Einzigartige Gelegenheiten kommen selten allein

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Jede Sportart muss letztlich selbst schauen, wo sie bleibt.

Vor diesem Hintergrund ist die jüngste Entscheidung des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF) einzuordnen, die Weltmeisterschaften 2021 nach Eugene und damit erstmals in der Geschichte der seit 1983 stattfindenden Titelkämpfe an die USA zu vergeben.

Wurde aber auch höchste Zeit, meinen die einen. Eigenwillig, befinden die anderen.

Schließlich handelt es sich bei Eugene um die Heimatstadt von Sportartikel-Giganten Nike. Zudem erachtete es die IAAF nicht einmal für notwendig, den Vergabe-Prozess auszuschreiben. Nein, IAAF-Präsident Lamine Diack erklärte im Anschluss an die Sitzung des zuständigen IAAF-Councils in Peking sogar ganz unverblümt, dass die Entscheidung aufgrund finanzieller Motive vollzogen wurde.

Auf in den Kernmarkt!

IAAF-Präsident Lamine Diack macht kein Hehl über die Motive

Ein fettes Paket an öffentlichen Geldern vonseiten des Bundesstaates Oregon, finanzielle Unterstützung durch das Nationale Olympische Komitee sowie ein lukrativer TV-Vertrag mit NBC, der die Meisterschaften im „Höher, schneller, weiter“ in den ganzen USA ausstrahlt, wurden der IAAF garantiert.

Da konnte – oder besser gesagt – wollte der Verband nicht nein sagen. „Ich bin froh, dass meine Council-Kollegen die enorme Bedeutung dieser einzigartigen Gelegenheit für die strategische Entwicklung unserer Sportart erkannt haben“, begründete Diack die Umgehung des Ausschreibungs-Prozederes. Etwas, das übrigens kein Einzelfall ist. Zuletzt vorgekommen im Vorfeld der WM 2007 in Osaka.

Diack sprach von einer Möglichkeit, mit den USA endlich in den Kernmarkt der Leichtathletik vorzustoßen, was langfristig wichtig für die globale Zukunft der gesamten Sportart bedeutend sei.

Richtig einzigartig

Argumente, die zweifellos Gewicht haben und Verständnis wecken. Noch dazu, wo Eugene als echte Leichtathletik-Hochburg gilt, an deren renommierten Universität mit Niki Franzmair derzeit auch ein ÖLV-Talent studiert und trainiert.

Stellt sich nur noch die Frage, warum bei all der ins Feld geführten „Einzigartigkeit der Gelegenheit“ dann die IAAF nicht schon die WM 2019 an Eugene vergeben hat?

Bei der damaligen Bewerbung war „Nike-Town“ nämlich knapp an Doha gescheitert. Die Kataris hatten im Schlussspurt noch ein Sponsoring-Paket in Höhe von 30 Mio. Dollar sowie das Versprechen draufgelegt, Leichtathletik-Entwicklungsländern zehn Tartanbahnen zukommen zu lassen. Einige IAAF-Council-Mitglieder fielen im letzten Moment noch um und sind schließlich dafür verantwortlich, dass 2019 erstmals ein WM-Marathon bei Nacht stattfinden soll.

Vor diesem Hintergrund wirkt der vorgezogene Zuschlag an Eugene mehr wie ein „typisch österreichischer“ Kompromiss, damit sich die US-Leichtathletik nicht ins Schmollwinkerl verzieht.

Somit bleibt als einzige Überraschung, dass die IAAF aus den finanziellen Motiven keinerlei Hehl mehr macht.

Reinhold Pühringer

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