Zwei Jahre vor Rio: Das Olympia-Barometer

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Zwei Jahre sind seit der olympischen Schmach von London ins Land gezogen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass wir bei Halbzeit der Olympiade halten. Genauer gesagt werden auf den Tag genau in zwei Jahren die Sommerspiele in Rio de Janeiro eröffnet.

Nach der historischen Nullnummer war allerorts die Rede von großen Änderungen und Reformen. Als schnelle Wiederbelebungs-Maßnahme wurde vom Sportministerium das Projekt Rio ins Leben gerufen, das die wenigen Medaillen-Kandidaten noch besser unterstützt.

Doch wie ist die Entwicklung seither verlaufen? LAOLA1 hat den Kader sowie dessen Abstufung - den Hope-Kader - in seine Einzelteile zerlegt und geschaut, in welchen Sportarten sich echte Anwärter auf brasilianisches Edelmetall finden lassen:

BEACHVOLLEYBALL

IM KADER: Stefanie Schwaiger, Alex Horst/Clemens Doppler (Teams)

Mit dem Karriereende von Doris Schwaiger ist Österreich ein Medaillen-Tipp für Rio abhanden gekommen. Die Fußstapfen für Lisa Chukwuma sind groß und die Ergebnisse bislang mäßig. Bei den Herren hat Clemens Doppler seinen Kreuzbandriss gut überwunden, wenngleich die Verletzung die Entwicklung des Duos freilich gebremst hat.

AUSBLICK: Es ist zu früh, um über Chukwuma bereits den Stab zu brechen. Zweifelsohne muss aber eine Steigerung her. Ab dem Beginn der Olympia-Quali im nächsten Jahr muss sie funktionieren. ÖVV-Präsident Peter Kleinmann sprüht indes vor Zuversicht und ortet großes Potenzial. Bei Doppler/Horst liegt ein möglicher Schlüssel zum ganz großen Wurf in der Blockarbeit von Doppler. Hinter den beiden Duos drängt sich für Rio derzeit kein weiteres auf. Lena Plesiutschnig/Katharina Schützenhöfer könnten für Tokio 2020 ein Thema werden.

RIO-PROGNOSE:

 

 


 

JUDO


IM KADER: Bernadette Graf, Kathrin Unterwurzacher, Sabrina Filzmoser, Tina Zeltner (Hope), Hilde Drexler (Hope)

Knapp einen Monat vor der in Chelyabinsk stattfindenden WM weist die Weltrangliste das Trio, welches sich im Premium-Kader für Rio befindet, auf den Plätzen fünf (Unterwurzacher), sechs (Filzmoser) und sieben (Graf) aus.

Nicht weit dahinter liegt Hope-Athletin Drexler (16.), etwas zurück hinkt Zeltner (36.), die sich aber nach einem halben Jahr Zwangspause (Kreuzbandeinriss) mit einem dritten Rang beim Grand Prix in Ulanbaataar zurückmeldete. Sprich: Auch die Niederösterreicherin wird wieder aufholen. Zuletzt hatte es Seltenheitswert, wenn von einem Grand Slam ohne Podest zurückgekehrt wurde, wobei die Starterfelder mit dem Beginn der Olympia-Quali Ende Mai stärker geworden sind.

AUSBLICK: Während sich bei den Damen Filzmoser-Zeltner (beide bis 57 kg) sowie Unterwurzacher-Drexler (bis 63) um zwei Olympia-Startplätze streiten, sieht es bei den Herren eher dürftig aus.

Evergreen Ludwig Paischer kämpft in der Weltelite weiter brav mit, sucht aber den Anschluss an die absolute Weltspitze. Da er in Rio nach aktuellem Stand Außenseiter-Chancen hat, würde ihm im Vergleich mit anderen Sportarten ein Platz im Hope-Kader zustehen. Zwar zählt der 32-jährige ÖOC-Athletensprecher nicht mehr als „Hoffnung“ im jugendlichen Sinn, der einzige 30+er im Rio-Kader wäre er jedoch nicht.

Marcel Ott und Daniel Allerstorfer fehlen (noch) die notwendigen Ergebnisse. Unterm Strich: Das weibliche Geschlecht macht Judo zu einem Medaillen-Kandidaten.

RIO-BAROMETER:

 

 


 

LEICHTATHLETIK

IM KADER: Beate Schrott, Ivona Dadic (Hope), Andreas Vojta (Hope), Gerhard Mayer (Hope), Lukas Weißhaidinger (Hope)

Nicht gerade nach Wunsch sind die letzten beiden Jahre für die meisten Kader-Athleten verlaufen. Schrott bekam in zwei Jahren nur selten einen Fuß auf den Boden. Verletzungs-Probleme pflasterten den Weg der Hürdensprint-Finalistin von London, was dazu führte, dass die Leistungskurve nicht nach oben ging.

