Chancen und Bestmarken der 13 ÖLV-EM-Teilnehmer

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13 Athleten des Österreichischen Leichtathletik-Verbandes (vier Frauen, neun Männer) sind bei den Europameisterschaften von Dienstag bis Sonntag in Zürich am Start.

Die Einsätze und Chancen der ÖLV-Athleten im Überblick:

FRAUEN (4):

Jennifer Wenth (5.000 m/SVS/23): Die 23-Jährige gibt in Zürich nicht nur ihr EM-Debüt, sie sorgt auch für die erste Teilnahme einer Österreicherin an einem 5.000-m-Lauf bei Kontinentaltitelkämpfen. "Ich glaube, die EM ist ein großer Lernprozess für mich, weil es ja mein erstes großes, internationales 5.000-m-Rennen ist", meinte die zweifache U20-WM-Finalistin, die überhaupt erst fünf Rennen am "Fünfer" in den Beinen hat (zwei 2013 und drei 2014). "Es ist Potenzial da", hat sie ihre Distanz gefunden. Die Probleme mit der Plantarsehne gehören der Vergangenheit an, aus einem Trainingslager in Iten/Kenia nahm sie viel Inspiration mit.

Beate Schrott (100 m Hürden/Union St. Pölten/26): Vor zwei Jahren hat sie bei der EM in Helsinki als Vierte nur um 1/100 Sekunde die Bronzemedaille verpasst, wenig später ließ sie Platz acht im Olympiafinale folgen. Zumindest eine Runde zu überstehen, ist das Ziel der 26-jährigen Hürdensprinterin nach gerade erst überstandener Oberschenkelverletzung. "Ich bin sicher, dass ich meine Saison-Bestleistung von 13,14 trotz der langen Zwangspause unterbieten kann. Eine Medaille war das erklärte Saisonziel, nach der langen Verletzungs- und Wettkampfpause ist ein Platz am Stockerl aber nicht realistisch", sagte die ÖLV-Rekordlerin (12,82).

Kira Grünberg (Stabhochsprung/ATSV Innsbruck/20): Die Fünfte der Olympischen Jugendspiele 2010 und Vierte der Junioren-WM 2012 stellte kürzlich in Linz mit 4,41 m einen neuen österreichischen Rekord auf. "Ich denke, dass 4,50 m für die Finalteilnahme nötig sind. Es muss alles passen, aber ich will es versuchen", erklärte die von ihrem Vater Frithjof Grünberg und dem Deutschen Herbert Czingon trainierte Pharmaziestudentin, die aus Aberglauben bei Wettkämpfen stets das gleiche Parfüm trägt. Im Letzigrund-Stadion will sie drei Tage lang in Hochstimmung sein: Qualifikation am Dienstag, 21. Geburtstag am Mittwoch, Finale am Donnerstag.

Elisabeth Eberl (Speerwurf/AT Graz/26): Die Steirerin warf heuer bereits 57,54 m und damit die zweithöchste Weite ihrer Karriere. "Ich möchte in die Nähe meiner Saisonbestleistung kommen, das wäre wohl ein Platz nahe am Finale. Das wäre ein Ziel von mir", sagte die Athletin von Gregor Högler, die seit vergangenen Oktober in der Südstadt lebt und trainiert. An ihr problematisches Knie hat sich die EM-Debütantin mit Olympia- und WM-Erfahrung gewöhnt. "Es wird wahrscheinlich immer eine Schwachstelle bei mir sein, an das muss ich mich einfach gewöhnen. Das Knie muss lernen, dass es die Wettkampfintensität noch besser aushält."

MÄNNER (9):

Nikolaus Franzmair (800 m/ULC Linz/19): Nach geschaffter Matura und mit Platz neun von der U20-WM in Eugene in der Tasche freut sich der erst 19-jährige Team-Jüngste aus Linz auf den Wettstreit mit Europas Elite. "Wenn man mit den erwachsenen Topathleten läuft, lernt man sehr viel. Ich kann nur überraschen", sagte Franzmair, der ab kommendem Jahr an der Oregon-Universität studieren wird, wo Österreichs Jahresbestem über diese Distanz (1:46,78 Min.) auch ein perfektes Trainingsumfeld geboten wird. Was die Zeit betrifft, hat er "noch "Reserven", bei der EM freilich stehen Taktik und Positionskämpfe im Vordergrund.

Andreas Rapatz (800 m/KLC/27): Bei seiner dritten Freiluft-EM soll es erstmals mit dem Halbfinaleinzug für den 27-jährigen Kärntner klappen. 1:47,71 Minuten hat er als Saisonbestleistung stehen, liegt damit hinter Franzmair und Vojta. Bevor es mit dem EM-Limit geklappt hat, durchlebte er eine beschwerliche Zeit. Der Ischias verursachte monatelang Schmerzen. Großen Dank richtet der Semifinalist bei der Hallen-WM 2010 und 2012 an seinen Trainer Eduard Holzer. "Er hat die Vorbereitung von Woche zu Woche auf meinen Zustand adaptiert. Wir haben viel versucht, dass ich trotz Beschwerden trainieren und die Qualifikation schaffen kann."

