Neue Aufgabe für Hugo Simon, "E.T.'s Girl" geboren

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72 Jahre sind ein Alter, in dem sich die meisten Menschen ihrem wohlverdienten Ruhestand hingeben und es genießen, sich für all die Dinge Zeit zu nehmen, die während ihres Berufslebens zu kurz kamen.

Nicht so Hugo Simon.

Die österreichische Springreiter-Legende stellt sich seit Beginn des Jahres einer neuen Herausforderung: Gemeinsam mit Verbands-Generalsekretär Franz Kager, Peter Seeburger als Equipechef, Dieter Köfler als Kontaktmann zu den Reitern und Anton Martin Bauer (verantwortlich für den Nachwuchs) gehört er einem fünfköpfigen Gremium an, welches den Springsport in Österreich wieder auf die Erfolgsspur bringen soll.

Teamgeist forcieren

"Ich helfe gerne", erklärt Simon auf einer Pressekonferenz in Wien die Motivationsgründe, sein Wissen und seine Erfahrung mit dem Österreichischen Pferdesportverband (OEPS) zu teilen.

Als technischer Berater beobachtet und beurteilt er die Reiterinnen und Reiter. "Ich übernehme noch keine Funktion, vielleicht, wenn die Reiterei mal weniger wird…", sagt der 72-Jährige, der immer noch aktiv an Turnieren teilnimmt, schmunzelnd.

Damit es wieder bergauf geht, braucht man laut Simon vor allem einen guten Teamgeist. "Das Wichtigste ist erstmal, als Team gut zu sein, um Österreich wieder in der Welt bekannt zu machen. Dann kommen auch gute Einzelergebnisse", gibt er die Devise aus und übt Kritik an der derzeit herrschenden Mentalität unter den Athleten. "Jeder gute Reiter will seinen eigenen Stall haben. Jeder denkt nur an sich – so kann man kein Team sein."

Überschätzt

"Es ist großartig, dass wir von Hugo Simons Erfahrung und Know-how profitieren können, um aus dem bestehendem Pferde- und Reitermaterial das Bestmögliche herauszuholen", schwärmt OEPS-Präsidentin Elisabeth Max-Theurer, ihres Zeichens Olympia-Siegerin im Dressurreiten, vom "Leitbild" Hugo Simon.

"Es wird sicher nicht so einfach, jemanden zu finden, der so erfolgreich ist, wie Hugo Simon als Nummer eins der Welt. Aber Zehnter oder Fünfzehnter wäre ja auch schon gut. Die Reiter glauben ihm, wenn er ihnen sagt, dass sie etwas können oder nicht. Anderen glauben sie es nicht und so werden Pferde nur unnötig verheizt", fügt sie hinzu.

"Sportlich gesehen verstehe ich so viel, dass ich genau weiß, wer in Frage kommt und wer nicht", bestätigt "Hugo Nationale". "Es gibt keine Sportart, in der sich die Leute so überschätzen, wie im Reitsport."

Simon macht auch mit 72 Jahren noch hohe Sprünge

Bewährungsprobe

Der erste große Auftritt der Equipe steigt beim 23. CSIO in Linz (7. bis 10. Mai), dem ersten von vier Nationenpreisen (es folgen Sopot, Budapest und Arezzo), bei denen es für Österreich darum geht, die Qualifikation für das Finale in Barcelona (24. bis 27. September), zu dem die 18 besten Nationen zugelassen werden, zu schaffen.

Die Aufstellung für das Vier-Sterne-Turnier in Linz steht noch nicht fest, zuvor müssen sich die Reiter noch bei anderen Turnieren, wie dem Casino Grand Prix – ebenfalls in Linz –, beweisen. "Die gucke ich mir alle noch an", so der Team-Olympia-Zweite von 1992.

Das weitere Saison-Highlight ist die EM in Aachen (19. bis 23. August). Neben Stefan Eder, Julia Kayser und dem seit Jahresbeginn für Österreich reitenden Deutschen Max Kühner hat wohl auch Stefanie Bistan gute Chancen, an den Europameisterschaften teilzunehmen.

Verlust der Top-Pferde ist Problem

Der 22-Jährigen gelang 2014 das zweitbeste Ergebnis einer Österreicherin bei den Weltreiterspielen: Sie belegte auf "Bogegaardens Apollonia" Rang 20 und war damit die drittbeste Springreiterin.

Allerdings musste sie ihr Top-Pferd kurz danach abgeben. Zwar kenne sie dieses Problem "von klein auf", allerdings müsse man jedes Mal "praktisch wieder bei Null anfangen".

Ihr Trainer, Marcus Wallishauser, verpach jedoch, sie werde auch "künftig konkurrenzfähig beritten" sein.

Simon in Rio 2016?

Die EM bietet gleichzeitig die letzte Chance für die Olympia-Qualifikation. Sieben Plätze gibt es für Europa, vier wurden bereits bei der letzten WM vergeben.

Auf die Frage, wer bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio an den Start gehen würde, antwortet Simon schnell: "Ich sicherlich nicht."

Doch Max-Theurer lacht: "Wenn du einen Kracher im Stall hast, von dem du glaubst, er kann in Rio bestehen, dann bin ich mir sicher, dass du dort einreitest."

Im Deckeinsatz

Eine neue Hoffnung wurde in der Nacht von Sonntag auf Montag in Simons Stall geboren. "Das Fohlen kam um halb drei Uhr früh",  erzählt der 72-Jährige stolz.

Dabei handelt es sich um einen Nachkommen von Hugo Simons berühmten Wunderpferd "E.T.", mit dem er unzählige GP-Siege, darunter auch in Aachen, feierte und zweimal das Weltcup-Finale gewann.

Zwar wurde "E.T." 2013, ohne eigene Nachkommen gezeugt zu haben, eingeschläfert, zuvor wurde er jedoch 2006 in Texas geklont - ein Vorgehen, das vielfach umstritten ist.

Der Klon - "E.T. Cryozootech Stallion" - kommt jedoch nicht als Sportpferd zum Einsatz ("Ich wollte nicht, dass er Turniere reitet, da die Papiere gleich sind"), sondern als Deckhengst.

"E.T.'s Girl"

Damit führt er ein wohl ungleich angenehmeres Leben als das Original.

Sein Deckeinsatz in Frankreich läuft erfolgreich, seit 2010 zeugte der - entgegen vieler Gerüchte einzige - "E.T."-Klon bereits mehrere Fohlen.

Das Jüngste ist ein Mädchen namens "E.T.‘s Girl". Bei seiner Mutter handelt es sich übrigens um Simons Ex-Spitzenpferd Ukinda. Wenn das mal keine guten Gene sind...

 

Henriette Werner

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