VCM: Kampf und Krampf bei den besten Österreichern

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Wenn es einen Preis für das größte Kämpferherz beim Vienna City Marathon gäbe, in diesem Jahr würde er ohne Wenn und Aber an Roman Weger gehen.

Der Kärntner hatte sich vor zehn Tagen eine Oberschenkelverletzung zugezogen, konnte wenig bis gar nicht trainieren.

Die meisten Läufer hätten auf einen Start verzichtet, aber der 38-Jährige wollte sich die größte Sportveranstaltung Österreichs auf keinen Fall entgehen lassen.

Und bis Kilometer 5 lief auch alles gut, aber dann waren sie plötzlich wieder da, die Schmerzen.

Kämpfen, beißen, laufen

Stechend. Wiederkehrend. Und irgendwann hörten die Schmerzen gar nicht mehr auf.

Aber der Kärntner lief weiter, immer weiter. Kämpfte und biss die Zähne zusammen.

Auch wenn er zeitweise das Gefühl hatte, das lädierte linke Bein nicht heben zu können.

Kein Grünes Licht von den Ärzten

„Wenn es nicht der Wien-Marathon gewesen wäre, hätte ich abgesagt. Aber ich wollte den Veranstalter und vor allem die vielen Fans nicht enttäuschen.“

Deshalb hatte er im Vorfeld auch bewusst auf Grünes Licht von den Ärzten verzichtet. „Die hätten mir wahrscheinlich abgeraten.“

Obwohl sie ihm, wie schon in der Vergangenheit auch, nicht sagen konnten, was genau das Problem ist.

„Es fühlt sich an wie eine Verhärtung oder eine Zerrung, aber ich weiß bis jetzt nicht, was es eigentlich ist.“

Unter Wert geschlagen

Nach 2:24:53 Stunden kämpfte und quälte sich Weger als 24. über die Ziellinie am Heldenplatz.

Und humpelte zum vierten Mal in seiner Karriere - nach 2006, 2007 und 2011 - als bester Österreicher beim VCM. „Alleine der Zieleinlauf war die Quälerei wert!“

Die Zeit – Weger war 8:30 Minuten langsamer als bei seinem schnellsten Wien-Marathon – war diesmal nebensächlich.

„Ich habe mein Minimalziel erreicht, bin am Heldenplatz angekommen. Aber ich weiß, dass ich unter Wert geschlagen wurde.“

Solo gegen den Wind

Nicht unter Wert geschlagen hat sich Tanja Eberhart, die als Neunte wie im Vorjahr bei ihrer Marathon-Premiere wieder beste Österreicherin wurde.

Mit 2:43:59 Stunden steigerte sie sich im Vergleich zum Vorjahr um 12 Sekunden.

„Es heißt ja immer, dass der zweite Marathon der schwierigste ist, das ist mir auch so vorgekommen“, so die 22-Jährige vom ULC Hirtenberg, die den Großteil der 42,195 km alleine laufen musste.

Keine gute Gruppe erwischt

„Ich habe auf eine gute Gruppe gehofft, aber die hat sich nicht ergeben. Wenn du alleine läufst, macht dir der Wind schon zu schaffen“, hatte auch Eberhart zu kämpfen.

Mit dem Wind und auch mit Nackenproblemen, die ihr zwischenzeitlich zu schaffen machten.

Aber mit der Unterstützung des Publikums („Es hat mich gewundert, dass bei dem Wetter so viele Leute an der Strecke waren“) lief sie in die Top-Ten und auch zum Staffelsieg.

"Olympia ist mein Traum!"

Wie es in dieser Saison bei ihr weitergeht, weiß die Zukunftshoffnung noch nicht.

„Ich habe für diese Saison nur bis zum Wien-Marathon geplant. Jetzt werde ich mich ein paar Tage erholen, dann schauen wir weiter.“

Leichter tut sich der „Lauf-Floh“ mit langfristigen Zielen: „Mein Traum sind die Olympischen Spiele!“

London 2012 geht sich für die Zukunftshoffnung noch nicht aus, aber wenn sich Tanja Eberhart so weiterentwickelt, könnte ihr Olympia-Traum in vier Jahren in Brasilien wahr werden.

Stephan Schwabl

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