Mehr als nur ein Rennen

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Caster Semenya hat in Daegu viel mehr zu verteidigen als ihren Titel über 800 Meter.

Sie muss ihre Person verteidigen, wann immer sie bei einem Rennen antritt. Die Südafrikanerin hat sich wegen ihres  männlich wirkenden Körpers und Gesicht verdächtig gemacht.

Bis ihr Geschlecht eindeutig geklärt war, hatte der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) sie aus den Stadien verbannt. Bei der WM in Südkorea will die 20-Jährige nicht über ihre Emotionen stolpern, sondern zu Gold laufen.

Neue Regel

Im Juli 2010 waren die Untersuchungen zu dem von der IAAF nach dem WM-Sieg Semenyas 2009 in Berlin angeordneten Geschlechtstests abgeschlossen worden.

Die medizinischen Details blieben vertraulich. Als Konsequenz der Affäre, die einen sportpolitischen, juristischen und ethischen Konflikt ausgelöst hatte, führte der Weltverband eine Regel zum Hyperandrogenismus ein.

Athletinnen mit einer Überproduktion männlicher Hormone müssen nachweisen, dass sie im Wettbewerb mit Frauen keinen Vorteil daraus gewinnen.

Medien lassen kein gutes Haar

An ihre Berlin-Weltklassezeit von 1:55,45 Minuten ist Semenya nie wieder herangekommen. Heuer hat sie als Bestleistung 1:58,61 vom Juni in Oslo stehen.

In lokalen Medien in Südafrika ist zuletzt viel über ihre Form spekuliert worden, übergewichtig und in schlechter Verfassung soll sie sein.

Nach ihrer Ankunft in Südkorea hatte Semenya durch ihren Pressesprecher ausrichten lassen, dass sie hart trainiert habe, um ihren Titel zu verteidigen, sie in Form sei und ihr ganzer Fokus auf der WM liege. "Eine gute WM-Leistung wird mich für die Olympia-Qualifikation motivieren."

"Eine besondere Athletin"

Manager Jukka Harkonen meinte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Sapa, dass Semenya  für ihre WM-Rennen viel innere Stärke benötigen werde.

"Es wird drauf ankommen, wie sie mit den Emotionen umgeht. Ich glaube nicht, dass jemand den Druck und die Wirrungen versteht, die Caster in den vergangenen zwei Jahren durchlebt hat."

Sie sei eine sehr spezielle Athletin, von einer Sorte, wie es sie nicht oft gebe. Vom physischen Zustand her sei sie jedenfalls bereit für die Aufgaben, aber mit dem Druck werde sie umgehen müssen. Wenn sie das nicht könnte, so Harkonen, könnte sie für den Sport für immer verloren sein.

Nicht auf jede Frage eine Antwort

Semenya stand nach Berlin monatelang im Abseits, Zitate wie jenes von Pierre Weiss, dem Generalsekretär der IAAF, gingen um die Welt. "Es ist klar, dass sie eine Frau ist. Aber vielleicht nicht zu 100 Prozent."

Was in der Afrikanerin vorgegangen sein muss, kann man nur erahnen. Zwar spricht sie auf Pressekonferenzen, wirkt aber unsicher und lässt kein Fragen zum Geschlechtstest zu.

Am Donnerstag stehen bei der WM die Vorläufe, am Freitag das Halbfinale und am Sonntag der Endlauf auf dem Programm. Doch so schnell Semenya auch rennt, die Vergangenheit wird sie noch lange einholen.

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