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ÖFT-Turner wollen nach 48 Jahren zurück zu Olympia

Wer ist eigentlich Henrietta Parzer?

„Noch nie gehört“, zuckt Fabian Leimlehner mit den Schultern.

Damit geht es Österreichs derzeit wohl besten Turner wie praktisch jedem Sportfan.

Doch zur Ehrenrettung von Frau Parzer sei gesagt, dass sie Leimlehner etwas voraus hat. Sie qualifizierte sich im Geräte-Turnen dreimal für Olympischen Spiele. Zuletzt 1964 in Tokio, wo sie im Mehrkampf den 61. Platz belegte.

Wieso dies eine Erwähnung verdient? Weil es das bislang letzte Mal war, dass sich eine heimische Turnerin für Olympische Spiele qualifiziert hat.

Nicht zu laut auftreten

Nach 48 Jahren soll in London das Warten endlich ein Ende haben. Dafür sorgen könnte Leimlehner, der sich offensichtlich weniger den Kopf über die Vergangenheit zerbricht. Viel lieber macht er sich da schon Gedanken über die Zukunft.

„Ich gehe davon aus, dass sich die Olympia-Quali für mich ausgeht“, prognostiziert der 23-Jährige im Gespräch mit LAOLA1.

Verschreien will er allerdings nichts. „Von einer g’mahten Wies’n will ich aber nicht reden. Es darf halt nichts schief gehen.“

Harte Auslese

Doch nicht so schnell. Bevor der Sohn einer Schweizerin und eines Österreichers von London reden kann, musste er zuerst einmal für die Qualifikation der Qualifikation nominiert werden. Klingt elitär – ist es auch.

Konkret bedeutet das, dass Leimlehner zunächst einmal für die am Freitag beginnenden Weltmeisterschaften in Tokio vom heimischen Verband nominiert werden musste. „Dafür sind fünf in Frage gekommen, letztendlich wurden nur drei geschickt“, erklärt der in Innsbruck trainierende Heeressoldat.

Bei den Titelkämpfen in Fernost muss er bester Österreicher werden, um zum eigentlichen Qualifikationsturnier, dem Olympic-Test-Event im Jänner in London, entsandt zu werden.

Zur Endausscheidung darf bei Herren und Frauen jeweils nur ein ÖFT-Turner reisen. Dabei werden Marco Baldauf und Lukas Kranzlmüller versuchen, Leimlehner einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Realistisch bis illusorisch

Wie hoch beim Olympic-Test-Event letztendlich die Latte liegt, ist aus heutiger Sicht noch nicht genau bestimmbar. „Daumen mal pi sollte ein Platz unter den besten 65 oder 70 wohl reichen“, spekuliert Leimlehner.

Eine Marke, die der Mehrkampf-Fünfte der Vorjahres-EM durchaus packen kann. „Das sollte drinnen sein, sogar mit etwas Polster nach hinten.“

Das London-Ticket über ein Einzel-Gerät zu lösen, sei indes unrealistisch. „Da müsste ich bei der WM unter die besten Drei kommen. Aber mit dem rechne ich mal lieber nicht“, lacht der zweifache Weltcup-Zweite.

Wo der Hund begraben liegt

Leimlehners absolutes Lieblingsgerät ist das Reck, wo er nach seinem zweiten Platz beim Challenger in Maribor sogar die Weltrangliste anführt. Ein Kunststück, das vor vor ihm noch keinem anderen Österreicher gelang. Zu seiner Schokoladenseite zählen auch noch Sprung und Ringe.

Kritisch wird es allerdings am Seitpferd und am Boden. Doch genau dort entscheidet sich für Leimlehner, der nach seiner Mittelfuß-OP im Mai wieder voll fit ist, ob es ein guter oder ein schlechter Wettkampf wird.

„Eine gute Wertung am Seitpferd und es kann ganz weit nach oben gehen“, erklärt das Muskelpaket.

Es sieht gut aus, dass endlich Nachwuchs in die Fußstapfen von Henrietta Parzer tritt.

Reinhold Pühringer

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