Unser kollektives Olympia-Versagen

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Ohne Zweifel, wir sind stolz auf unsere Olympia-Helden.

Doch egal ob sie Toni Sailer, Peter Seisenbacher oder Kate Allen heißen, sie alle haben eins gemeinsam: Den Singular.

Österreichs Erfolgsgeschichte bei Olympischen Spielen wurde fast ausschließlich von Einzelsportlern geschrieben.

Rot-weiß-rote Mannschaften konnten sich beinahe nur in Sportarten auszeichnen, in welcher sie aus Solo-Akteuren zusammengesetzt wurden. Beste Beispiele hierfür sind unsere Liebkinder – die Skispringer oder Nordischen Kombinierer.

Wird der Blick allerdings in die klassischen Mannschaftssportarten wie etwa Fußball, Basketball oder Volleyball gerichtet, vergeht dem im Schwarz-Weiß-Denken geübten österreichischen Sport-Fan schnell das Grinsen.

Bittere Bilanz

Die bisher einzigen beiden Medaillengewinne gehen auf die Spiele 1936 in Berlin zurück, wo im Fußball und Feldhandball (sechs teilnehmende Nationen) jeweils Silber geholt wurde.

Doch nicht genug, dass Österreichs Mannschaftssportarten seither kein Olympisches Edelmetall mehr schürften – nein, sogar die Quali-Hürde konnte kaum mehr übersprungen werden.

Nur unsere Handball-Damen sowie der Eishockey-Auswahl gelang dies - wenn auch in bescheidener Regelmäßigkeit.

Sportart Anzal Qualis zuletzt bestes Ergebnis im Programm seit
Fussball 4 1952 1936 (2.) 1900 (mit Unterbrechungen)
Handball 1 1936 1936 (2.) durchgehend ab 1972
Handball Damen 3 2000 1992, 2000 (5.) 1976
Basketball - - - 1972
Feldhockey 3 1952 nie platziert durchgehend ab 1920
Feldhockey Damen 1 1980 1980 (5.) 1980
Eishockey 12 2002 1936, 1948 (7.) 1920

These 1: Österreich ist zu klein

ÖBV-Team war noch nie bei Olympia

Eine Einwohnerzahl von gerade einmal acht Millionen und ein paar Zerquetschten ist zu wenig. Die Zahl der Sporttreibenden und vor allem jener, die ihr Hobby zum Beruf machen, ist zu gering.

Wichtig für Mannschaftssportarten ist ein Ligabetrieb auf möglichst hohem Niveau. In Österreich ist dies nur schwer zu realisieren. Am besten zu sehen am Beispiel Fußball, wo trotz hohem öffentlichen Interesse und vergleichsweise hohen finanziellen Zuwendungen nur eine Zehner-Liga zusammengestellt werden kann. Es heißt, mehr sei aus wirtschaftlicher Sicht nicht möglich.

Prokop hält diese These hingegen für Schwachsinn: „Schau dir an, was die Norweger zusammenbringen und die haben gerade einmal über vier Millionen Einwohner. Die Dänen das gleiche.“ Grundvoraussetzung ist es somit keine, dennoch würde eine größere Breite wohl Vieles erleichtern.

These 2: In Österreich wird zu unprofessionell trainiert

Das ÖFB-Team war zuletzt 1952 olympisch

Den Hauptgrund für unser kollektives olympisches Versagen sieht Prokop in der schlechten Trainingsarbeit. „Im Mannschaftssport trainieren wir zu wenig auf internationalem Niveau“, weiß der 71-Jährige, der das Handball-Wunder Hypo Niederösterreich kreierte, genau wovon er spricht.

Dies liegt aber nicht nur an den Spielern (siehe These 3), sondern auch an den Trainern. So könne manchen mangelndes Fachwissen oder aber fehlende Konsequenz vorgeworfen werden.

Leider nein

Bei den Spielen nächstes Jahr in London wird sich keine Besserung einstellen. Während die ÖFB-U21 am geforderten EM-Platz drei bereits in der Qualifikations-Phase scheiterte, ließen unsere Handball-Herren die gute Ausgangslage in der EM-Qualifikation mit zwei deutlichen Pleiten gegen Deutschland und Island ungenützt.

Zwar wäre die Endrunden-Teilnahme noch kein London-Ticket gewesen, doch die ÖHB-Truppe befand sich zuletzt auf einem guten Weg. Basketball und Volleyball werden auch 2012 weiterhin vergeblich von ihrer ersten Olympia-Teilnahme träumen.

Doch was sind die Gründe für die schon traditionelle Schwäche Österreichs in den „großen“ Olympischen Mannschaftssportarten?

LAOLA1 hat sich auf die Suche gemacht und stellt gemeinsam mit Trainer-Denkmal Gunnar Prokop Thesen auf. Stimme in der rechten Spalte ab, was für dich die Hauptursache für das Scheitern ist!

These 3: Österreichs Athleten geben sich zu schnell zufrieden

ÖHB-Damen qualifizierten sich dreimal

Dies ist wohl die Kehrseite der oft zitierten „österreichischen Gemütlichkeit“. Zugleich ein Phänomen, das auch Prokop nur allzu gut kennt. „Da gibt es Sportler, die werden Achter und sagen anschließend im Interview, dass sie zufrieden sind. Das kann doch nicht wahr sein?!“ poltert der frühere Leichtathletik-Trainer drauf los.

„Ich war nicht einmal zufrieden, wenn ich Zweiter war. Das ist eine Krankheit im österreichischen Sport.“

These 4: Österreichs Klubs setzen zu sehr auf Legionäre

Viele Legionäre auch im Volleyball

Ein alter und auch oft kritisierter Hut in unseren Breiten: Anstatt einem jungen Österreicher die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln, haben Vereine oft einen Legionär bei der Hand.

„Egal ob im Basketball, Volleyball oder vor allem im Fußball – es spielen einfach zu viele Ausländer in unseren Ligen. Deshalb fehlt uns die Dichte an heimischen Top-Spielern“, weiß Prokop, der aber auch selbst gerne auf starke internationale Kräfte setzte.

Summa summarum blickt der ehemalige Zampano in eine schwarze Zukunft. „Mit Ausnahme von Eishockey sehe ich keine Sportart, wo wir demnächst die Olympia-Quali schaffen. Selbst im Damen-Handball wird es wahrscheinlich nie wieder reichen.“

Reinhold Pühringer

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