Andreas Vojta (1.500 m/team2012.at/25): Beim Diamond-League-Meeting in Glasgow ist der Niederösterreicher Andreas Vojta Mitte Juli in 3:36,11 Minuten neue persönliche Bestleistung gelaufen. "Von der Zeit her ist noch Potenzial da, aber bei einem Meisterschaftsrennen braucht man nicht auf eine Bestzeit spekulieren", sagte der 25-Jährige, der 2010 in Barcelona Elfter und 2012 in Helsinki Zehnter war. "Das Finale ist auf jeden Fall der erste Schritt, das Mindestziel, das ich erreichen will. Dann denke ich, dass ich die Erfahrung habe, dass ich dort auch vorne um eine Medaille mitfighten kann", sagte der ÖLV-Dauerbrenner bei Großereignissen.

Brenton Rowe (5.000 m/team2012.at/26): Der in Australien lebende 26-Jährige, dessen Großeltern in den 1950er-Jahren aus Oberösterreich bzw. der Steiermark dorthin ausgewandert sind, hat seine Planung auf die "Nordhemisphären"-Saison ausgerichtet. "Meine Trainings waren sehr gut, obwohl in Australien jetzt Winter ist und die Bedingungen nicht leicht waren", sagte der studierte Forstwirt, der in Geelong in einem Zentrum für Tiergesundheit arbeitet. Bei der Team-EM im Juni in Riga gewann er die 5.000 m, am Samstag steht beim Austrian Top Meeting in Andorf noch ein schneller Test über 3.000 m auf dem Programm.

Christian Pflügl (Marathon/SK Vöest Linz/35): Aus dem Höhentrainingslager in St. Moritz reist der 35-jährige Team-Älteste nach Zürich an, wo er den neunten Marathonlauf seiner Karriere bestreiten wird. Auf den dreifachen Familienvater, der wie Andreas Vojta von Wilhelm Lilge trainiert wird, wartet nach einer Startrunde viermal eine 10-km-Schleife mit jeweils 42 Metern Höhenunterschied. "Von der Form her bin ich weiter als vor dem Wien-Marathon", sagte der Oberösterreicher, der den VCM als Elfter in 2:18 Stunden lief und in der Schweiz von einer 40-köpfigen Fangruppe angefeuert wird.

Thomas Kain (400 m Hürden/ATSV Auersthal/20): Jürgen Mallow hat den vielseitigen Athleten auf die Hürdenrunde gelotst. "Er hat gesagt, wenn wir schauen wollen, dass wir gemeinsam international erfolgreich werden, dann gehst auf 400 m Hürden", erzählte der 20-jährige Heeressportler von seinem Trainer. Kurz war Kain sprachlos, dann legten die beiden gemeinsam los. Seine Bestzeit steht bei 50,93 Sekunden, bei der EM will er überraschen. "Ich erwarte mir was von mir, setze mir hohe realistische Ziele. Ich will das Semifinale erreichen." Der Wiener ist der erste männliche ÖLV-Athlet bei einer EM über diese Distanz seit 28 Jahren.

Christian Steinhammer (3.000 m Hindernis/USKO Melk/25): Trotz verpasstem Limits wurde der 25-Jährige von den Technischen Delegierten des Europaverbandes für die EM zugelassen, der ÖLV hatte ihm mit der Nominierung für die Warteliste den Vertrauensvorschuss gegeben. In 8:43,40 Minuten lief der Niederösterreicher heuer persönliche Bestleistung. "Meine Form ist nicht so schlecht. Ich werde alles geben, zu verlieren habe ich nichts", sagte der Last-Minute-Starter. Sein - strenger - Trainer ist er selbst. "Man muss hart zu sich selbst sein." Für Input von außen ist er jedoch stets offen, u.a. halfen Gespräche mit Hubert Millonig.

Gerhard Mayer (Diskuswurf/SVS/34): Routinier Mayer zählt zu Österreichs verlässlichsten Teilnehmern an internationalen Großveranstaltungen, als beste Ergebnisse stehen der achte Platz bei der WM 2009 in Berlin und der Siebente bei der EM 2012 in Helsinki zu Buche. Die Limitweite von 62,30 m hat er heuer um 85 Zentimeter verpasst, trotzdem wurde er nominiert. Nach einem starken Saisoneinstieg hatte der 34-Jährige etwas Rückenprobleme und dazu Pech mit dem Wetter. "Aber in der Technik wird alles stabiler und besser", sagte Trainer Gregor Högler. Für den Finaleinzug wird im Letzigrund wohl eine Steigerung notwendig sein.

Dominik Distelberger (Zehnkampf/UVB Purgstall/24): Nach seinen 8.168 Zählern in Götzis weiß Distelberger, dass "man so etwas nicht immer" machen kann. "Mein Ziel sind 8.000 Punkte plus", sagte der Niederösterreicher, sollte das dann auch noch ein Top-Ten-Ergebnis sein, wäre er "sehr zufrieden". Wichtig wird ein guter Start sein, die 100 m und der Weitsprung zählen zu den Stärken des von Herwig Grünsteidl und Gregor Högler betreuten 24-Jährigen. "Danach kommt Kugelstoßen, das ist meine schwächste Disziplin. Da verliere ich auf die Weltklasse noch 150 Punkte. Umso wichtiger ist es, in meinen guten Disziplinen abzurufen, was ich kann."

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