ÖLV verliert Team-Gold nach Drama um Matzinger

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39 von 40 Bewerben im Leichtathletik-Teambewerb der European Games waren vorbei.

Der österreichische Vorsprung auf die Slowakei war mit 450 zu 444.5 Punkten zwar knapp, aber im Normalfall genug. Pro Bewerb gab es maximal 14 Punkte zu holen, dementsprechend würde Österreich ein sechster Platz und die damit verbundenen neun Zähler zum sicheren Sieg reichen. Ein sechster Platz unter den insgesamt 14 Nationen der dritten von drei Leistungsklassen – das sind beispielsweise Israel, Aserbaidschan oder Malta.

Der letzte Bewerb: Die 4x400-Meter-Staffel der Herren. Startläufer Dominik Hufnagel absolvierte seinen Part ohne Fehl und Tadel und übergab an Günther Matzinger. Dieser ist kein Läufer wie jeder andere: Dem Salzburger fehlt der rechte Unterarm, er läuft mit einer Prothese. Für die European Games war der zweifache Paralympics-Sieger ursprünglich gar nicht eingeplant, er rückte erst für den verletzten Andreas Rapatz nach.

"Bekam einen Schlag"

Matzinger lief die erste Hälfte seiner Runde im Olympiastadion von Baku wie jede andere. Bis zur Kurve in die Zielgerade – dort folgte der Super-GAU. „Ich wollte an dem Läufer vor mir vorbeigehen. Als ich auf seiner Höhe war, bekam ich einen Schlag von seiner Hand auf das Staffelholz“, berichtete er. Das Resultat: „Es fliegt mir aus der Hand. Ich schaue auf die Hand, Staffelholz weg – ich habe geglaubt, ich packe es nicht mehr.“

Der Salzburger lief zurück, hob das Staffelholz auf, beendete sein Rennen - hatte aber zu viel Zeit verloren. Zeit, die auch Thomas Peter Kain und Mario Gebhardt nicht mehr aufholen konnten. Der rot-weiß-roten Auswahl blieb zwei Sekunden hinter Georgien der siebte Platz, während die Slowakei das Rennen gewann. Endstand: Slowakei 458,5 – Österreich 458.

"Das bitterste Rennen"

„Es ist das bitterste Rennen meiner Karriere“, sagte ein bemerkenswert gefasster Matzinger nur einige Minuten nach dem Drama. „Da will man sich verkriechen. In der Staffel ist das noch bitterer als bei einem Solo-Rennen, als Teil des Teams lässt man die anderen im Stich. Da kann ich mich nur bei dem ganzen Team entschuldigen, dass das passiert ist.“

Sein Teamkollege Kain war sichtlich bemüht, dem Unglücksraben kein schlechtes Gewissen zu machen und ließ sich die Enttäuschung fast gar nicht ansehen: „Das muss man so nehmen. Das ist der Sport, das macht ihn spannend. Wenn man um einen halben Punkt verliert, braucht man den nirgends suchen. Wir können auf unsere Leistungen stolz sein.“

Ein ÖOC-Protest wegen einer Behinderung beim Staffelholzverlust blieb erfolglos, so musste sich das österreichische Team mit den Trostpreisen Silber und dem Aufstieg in die zweite Leistungsgruppe trösten.

Und mit dem Wissen, eigentlich Gold verdient zu haben.

 

Aus Baku berichtet Martin Schauhuber

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