Ähnliches gilt für Dadic. Die erst 20-jährige Siebenkämpferin steht vor einer Rückkehr aus England.

Weißhaidinger kämpft nach seiner Fokussierung auf den Diksus mit technischen Schwierigkeiten. Vojta drückte hingegen erst vor zwei Wochen seine persönliche 1.500m-Bestzeit in Glasgow auf 3:36,11 Minuten.

AUSBLICK: Speziell bei Schrott und Dadic ist es gut, dass Olympia erst in zwei Jahren ist. Ob die Hürdensprinterin überhaupt in einen Kader, der für Medaillen-Kandidaten geschaffen wurde, gehört, kann zwar grundsätzlich hinterfragt werden, aufgrund der Leistungsdichte im Sprintbereich ist ihre London-Darbietung aber nicht hoch genug einzuschätzen.

Im Hope scheinen die weiteren Leichtathleten gut aufgehoben. Mit seinen 8.168 Punkten in Götzis hätte sich auch Dominik Distelberger einen Platz dort verdient. Zumal die Chancen auf einen Spitzenplatz im Zehnkampf traditionell höher sind als etwa in den Laufdisziplinen.

RIO-BAROMETER:

 

 


 

FLACHWASSER-KANU

IM KADER: Viktoria Schwarz/Ana Roxana Lehaci, Yvonne Schuring

Nach London ging das Boot Schuring/Schwarz getrennte Wege, wobei die Solopfade der gebürtigen Deutschen bislang besser funktionieren. Bei der EM Mitte Juli in Brandenburg paddelte die 36-Jährige auf Rang vier über 500m und kündigte für die WM (6.-10. August) in Moskau ihre Höchstform an. Schwarz und Lehaci suchen unter dem neuen Coach, dem Italiener Guglielmo Guerrini, noch nach dem nötigen Speed. „Der Trainer hat gesagt, dass wir für die EM eine Sekunde zu langsam sind“, erklärte Lehaci gegenüber LAOLA1, warum sich das Duo statt Brandenburg lieber auf das Training konzentrierte.

AUSBLICK: Dass eine Umstellung auf einen Einer als innerhalb eines Zweiers einfacher über die Bühne zu bringen ist, ist naheliegend. Nichtsdestoweniger steigt bei ausbleibenden Resultaten der Druck auf Lehaci/Schwarz im Projekt Rio. Bei einem derartig renommierten Trainer wird dem Duo aber wohl noch etwas Zeit gegeben werden.

RIO-BAROMETER:

 

 


 

WILDWASSER-SLALOM

IM KADER: Corinna Kuhnle, Violetta Oblinger-Peters, Viktoria Wolffhardt (Hope)

Im Damen-Bereich steht ein schlagkräftiges Team bereit. Hinter den Arrivierten Kuhnle und Oblinger-Peters drängt neben Wolffhardt auch Junioren-Europameisterin Lisa Leitner nach. Allerdings wird die Luft an der internationalen Spitze spürbar dünner, was nicht zuletzt die Heim-Europameisterschaft auf der Donauinsel unter Beweis stellte. Bei den Herren hat sich noch kein Nachfolger für den noch aktiven, 41-jährigen Helmut Oblinger hervorgetan.

AUSBLICK: Die OKV-Damen sind für Rio gut aufgestellt. Die Crux im Projekt-Rio-Kader ist lediglich, dass sich letztlich nur eine der drei oben genannten Damen überhaupt qualifizieren kann. Dennoch gleich drei zu fördern, ist zwar wohlwollend, weckt bei Sportarten, die bei Förderungen knapp durch die Finger schauen, jedoch Neid.

RIO-BAROMETER:

 

 


 

MODERNER FÜNFKAMPF
 

IM KADER: Thomas Daniel

Moderner Fünfkampf ist auch zwei Jahre nach London praktisch gleichbedeutend mit dem Namen Thomas Daniel. Der 29-Jährige nutzte die Aufmerksamkeit und die Möglichkeiten, die ihm durch seinen sechsten Platz bei Olympia zuteil wurden, um sein Umfeld zu professionalisieren.

AUSBLICK: Daniel arbeitete zuletzt an Defiziten im Fechten, jener Disziplin, die im Fünfkampf richtungsweisend ist. Ein sechster Rang bei der EM in Szekesfehervar gibt Hoffnung. Für eine Rio-Medaille bedarf es aber eines Leistungs-Sprungs.

