Olympia in Wien als "Riesenchance"

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„Wien ist eine Stadt, die schon seit Jahrhunderten von Visionen geprägt ist.“

Geht es nach dem vierfachen Ruder-Weltmeister Christoph Schmölzer, sei es nun an der Zeit, eine neue ins Auge zu fassen – und zwar die Olympischen Spiele 2028 in unsere Hauptstadt zu holen.

Im Rahmen einer Pressekonferenz sprechen sich mehrere aktive Sportler sowie Größen aus vergangenen Tagen für eine Bewerbung aus, über die die Wiener Bevölkerung Anfang März in einer ersten Volksbefragung entscheiden soll.

Bekannte Stimmungsschwankungen

„An Olympischen Spielen im eigenen Land teilzunehmen, wäre das Größte, das es in einem Sportlerleben gibt“, bringt Beachvolleyballer Alexander Horst, seines Zeichens Fünfter in Peking, die Grundeinstellung der meisten Athleten auf den Punkt. Auch wenn 2028 für den aktuell 30-Jährigen unrealistisch ist.

Derzeit stehen die Chancen, dass Wien überhaupt eine Bewerbung abgibt, aber nicht allzu rosig. Die mediale Berichterstattung, die sich bislang auf die Darstellung der Kosten beschränkt, sorgt unter den im Sudern ohnedies sehr bewanderten Wienern für Skepsis. Eine prä-olympische Haltung, die Horsts Beachvolley-Partner Clemens Doppler schon anderswoher kennt.

„Ein Jahr vor den Spielen in London haben wir dort gespielt und ich kann mich noch sehr gut an die negative Stimmung erinnern, die dort damals geherrscht hat. In praktisch jeder U-Bahn sind Zettel gehängt, auf denen stand, dass man London während der Spiele am besten verlassen sollte, weil die Infrastruktur zusammenbrechen würde“, schildert der 32-Jährige heute mit einem Schmunzeln. Ein Jahr später sei die Atmosphäre in der Bevölkerung in das komplette Gegenteil gekippt.

Dieses Gefühl habe sich bis auf den Court am Horse Guard Prade, der Wettkampfstätte der Bagger-Spezialisten, übertragen. „Diese Location war etwas ganz Besonderes und ich bin mir sicher, dass wir auch in Wien ähnlich schöne Plätze haben“, so Doppler, dem spontan der Rathaus- und der Heldenplatz einfallen. Womit bereits der Anstoß zum leidigen Thema Infrastruktur gegeben ist.

Mit der richtigen Positionierung

Die Debatte über die Sportstätten Wiens nimmt kein Ende. Veraltet, wasserdurchlässig oder gar nicht vorhanden lauten die häufigsten Attribute. In dieser Hinsicht könnte ein Olympia-Zuschlag wie ein Segen wirken.

Für Anja Richter liegt hier auch der Schlüssel zur richtigen Positionierung der Bewerbung. „Meiner Meinung nach sollte die Nachhaltigkeit ins Zentrum gerückt werden. Denn in der Vergangenheit wurde diese noch bei keinen Spielen richtig umgesetzt“, erklärt die ehemalige Turmspringerin.

„Die Wettkampfstätten müssten derartig intelligent konzipiert werden, dass sie so zurückgebaut werden können, damit sie für die Nachbenutzung passen.“

Chancen statt Kosten

Richter, die vier Mal an Olympischen Spielen teilnahm, ist vor allem der Tenor der aktuellen Berichterstattung ein großer Dorn im Auge. „Bislang geht es nur darum, wie viel es kostet. Niemand sagt, was es alles bringt.“

Die positiven Folgen würden weit über Tourismus, Volkswirtschaft oder Image hinausgehen und bis in die Volksgesundheit hineinreichen. So gibt es etwa Studien, die besagen, dass in London seit den Sommerspielen zusätzlich 750.000 Menschen mit der Ausübung von Sport begonnen haben.

„Es wäre fatal, diesen Impuls zu versäumen, nur weil jetzt über das Falsche diskutiert wird.“ Die Skepsis und Skepsis der öffentlichen Meinung kenne Richter bereits von der Fußball-Europameisterschaft 2008 zur Genüge. „Von Terrorgefahr und einer massiven Verteuerung war damals die Rede.“

Ist Wien zu klein?

Doch passt Wien überhaupt in die Strategie-Planungen des IOC? Deren Präsident Jacques Rogge hatte im Vorfeld der Olympischen Jugend-Spiele in Innsbruck durchblicken lassen, mit den „großen“ Spielen in große Metropolen wie eben zuletzt London oder Peking gehen zu wollen.

Demnach könnte Wien zu klein sein. „Davon darf man sich nicht abschrecken lassen“, meint Richter, die auf Madrid verweist, das sich zuletzt bereits mehrfach beworben hat. Als Vorbild würde sich die 35-Jährige die Spiele 1992 in Barcelona wünschen.

Investition in den Sport

Anja Richter kämpft für Olympia in Wien

Die notwendigen Investitionen würden sich freilich nicht nur auf den infrastrukturellen Sektor beschränken. Auch in sportlicher Hinsicht müsste der Hebel angesetzt werden, um den zuletzt so geprügelten Sommersport wieder auf Olympia-Niveau zu bringen.

Dass dies kein Ding der Unmöglichkeit ist, veranschaulicht das Beispiel Großbritannien, das von den Spielen in Atlanta 1996 nur mit einer Goldenen heimkehrte. 16 Jahre später waren es deren 29. Und 16 Jahre beträgt auch die Spanne zwischen London und möglichen Spielen in Wien.

Auch wenn ergänzt  werden muss, dass die Insulaner 1996 auch noch acht Silberne und sechs Bronzene holten, zeigt es, dass mit dem richtigen Konzept und dem richtigen Einsatz vieles möglich ist.

In welche Richtung es mit dem Sport geht

Mit großer Spannung blickt Alex Antonitsch der Volksbefragung entgegen. Denn für den ehemaligen Tennis-Profi, der 1988 in Seoul die rot-weiß-roten Fahnen vertreten durfte, geht es hierbei um eine Grundsatzentscheidung. „Es wir zeigen, in welche Richtung es mit dem Sport in Wien geht“, meint der 47-Jährige.

Fällt das Votum negativ aus, steht für ihn fest: „Wien ist keine Sportstadt.“ Dann werde man sich bei Misserfolgen aber auch künftig nicht mehr an den Sportlern abputzen können.

Nichtsdestoweniger hält er eine Olympia-Bewerbung für „eine Riesenchance“. Schließlich gehöre Wien in Sachen Lebensqualität zu den Top-3 in der Welt, allerdings habe man in sportlicher Hinsicht großen Aufholbedarf.

Insofern ist für Antonitsch, der auch als glühender Verfechter der täglichen Turnstunde an Österreichs Schulen gilt, ein „Ja“ von großer Bedeutung, um nicht sogar zu sagen Pflicht: „Wer mit dem Sport nur irgendwie verbandelt ist und dagegen stimmt, der ist in meinen Augen nicht ganz dicht.“

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