Wo ist der Haken?

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"Qualität und das Tempo des Lebens ist verlockend"

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In wenigen Tagen ist es so weit.

Österreichs Leichtathleten starten in ihr Jahr 2012. Die Olympischen Spiele in London rücken immer näher und näher und versprechen eine Hallensaison mit großem Spannungs-Faktor.

Noch sind nicht alle Tickets gelöst, aus österreichischer Sicht bleibt also zu hoffen, dass noch weitere Athleten den Sprung nach London schaffen.

Einer der sein Ticket und das seiner Athleten bereits fix in der Tasche hat, ist US-Star-Trainer Rana Reider.

Reider gilt als einer der besten Leichtathletik-Trainer der Welt. Nach über 15 Jahren als College-Trainer, hat er bereits zahlreiche Athleten zu Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften geführt.

In der vergangenen Saison verhalf Reider dem Team der USA zu drei Einzel-Medaillen bei der Weltmeisterschaft in Daegu (Südkorea). Seit letztem Jahr darf er sich „Coach of the Year“ der US-Leichtathletik nennen.

Zu seinen bemerkenswertesten Athleten gehört der aktuelle Olympiasieger in der Königsdisziplin Zehnkampf Bryan Clay. Neben internationalen Top-Athleten vertrauten sich auch österreichische Athleten darunter Lisi Mauerer (Hürdenlauf), Roland Schwarzl (10-Kampf) und Beate Schrott (Hürdenlauf), dem US-Amerikaner an.

Was macht ihn so außergewöhnlich? Was verbindet ihn mit Österreich? Und wie sieht er die österreichische Leichtathletik aus der Sicht der LA-Großmacht USA?

Dies und mehr erzählt uns der US-Star-Trainer im LAOLA1-Interview:

 

LAOLA1: Sie haben bereits große Erfolge als Trainer gefeiert. Sie sind Coach vieler großer Namen. Was ist ihr Erfolgsrezept?

Rana Reider: Ich habe Sport studiert und beschäftige mich täglich mit den neuesten Trainingsmethoden. Meine Philosophie ist es, dass jeder Athlet individuell betreut werden muss und täglich einen perfekt abgestimmten Trainingsplan erhält.

LAOLA1: Was zieht sie nach Österreich?

Reider: Vom ersten Besuch an habe ich Österreich in mein Herz geschlossen. Die Menschen, die Landschaft, die Kultur und Architektur, einfach großartig. Die Qualität und das Tempo des Lebens ist verlockend.

Österreichs Hürdenläuferin Schrott ist Teil seiner Trainingsgruppe

LAOLA1: Es war die Rede davon, dass sie nach Österreich ziehen und sich in der österreichischen Leichtathletik stark machen. Warum hat es mit dem Engagement in Salzburg nicht geklappt?

Reider: Ich war sehr aufgeregt nach Österreich zu kommen, um mit den Athleten zu arbeiten. Es war eine große Herausforderung für mich, der österreichischen Leichtathletik zur Seite zu stehen. Leider war alles sehr viel komplizierter als gedacht. Am Ende des Tages konnten wir uns leider nicht einigen.

LAOLA1: Was unterscheidet sie von österreichischen Trainern?

Reider: Schwer zu sagen, da es so viele Wege gibt, wie man Menschen erreichen kann und ihr Potenzial zu 100 Prozent herausholt. Die USA hat mir sehr viele Türen zu großen Mentoren geöffnet, von denen ich sehr viel lernen konnte. Österreichische Trainer müssen offener werden und näher zusammenrücken.

LAOLA1: Kann Österreich je eine Leichtathletik-Nation werden?

Reider: Wenn man Erfolg und Misserfolg eines Landes analysiert, stößt man auf viele Fragen die man sich stellen muss. Hat das Land eine Finanzierung? Gibt es optimale Strukturen für Athleten und Trainer? Sind beide bereit neue Trainingsmethoden anzunehmen? Gibt es ein gutes Trainer-Ausbildungssystem? Sind Athleten bereit, alles für den Erfolg zu geben? Wenn all diese Dinge vorhanden sind, kann es den Erfolg heben und Österreich den Sprung zurück auf die Weltbühne ermöglichen. Würden diese Punkte erfüllt werden, könnte der Athlet sich voll auf seine Karriere konzentrieren, seine Ziele kennt er. Lösungen sind oft sehr einfach, das gilt auch für die österreichische Leichtathletik.

 

LAOLA1: Hierzulande gibt es viele junge Talente, die jedoch nicht den Sprung in die Allgemeine Klasse schaffen. Woran liegt das?

Reider: Ganz besonders in der Leichtathletik ist die Unterstützung aus vielen Bereichen erforderlich. Sei es Förderung durch die Region, der Familie, der Funktionäre und natürlich des Trainers. Ohne Plan kommt man in diesem Sport nicht weiter. Es bedeutet lange harte Arbeit bis ganz nach oben, viele Athleten der jüngeren Generation wollen die sofortige Befriedigung, das ist in der Leichtathletik unmöglich.

LAOLA1: Wie wichtig ist die Zusammenarbeit der National- und Vereinstrainer?

Reider: Meine Frage ist, welche Rolle spielt der Nationaltrainer, wenn der Sportler nicht auf der Weltbühne steht? Das deutlichste Beispiel in Österreich ist für mich die 4x100-Meter-Staffel. Das Talent ist so gut wie in anderen Ländern, die bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilnehmen. Österreich arbeitet  nicht genügend zusammen. Es muss doch möglich sein eine konkurrenzfähige Staffel zusammenzustellen und jene so zu formen, dass sie sich als Team für Großereignisse qualifiziert!

Reiders Athleten pushen sich gegenseitig zu Höchstleistungen

LAOLA1: Wie wichtig ist die Qualität einer Trainingsgruppe?

Reider: Ich bin ein Vollzeit-Profi-Trainer und verdiene meinen Lebensunterhalt damit. Genau das verlange ich von meinen Athleten. Ich fordere hundertprozentigen professionellen Einsatz. Die Qualität der Trainingsgruppe ist entscheidend für die Weiterentwicklung jedes Einzelnen.

LAOLA1: Wie wichtig ist Schulsport, um die Qualität der Leichtathletik zu verbessern?

Reider: Der Sportunterricht in der Schule ist bei der Erschaffung eines aktiven Lebensstils sehr wichtig. In den USA sieht man ganz deutlich was passiert, wenn Turnstunden gekürzt werden. Die Fettleibigkeit bei Kindern steigt enorm. Wenn Kinder in der Schule nicht lernen wie sie laufen sollen, wie soll je die Qualität in der Leichtathletik oder in anderen Sportarten  steigen?

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Patricia Kaiser

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