"Sonst wäre ich nicht gestartet"

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"Lauf-Göttin" Radcliffe und der verpatzte Olympia-Test

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Paula Radcliffe sank hinter der Ziellinie zu Boden und brach in Tränen aus.

Aber nicht, weil sie so erschöpft war. Auch nicht weil sie das „Champions Race“ gegen Haile Gebrselassie verloren hatte. Und auch nicht wegen ihrer Zeit von 72:03 Minuten für die Halbmarathon-Distanz.

Es war die Enttäuschung über ihre Performance, die der Britin, ihres Zeichens schnellste Marathonläuferin der Welt, aus den Augen floss.

Der Trost von Gebrselassie, der sofort zu ihr eilte, war Balsam auf die Seele der 38-Jährigen.

Genau wie der Applaus des Publikums, das die beiden Lauf-Superstars auf der Ehrenrunde frenetisch feierte.

Danach zog Radcliffe – wieder aufgeräumt und sogar mit einem Lächeln im Gesicht – eine nüchterne Bilanz und blickte auch schon wieder in die Zukunft.

Paula Radcliffe spricht bei LAOLA1 über …

…die frühe Entscheidung im „Champions Race“: „Haile war früher da, als ich vor dem Rennen gedacht und mir erwartet habe. Ich habe schon damit gerechnet, dass ich ihn zumindest bis Kilometer 20 auf Distanz halten kann. Aber während des Laufens war mir schnell klar, nach 6 oder 7 Kilometern, dass es sehr schwer wird.“.


..ihre Probleme auf der Strecke: „Meine Beine haben sich leer und schwer gefühlt. Ich habe zwar versucht, dagegen anzukämpfen, aber es ging einfach nicht. Leider war nicht mehr drin, aber ich wollte das Rennen unbedingt zu Ende laufen. Für die Organisatoren und vor allem für das fantastische Publikum, das mich entlang der Strecke toll unterstützt hat.“

...die Ursache für ihre schweren Beine: „Ich hatte bis vor einigen Tagen mit einer Bronchitis zu kämpfen, die mich zwei Wochen außer Gefecht gesetzt hat. Ich nehme auch nach wie vor Antibiotika. Es war zwar nicht so, dass ich hier angetreten bin, um eine persönliche Bestzeit zu laufen, aber so schlecht hätte ich es mir nicht erwartet. Sonst wäre ich gar nicht angetreten!“

...ihre Rückschlüsse für die Olympischen Spiele: „Eigentlich sollte dieses Rennen ein Test für London werden. Aber das war es nicht. Mit dieser Zeit kann ich absolut nicht zufrieden sein, aber zumindest glaube ich, die Gründe zu kennen, warum die Beine so schwer waren und nicht mehr drin.“

...das Format des „Champions Race“: „Das ist sicher einzigartig und hat es so noch nie gegeben. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir solche Chase-Races auch bei anderen Marathons sehen werden.“

...den heißen Atem des Verfolgers: „Natürlich ist das eine nette Geschichte, aber sobald der Startschuss fällt, ist es ganz normales Rennen. Dann geht es nur mehr um mich und meine Leistung, konzentriere ich mich nur noch darauf.“

...ihren weiteren Olympia-Fahrplan: „Ich mache jetzt einmal ein paar Tage Pause, versuche ganz gesund zu werden. Und dann steige ich ins Marathontraining für die Olympischen Spiele ein. Dafür gehe ich wieder in die Höhe, diesmal in die Pyrenäen.“

...ein Wiedersehen mit Wien: „Haile hat mir nicht zu viel versprochen, als er mir erzählt hat, wie schön diese Stadt und dieses Rennen ist. Sieht man von meiner Leistung ab, war es wunderbar. Ich möchte gerne wiederkommen – und dann laufe ich hoffentlich besser!“

Aufgezeichnet von Stephan Schwabl

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