Gestrickte Scheuklappen

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Kein Wind, kein Regen, kein Schnee.

Kein Wunder, schließlich sind wir in der der Halle. Dennoch sprintete Thomas Kain beim Gugl Indoor mit einer Haube auf dem Kopf über die Tartanbahn in Linz.

Ansonsten entspricht das Outfit des 400m-Hürdenspezialisten vollkommen dem eines Leichtathleten – aber diese Haube? Wir fragen nach.

„Wenn es irgendwie geht, laufe ich immer mit Haube“, erklärte der 21-Jährige. Das habe aber weniger mit der Temperatur zu tun, sondern sei viel mehr eine mentale Geschichte.

In einer eigenen Welt

Angefangen hat Kain mit diesem Tick aber sehr wohl wegen der Witterung. „Das war, als ich mit 16 Jahren bei einem Rennen in Niederösterreich gelaufen bin.“ Wind, Regen und ein bisschen Jux mit den Trainingskollegen führten schließlich zu einer Wette, wegen der er sich die Haube für das Rennen überstreifte.

„Die Haube hat dann das ganze Rundherum ein wenig ruhiger erscheinen lassen. Ich war mit einem Mal viel mehr auf mich und mein Rennen konzentriert“, fand Kain Gefallen an dieser Form der Scheuklappen.

Nicht immer ging das Tragen jedoch friktionsfrei über die Bühne. Gelegentlich wurde er dafür schon von der Rennleitung verwarnt.

Gut eingestiegen

In Linz gab es keine Probleme mit Verwarnungen. Obwohl es für ihn in der Hallen-Saison für gewöhnlich nicht so läuft, war er mit seiner Leistung hochzufrieden. Seine 49,05 Sekunden über 400m flach reichten gegen die Spezialisten zwar nur zu Platz zehn, nichtsdestoweniger war es für ihn ein verheißungsvoller Start in das neue Wettkampfjahr.

„Damit bin ich rund eine halbe Sekunde schneller als im Vorjahr zu diesem Zeitpunkt.“ Da sein Training vollkommen auf die Freiluft-Saison ausgelegt ist, bezifferte er sein aktuelles Formlevel mit 80 Prozent.

Also noch jede Menge Luft nach oben. Luft, die spätestens bis zur U23-EM in Tallinn (9.-12. Juli) rausgelassen werden soll. Dort will der in Wien-Jedlersdorf aufgewachsene Kain nämlich ins Finale. Aktuell liegt er in dieser Altersklasse in den Top-20 der Europarangliste.

Um dieses Ziel zu erreichen, wechselte Kain im Vorjahr zu Coach Wolfang Adler in das Heeressportzentrum auf der Gugl, wo er sich angesichts der Bedingungen und Trainingsgruppe gut aufgehoben fühlt.

Mit ein bisschen Glaube

Da die Unterstützung für Leichtathleten in unseren Breiten gerne unter die Kategorie „ausbaufähig“ fällt, stellt sich Kain auf die eigenen Hinterbeine. Via der im Vorjahr gestarteten Crowdfunding-Plattform „I believe in you“ versucht er, sich einen Physio-Therapeuten für Trainingslager zu finanzieren. 2.700 Euro sind dafür notwendig. „Das Projekt läuft super an“, freute sich Kain, bereits nach zehn Tagen fast schon ein Fünftel des Gesamtbetrages beisammen zu haben.

Sollte es ihm jedoch nicht gelingen, den Gesamtbetrag bis zum Auslaufen des Projektes am 18. April aufzustellen, sieht er keinen Cent und alles geht an die Spender zurück.

„Die Idee dort mitzumachen habe ich von den mit mir befreundeten Beachvolleyballerinnen Lena Plesiutschnig und Katharina Schützenhöfer“, verriet Kain. Die U20-Europameisterinnen organisierten sich so 6.000 Euro für sportmedizinische und -wissenschaftliche Unterstützung.

Und vielleicht bleiben bei Kains Projekt noch ein paar Euro für weitere Hauben übrig.

Reinhold Pühringer

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