bis sich eine Besatzung richtig aufeinander eingespielt hat, sei schwer vorherzusagen.

„Es kommt darauf an, ob wir gleich sehen, woran es hakt und was zu tun ist“, so Hassing vorsichtig. „Aber wie sagt man in Österreich so schön: Schau ma mal!“

Die Zeit drängt jedoch. Von 30. August bis 6. September finden auf dem französischen Lac d’Aiguebelette die diesjährigen Weltmeisterschaften statt, bei denen es um die begehrten Quotenplätze für die Olympischen Spiele in Rio geht.

Leichter weiß zwar um die Schwierigkeiten, die bei einem neu zusammengestellten Boot auftreten, bleibt aber trotzdem optimistisch. „In anderen Ländern werden Vierer oftmals erst im Olympia-Jahr zusammengesetzt. Große Nationen haben zwar den Vorteil, aus mehr Athleten auswählen zu können, doch das Mehr an Zeit, welches sie für die Selektion benötigen, können wir in die Boot-Entwicklung stecken.“

Ein einmaliger Anlauf auf Olympia

Sollte es mit Rio für Leichter nicht klappen, wird es das für ihn wohl gewesen sein. 2020 sei für ihn nämlich kein Thema. Bis 2016 wolle er sich aber noch voll dem Rudern und seinem Olympia-Traum – „es würde mich ewig verfolgen, wenn ich es nicht versucht hätte“ – verschreiben.

Er hat zwar noch eine Option im Hinterkopf, in Cambridge ein weiteres Jahr für den Master dranzuhängen, das sei aktuell jedoch Zukunftsmusik.

Denn vorerst rücken einmal die heimischen Gefilde in den Mittelpunkt.

Reinhold Pühringer

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