RIO-PROGNOSE:

 

 


RADSPORT

IM KADER: Elisabeth Osl (Hope), Alexander Gehbauer (Hope)

Die Straßen-Radsportler wurden bei der Erstellung des Rio-Kaders nicht berücksichtigt, auch die Mountainbiker fanden nur im Hope-Kader Platz.

Vor vier Jahren war Elisabeth Osl noch die Nummer eins der Welt, seither ging es Stück für Stück nach hinten. Aktuell liegt die Tirolerin auf Position zwölf, zuletzt wurde sie von einem Bruch des Schienbeinkopfes zurückgeworfen.

Alexander Gehbauer (Nummer 24 der Welt) hat sich nach einer Not-Operation am Blinddarm vor knapp einem Monat zurückgemeldet und ließ mit Rang drei in Sveti Martin (Kroatien) aufhorchen. In den Weltcup steigt er Ende August wieder ein.

AUSBLICK: Osl hat bereits gezeigt, dass sie es kann und gehört immer noch zur erweiterten Weltspitze. Bei Gehbauer hätten sich die Verantwortlichen nach Rang neun in London einen Schritt nach vorne erwartet, der bislang ausblieb. Insofern ist die Kader-Einteilung absolut gerechtfertigt.

RIO-PROGNOSE:

 

 


 

RINGEN

IM KADER: Amer Hrustanovic, Florian Marchl (Hope)

Vor knapp fünf Jahren stand der ÖRSV beinahe vor dem Konkurs. Statt des Bankrotts folgte die Kehrtwende. Die Bronzene von Amer Hrustanovic vergangenen April in Vantaa war die erste österreichische EM-Medaille seit 1986. Dazu kommen einige Top-Ten-Platzierungen und fünf Ringer, die sich für das Weltcup-Finale der besten 15 qualifiziert haben. "Das ist die erfolgreichste Saison der Verbands-Geschichte", jubelt Vize-Präsident Anton Marchl. Vor fünf Jahren hatte man nur einen HSZ-Platz. Mittlerweile beträgt das Kontingent an Profi-Sportlern sechs HSZ-Plätze sowie ein Athlet im Leistungskader der Polizei.

AUSBLICK: "Sportlich schweben wir auf Wolke sieben, lediglich benötigen wir dringend Sponsoren, um die gestiegene Sportler-Zahl zu den vielen Events schicken zu können", will Marchl den Aufschwung weiterführen.

Insofern wäre ein weiterer Projekt-Rio-Platz sehr wichtig. Als erster Kandidat dafür gilt Daniel Gastl, der bei den Junioren-Weltmeisterschaften Silber holte. Die ÖRSV-Arbeit in allen Ehren, hängen die Trauben in Rio dennoch sehr hoch.

 

RIO-PROGNOSE:

 

 


 

RUDERN

IM KADER: Magdalena Lobnig, Sieber/Sieber (Team), Leichtgewichts-Vierer (Team)

Nach zwei Olympischen Spielen ohne ÖRV-Beteiligung wurde es vergangenes Jahr Zeit für einen radikalen Schnitt. Horst Nussbaumer folgte dem 72-jährigen Langzeit-Präsidenten Helmar Hasenöhrl. Eine Rundumerneuerung, welche die Scharmützel zwischen den Bundesländern minimierte, um die Kräfte für internationale Auftritte zu bündeln. Die U23-Weltmeistertitel von Magdalena Lobnig sowie der Sieber-Brüder Bernhard und Paul zeigten, dass heimische Talente vorhanden sind.

AUSBLICK: Lobnig ist ein Musterbeispiel an Konstanz. Im Weltcup zählt sie zu den Stammgästen auf dem Podest. Hinzu kommt, dass sie mit 23 Jahren noch nicht am Zenit angekommen ist.

Etwas anders liegt der Fall bei den Siebers, die eine technische Korrektur heuer außer Tritt brachte. Das Projekt Leichtgewichts-Vierer fuhr zuletzt bei der EM in Belgrad in der Besetzung Joschka Hellmeier/Markus Lemp/Florian Berg/Dominik Sigl um gerade einmal zwei Sekunden am A-Finale vorbei. Größtes Manko scheint die noch zu kurze gemeinsame Trainingszeit, weshalb sowohl beim Vierer, für den auch noch Matthias Taborsky und Alexander Chernikov infrage kommen, als auch an den Siebers im Projekt Rio festgehalten werden sollte.

RIO-BAROMETER:

 

 

>> Hier geht's zu Teil 2 des Barometers



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