Unerwiderte Liebe

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Es ist kompliziert.

So oder so ähnlich könnte der Beziehungsstatus zwischen Kathrin Unterwurzacher und Judo-Europameisterschaften lauten.

Zugegebenermaßen bekommt die Tirolerin aufgrund ihrer gerade einmal 23 Jahre bestimmt noch die eine oder andere Gelegenheit zu einem erfolgreichen Flirt mit dem wichtigsten aller kontinentalen Turniere.

Nichtsdestoweniger ist ein siebter Platz (2014) für jemanden, der schon 14 Podestplätze samt fünf Siegen auf der World Tour vorweisen kann, dann doch zu wenig.

„Nein, so richtig wollte das bisher noch nicht klappen“, meint Unterwurzacher mit einem Lächeln, welches als „leicht gequält“ gedeutet werden könnte. Keine abwegige Interpretation, schließlich hat die Projekt-Rio-Athletin im Nachwuchs schon bewiesen, dass sie weiß, wie eine EM zu gewinnen ist. Zwei U23-EM-Titel sowie einer in der U17 stehen bei der 63-kg-Kämpferin, die als heißes Eisen für Rio gilt, zu Buche.

Sprich: Irgendwann muss es auch bei den Großen klappen. LAOLA1 hat eins und eins - oder besser gesagt - Ippon und Waza-ari zusammengezählt und erklärt, warum es bei der im Rahmen der Europaspiele in Baku stattfindenden EM (25.-28. Juni) für Unterwurzacher mit einer Medaille klappt:

1. Baku passt gleich in mehrfacher Hinsicht

Unterwurzacher und Baku, da war doch was? Richtig, vor gerade einmal eineinhalb Monaten räumte die Heeressportlerin in Aserbaidschans Hauptstadt alles aus dem Weg, was ihr gegenüberstand. Es war der erste Grand-Slam-Titel ihrer Karriere. Naheliegend, dass das gute Gefühl aus dem Mai spätestens beim Betreten der Ankunftshalle des Heydar Aliyev Airports wieder griffbereit ist.

Wobei es Unterwurzacher an Selbstvertrauen ohnehin nicht mangelt, erreichte sie doch nur zwei Wochen nach Baku als erste Österreicherin das Finale des Masters der besten 16 der Welt. Also jenes Turniers, welches nach Olympia und WM die zweitmeisten Punkte für die Weltrangliste bringt.

Kurzum: Ihre Form war zuletzt eine beneidenswerte. Unterwurzacher will dies zwar nicht bestreiten, übt sich im Angesicht der EM aber lieber in Demut: „Es stimmt, dass es zuletzt gut gelaufen ist, aber vor dem Turnier will ich keine vollmundigen Ankündigungen machen.“

2. Karriere-Hoch in der Weltrangliste

Ihre fetten Punkte aus dem Mai haben sich auf die Weltrangliste niedergeschlagen. Unterwurzacher ist nun Vierte und ist damit – nebenbei erwähnt – die aktuell am höchsten gerankte ÖJV-Judoka. Für die EM ist die Weltrangliste insofern von Bedeutung, da die acht am höchsten platzierten Baku-Starterinnen bei der Auslosung auseinandergesetzt werden. Im Klartext: Unterwurzacher kann frühestens erst im Halbfinale auf eine höher eingestufte Sportlerin treffen kann.

Doch das EM-Feld hat ein paar Tücken parat, wie ein Blick in die Weltrangliste zeigt. Bis zum Rückfall der zweiten österreichischen Baku-Startin bis 63 kg, Hilde Drexler, vor einer Woche von zehn auf zwölf fand sich mit Miku Tashiro (JPN/6.) lediglich eine einzige Nicht-Europäerin in den Top-Ten. Soll heißen, dass es die EM in sich hat.

„Darum zählt die EM gerade in meiner Gewichtsklasse zu den schwierigsten Turnieren, die es überhaupt gibt. Während du bei einer WM oft eine Exotin in der ersten Runde zum Reinkommen hast, geht es bei der EM von Beginn an voll zur Sache“, weiß die Links-Auslegerin. „Die Starterfelder bei einer EM sind vielleicht kleiner als anderswo, aber dafür viel konzentrierter.“ (Top-Ten-Athletin muss für Baku passen)

3. EM zum späteren Zeitpunkt

Es hatte für große Augen gesorgt, als die in Wien sitzende Europäische Judo-Union (EJU) Ende Februar Ausrichter Glasgow plötzlich das EM-Turnier entzog. Acht Wochen bevor in Schottland Titel und Medaillen vergeben werden sollten, befand die EJU, dass es sich bei der US-amerikanischen Cage-Fighting-Serie UFC um einen „nicht genehmigten“ Turnier-Sponsor handle. Schnell war mit den Europaspielen ein Ersatz gefunden.

Unterwurzacher kann das nur recht sein. Denn die Absolventin des Innsbrucker BORGs braucht normalerweise ein paar Turniere, um nach der Vorbereitungsphase rund um den Jahreswechsel richtig durchzustarten. So auch heuer, als sie – ihren Sieg bei den European Open (dritte Turnier-Kategorie) in Oberwart einmal ausgenommen – bei ihren Grand-Prix-Starts im Frühjahr erfolglos blieb.

4. Die ganz private Pause von der Olympia-Quali

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die kommende EM zählt sehr wohl zur insgesamt zwei Jahre andauernden Olympia-Qualifikation im Judo. Für Unterwurzacher jedoch nicht. Klingt komisch, ist aber so: Pro Jahr werden bei jedem Sportler nur die fünf punktebesten Ergebnisse in das Quali-Rennen mitaufgenommen plus ein sechstes, welches nur von der kontinentalen Meisterschaft oder dem Masters stammen darf.

Für den bereits erwähnten zweiten Platz beim Masters in Rabat kassierte Unterwurzacher satte 420 Punkte. Eine Marke, die sie selbst mit einem EM-Titel (400) nicht mehr übertreffen könnte. "Von dieser Seite keinen Druck zu haben, ist zwar schön, aber in Wahrheit geht es bei einer EM in erster Linie ohnehin um Medaillen und Titel", konkretisiert Unterwurzacher ihren Fokus.

Dass ein Mehr an Leichtigkeit aber kein Nachteil ist, weiß sie freilich. Denn etwas zu erzwingen funktioniere ohnehin nicht.

Auch nicht in Beziehungen.

 

Reinhold Pühringer

kg

Weltrangliste

Verein

-57

Sabrina Filzmoser

8.

Multikraft Wels

-57

Tina Zeltner

30.

JC Sparkasse Wimpassing

-63

Kathrin Unterwurzacher

4.

JZ Innsbruck

-63

Hilde Drexler

12.

cafe+co Vienna Samurai

-70

Bernadette Graf

5.

JZ Innsbruck

-60

Ludwig Paischer

19.

JU Raika Flachgau

-81

Marcel Ott

40.

Volksbank Galaxy Tigers

-100

Christoph Kronberger

51.

JU Raika Flachgau

+100

Daniel Allerstorfer

22.

UJZ Mühlviertel

 

Leider konnte ich bei der heutigen Back-Challenge nicht so ganz überzeugen.

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