Friede, Freude, Eierkuchen bei bronzenen ÖTTV-Herren

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Europaspiel-Bronzemedaillengewinner.

Ein etwas sperriger Titel, den sich Robert Gardos, Stefan Fegerl und Daniel Habesohn wohl dennoch bereitwillig in den Lebenslauf schreiben.

Die ÖTTV-Herren holten das Edelmetall mit einem 3:0-Sieg im Spiel um Platz drei gegen Deutschland – unter kuriosen Umständen.

Die Entscheidung fiel schon in Spiel eins, als Daniel Habesohn Patrick Baum mit 3:0 bezwang. Da Timo Boll Deutschland nach wie vor wegen Magen-Darm-Problemen fehlte und das Reglement vorschreibt, dass jeder genannte Athlet zwei Matches zu absolvieren hat, mussten die Turnierfavoriten zwei Spiele kampflos verloren geben. So war das Doppel (3:1 für Stefan Fegerl/Habesohn) bereits bedeutungslos.

Freude

Trotz des Hergangs zeigten sich die Spieler im Gespräch mit LAOLA1 über ihren Erfolg glücklich. „Es hat schon einen sehr hohen Stellenwert. Es ist alles aufgegangen, wie wir uns das vorgestellt haben“, bekannte Fegerl und dachte schon ein Jahr voraus: „Jetzt blicken wir Richtung Rio – wenn wir uns qualifizieren, sehe ich durchaus Chancen auch dort eine Mannschaftsmedaille zu machen.“

Gardos strich heraus, dass es für die Mannschaft die erste europäische Medaille war und meinte: „Wenn die zehnten European Games stattfinden, können wir sagen, wir haben bei den ersten eine Medaille gemacht.“

Friede

Wenngleich der Routinier lieber ein Deutschland in Optimalbesetzung geschlagen hätte, minderte die Krankheitsmisere des Lieblingsnachbarn den Wert der Medaille nicht: „Niemand wird sich daran erinnern. Wir waren schon Vierter bei Olympischen Spielen und kein Schwein weiß es, wenn du Vierter wirst. Es ist egal wie, so lange du fair gewinnst – für den Sport und die Fans wäre natürlich ein komplettes Match besser gewesen.“

Die bittere Halbfinal-Niederlage vom Vortag war für Daniel Habesohn bereits vergessen: „Der Ärger über das Halbfinale ist weg, das darf man nicht mitschleppen. Wenn du negativ in das Spiel gehst, bist du nicht fokussiert.“

Kein Eierkuchen

Einziger Wermutstropfen war für Robert Gardos die geringe Öffentlichkeitswirkung der Europaspiele: "Nicht der Sport macht ein Event wichtig, sondern die Medien. Wenn wir hier Dritter werden ist es fast wie eine Bronzemedaille bei einer Europameisterschaft, aber für die Medien ist es nicht das selbe."

In der Tat - LAOLA1 ist österreichweit nach wie vor das einzige vor Ort vertretene Medium. Gardos setzte jedoch bereits bei den Spielen selbst an: "Europa respektiert die Europaspiele nicht genug. Der Leichtathletik-Verband und der Schwimmverband töten diese Spiele. Ich bin kein Schwimm-Fan, aber wenn das europäische Pendant zu Michael Phelps hier wäre, hätten wir mehr Aufmerksamkeit." Zur Erklärung: Im Schwimmen treten nur U-18-(Herren) bzw. U-16-Athleten (Damen) an, die Leichtathletik hält nur die EM der vierten von vier Leistungsklassen ab.

Zurück zum Tischtennis: Wie nach den Semifinali (Hier geht’s zu der Debatte) bekam die umstrittene Regelung, keinen Ersatzspieler nominieren zu dürfen, auch am Montag Prügel ab – auch von den diesmal davon profitierenden Österreichern. „Es sollte selbstverständlich sein, dass man einen Ersatzspieler dabei hat, eigentlich ist es ein Witz. Es ist für Spieler wie Zuseher eine Katastrophe, wenn ein Spieler w.o. geben muss“, begann Habesohn und befand: „Es ist idiotisch.“

Stefan Fegerl dachte schon an den nächsten Schritt: „Diese Regelung ist schlecht und wird so auch nicht mehr zustande kommen, denke ich. Ich glaube, dass sie aus ihren Fehlern lernen werden und das bei der nächsten Veranstaltung besser machen werden.“

Nach der Niederlage im kleinen Finale auf das Halbfinale gegen Frankreich angesprochen, blieb auch Dimitrij Ovtcharov bei seiner Meinung: „Es war nicht unsere Schuld, dass wir verloren haben, sondern die der Regeln.“

Doch ein bisschen Eierkuchen

Dennoch wirkte die deutsche Auswahl diesmal wesentlich gelöster.

Der nach dem Semifinale offensichtlich frustrierte Ovtcharov sorgte mit einer Anekdote für Lacher: So offenbarte der 26-Jährige, wegen seiner Rolle als Botschafter der Europaspiele von seinen Teamkollegen im Scherz die Anrede „Herr Botschafter“ zu fordern.

Und bei Österreich war sowieso alles eitel Wonne.

 

Aus Baku berichtet Martin Schauhuber

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