Immer wenn Fankhauser die Schürze weglegt

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Es dauerte ein wenig, bis beim Vienna City Marathon der erste Österreicher die Ziellinie überquerte. Genau gesagt zeigte die Digital-Uhr über dem am Heldenplatz aufgebauten Portal 2:35:12 Stunden als Peter Fankhauser die 42,195 Kilometer hinter sich gebracht hatte.

Auch wenn die Zeit und die fast 27 Minuten Rückstand auf Sieger Henry Sugut (KEN) für das Prädikat „bester Österreicher“ alles andere als berauschend sind (schlechteste VCM-Zeit eines besten Österreichers) und somit auch bestens in das durch London 2012 geprägte Bild der heimischen Spitzensportszene passt, konnte das Fankhauser herzlich egal sein.

Er strahlte über das ganze Gesicht. Für den 35-Jährigen, dessen Beine nach dem Zieldurchlauf von Krämpfen gebeutelt wurden, ein versöhnlicher Abschluss seiner Karriere, „das war mein letzter Marathon.“

Der Masochismus der Langstrecken-Läufer

Eigentlich war Fankhauser für die 30. Auflage des VCM nur als Tempomacher vorgesehen gewesen. „Da aber von den starken Österreicher keiner am Start war, haben Gernot Hammer und ich den besten Österreicher unter uns ausgelaufen“, schilderte der Zillertaler, der in den Vorjahren zumeist unter den besten sieben Österreicher zu finden war. „Das war heuer eine einmalige Konstellation.“

Österreichs Vorzeige-Ass über die Mutter aller Langstrecken, Günther Weidlinger, zog es beispielsweise vor, eine Woche später in seiner oberösterreichischen Heimat in Linz an den Start zu gehen.

Zurück aber zum Laufereignis in Wien: Kontrahenten Hammer konnte Fankhauser gegen Mitte des Rennens abschütteln.

„Ab Kilometer 30 hatte ich dann mit Krämpfen zu kämpfen. Das hat mir sicherlich sieben bis acht Minuten gekostet.“ Ohne sie wäre Fankhauser wohl auch näher an seine persönliche Bestzeit von 2:25:20 rangekommen. „Aber das ist halt Marathon“, grinste er auf eine masochistische Art und Weise, welche Langstreckenläufer auszeichnet.

Dass so etwas der guten Laune keinen Abbruch tut, zeigte auch die Tatsache, dass Fankhauser auf den letzten Rennkilometern sogar ein TV-Interview gab.

Die Kunst, alles unter mehrere Hauben zu bekommen

Warum aber die Marathon-Schuhe ausgerechnet nach einem derartigen Prestige-Erfolg an den Nagel hängen? Erwartungsgemäß ist der Grund beruflicher Natur.

Bis Mittwoch stand Fankhauser noch als Chef-Patissier in der Küche eines Fünf-Sterne-Hotels in Ischgl. „Dort bin ich bei Martin Sieber (Dreihaubenkoch; Anm.), bei dem ich mich für seine Unterstützung bedanken möchte.“

Zum letzten Mal sahen die VCM-Zuseher den markanten Laufstil Fankhausers

Eine Option in Sachen Bewegung ist auch Wellenreiten, das er sich in den Vereinigten Staaten angeeignet hat. Im berühmten Luxus-Ressort „The Breakers“ in Palm Beach in Florida arbeitete er ebenfalls lange Zeit als Chef-Patissier.

Sind Langstrecken-Laufen und eine hoch-koordinative Sportart wie Surfen überhaupt kompatibel? „Kompatibel vielleicht nicht, aber sie machen mir halt beide Spaß“, lächelte der Kaltenbacher.

Nach dem Marathon wartet die Arbeit

Obwohl er als Patissier bereits weit herumgekommen ist, soll damit in Bälde Schluss sein.

„Ich sattle um. Ich möchte mich als Gemüsebauer selbständig machen, Bio-Gemüse anbauen und unter die Leute bringen. Das ist etwas, das in Österreich noch unterentwickelt ist“, sprach Fankhauser die brandaktuelle Nahrungsmitteldebatte an.

Doch noch ist es nicht soweit. Denn zuvor muss der bestplatzierte Österreicher des Vienna City Marathon zurück nach Ischgl. „Morgen stehe ich von 12 bis ein Uhr nachts wieder in der Küche.“

Reinhold Pühringer

Zeitlich ist sein Alltag sehr knapp bemessen, da in Ischgl nach wie vor Saison ist. „Da komme ich täglich auf zwölf bis 13 Arbeits-Stunden in denen ich versuche, Dessert-Klassiker neu zu interpretieren.“

Klar, dass es da schwer fällt, neben dem Job auch noch das zeitaufwendige Marathon-Training unterzubringen. „In der Woche bringe ich es auf 120 bis 130 Kilometer.“ Kilometer, die es heuer aber in sich hatten, weil sich durch den hartnäckigen Winter der Schnee länger als sonst hielt. „Deshalb war es sehr schwierig zu trainieren. Die langen Einheiten habe ich bei mir im Zillertal absolviert, wo es flach ist.“

Trainings im Schnee ließen sich aber auch heuer nicht umgehen. „Das ist zwar gut für die Kraft, aber nicht optimal für die Technik.“

Im Vorjahr übertrieb es Fankhauser mit der Kombination aus Training und Job. Er wollte zu viel. „Das hat mir letztendlich viel Substanz gekostet.“ Die Rechnung bekam er in Form eines zweifachen Sehneneinrisses im Knie serviert. Ein halbes Jahr Zwangspause war die Folge.

Kompatibilität wird überschätzt

Auch wenn es sein letzter Marathon war, das Laufen werde Fankhauser niemals lassen. „Sport gehört schließlich zum Leben dazu.“

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