Opa lässt die Keulen fliegen

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Opa lässt die Keulen fliegen

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Ob Nicol Ruprecht die Keulen im Geräte-Finale der Europaspiele in Baku höher als sonst geworfen hat, ist für das ungeschulte Auge nur schwer erkennbar.

Die 22-Jährige belegte am Sonntag im Keulen-Finale der besten Sechs mit 17,250 Punkten den sechsten Platz. Die russische Favoritin Yana Kudryavtseva (19,200) gewann Gold.

Bereits mit dem Finaleinzug hatte die Innsbruckerin die Erwartungen übertroffen. „Ich kann es noch immer nicht glauben. Dieses Abschneiden hat mir geholfen, aus dem Tief herauszukommen.“

Was das nun mit der Wurfhöhe der Keulen zu tun hat? Dafür muss etwas weiter ausgeholt werden.

Ein kaltes Happy End

Rund um die Olympischen Spiele in London ging ein Aufschrei durch die Medien, als bekannt wurde, dass die damals noch um Spitzenplätze mitturnende Caroline Weber samt dem Nationalteam mangels Alternativen in einer Indoor-Soccer-Halle in Wien-Hütteldorf trainieren muss.

Auf dem neben den Fußball-Feldern recht provisorisch wirkenden Gymnastik-Boden konnte die Gruppe rund um Trainerin Lucia Egermann nicht einmal die Geräte in Wettkampf-Manier in die Höhe werfen, da die Halle schlicht zu niedrig war.

Sportminister kamen und gingen seither, an der Situation von Österreichs besten Gymnastinnen änderte das aber nichts. Bis zu diesem Jahr.

Seit knapp einem Monat haben die Damen mit einem ehemaligen Filmstudio am Wiener Rosenhügel eine neue Bleibe gefunden, welche mit 14 Metern auch die notwendige Höhe aufweist. Ermöglicht hat dies jedoch nicht Sport- oder Stadtpolitik, sondern ein betuchter Opa einer Athletin.

„Die Halle hat zwar noch keine Heizung, aber bis zum Winter haben wir noch ein paar Monate Zeit, das zu ändern“, freut sich Ruprecht über die lang herbeigesehnte Errungenschaft.

Der Mental-Coach auf Skype

Gut möglich, dass die neue Halle zum guten Baku-Ergebnis Ruprechts bereits einen Teil beigetragen hat. Für das Selbstvertrauen der Wahl-Wienerin war der sechste Platz inmitten der gesamten europäischen Elite auf jeden Fall Gold wert.

Nach aufstrebenden Leistungen hatten ihr nämlich zwei Patzer bei der EM Anfang Mai in Minsk nicht nur das Ergebnis vermiest, sondern auch gehörig zugesetzt. „Ich habe mich danach echt gefragt, warum ich das mache“, schildert sie ihr Grübeln.

Beim Verdauen des Rückschlags half Ruprecht die Betreuung von Mentaltrainerin Doris Zollner, die sie nach der EM verstärkt aufsuchte. „Ich habe deshalb sogar einmal pro Monat die lange Reise von Wien zu ihr nach Innsbruck auf mich genommen, nur um mit ihr zwei Stunden zu arbeiten“, berichtet Ruprecht, dass es ihr gut getan habe.

In Baku war Zollner ebenfalls mit dabei, wenn auch nicht leiblich. Somit wurde halt geskypt. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, bestach Ruprecht doch vor allem in puncto Stabilität. „Fünf Übungen ohne großen Fehler wie hier in Baku sind mir noch selten gelungen.“

Ringelspiele voraus

Nach einer Woche Pause („Die Zeit möchte ich mit meiner Familie verbringen“) und Weltcup-Auftritten wird es für Ruprecht bei der WM Mitte September in Stuttgart ernst. Dort qualifizieren sich die ersten 15 für die Olympischen Spiele in Rio.

Etwas, das die 13-fache Staatsmeisterin für unwahrscheinlich hält. „Aber mal sehen, was passiert“, meint die Wörglerin, aufgestachelt durch die gute Baku-Leistung.

Übrigens: Weitere fünf bis sechs Tickets werden im Frühjahr beim Test-Wettkampf in Rio vergeben.

Aus Baku berichtet Reinhold Pühringer

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