"Musste fragen, wann ich bei Olympia laufe"

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Für die Briten ist er eines der Gesichter der kommenden Olympischen Heim-Spiele – Mo Farah.

Der Langstreckenläufer gilt nach seinem 5.000-Meter-Weltmeistertitel 2011 in Daegu (KOR) als heißer Gold-Tipp für DAS Highlight 2012.

Er selbst sieht das allerdings etwas anders. Lust auf Olympischen Heldenstatus hat er freilich schon, nur findet er das WM-Gold nicht gerade als Vorteil.

„In Daegu zu gewinnen, hat mich als Person nicht verändert. Es hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Aber die Dinge werden für mich nun wahrscheinlich schwieriger, da ich jetzt der Mann bin, den jeder beobachtet“, gibt Farah gegenüber dem englischen „Mirror“ zu verstehen.

Doch damit nicht genug. Bei Unterhaltungen mit dem 29-Jährigen entsteht gar der Eindruck, dass er London heuer mehr so nebenbei mitnimmt. „Ich dachte, die Spiele wären Ende August. Ich hatte mir den Zeitplan nicht angeschaut. Ich musste Paula (Radcliffe; Anm.) fragen“, meint Farah allen Ernstes, dessen 5.000-Meter-Rennen am ersten Samstag im August steigt.

32 Kilometer zum Ausrasten

Trotz weltmeisterlichem Ballast und vorbeigegangener Planlosigkeit geht Farah mit dem nötigen Ernst an die Mission Olympia-Gold heran. In der Vorbereitung schuftet der gebürtige Somalier, der im Alter von zehn Jahren über Dschibuti nach England floh, in einem Höhentrainingslager in Kenia.

Reduziert auf das Wesentliche, kann sich das Sport-Talent, das sich in seiner Jugend am West-Londoner Feltham Community College auch im Fußball und Speerwurf auszeichnen konnte,  voll und ganz auf seine Aufgabe konzentrieren.

Naja, fast: In der naturbelassenen Gegend kann es schon einmal vorkommen, dass der Leichtathletik-Star eigenhändig einen Esel von der Laufbahn scheuchen muss, bevor er mit dem Training beginnen kann. Für Farah kein Problem.

Eine Pause gönnt er sich nicht. Zwar bezeichnet er den Sonntag als „zum Ausrasten“, doch in Wahrheit macht er dann doch einen 32-Kilometer-Lauf, quasi zum Beine vertreten. Pro Woche kommt er durchschnittlich auf über 200 Kilometer.

Lieber Ausblenden

In einem Land wie Kenia - einem Land mit einer derart großen Lauf-Tradition gibt sich der Champion ganz bescheiden. „Hier gibt es so viele Weltmeister, da bin ich nichts Besonderes.“

Für die ortsansässigen Kinder ist Farah dennoch ein Spektakel. Da macht es auch gar nichts, wenn sie nicht wissen, wie er heißt. „Sie laufen mit mir mit, denken aber, dass mein Name Mizuno ist, weil es auf meinen Sachen steht.“

Am Samstag wird Farah mit einem 1.500-m-Rennen in Glasgow in die neue Saison starten. Doch egal wie schnell er dort auch laufen wird, die große Erwartungshaltung der britischen Olympia-Fans wird er nicht abschütteln können.

„Ich weiß viele Leute zu Hause denken, Mo hat WM-Gold gewonnen, darum wird er jetzt auch Gold in London gewinnen, aber so wird es nicht funktionieren. Die Menschen müssen das verstehen.“

Vielleicht wusste er ja deshalb nicht, wann seine Starts bei Olympia letztendlich genau sind.

Reinhold Pühringer

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