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Blake: "Ich will eine Legende werden"

Vergleiche mit seinem jamaikanischen Landsmann und Vorgänger wird und muss sich der 21-jährige Yohan Blake gefallen lassen.

Der neue Weltmeister über 100 Meter - der jüngste dieser Disziplin aller Zeiten - trainiert mit dem entthronten Titelverteidiger Usain Bolt in der Gruppe von Coach Glen Mills, er verdrückt eben so gerne Chicken Nuggets, spielt auch begeistert Cricket und will auch eine Legende werden.

Nach Fehlstart und Disqualifikation von Bolt in Daegu holte sich Blake am Sonntagabend in der Siegerzeit von 9,92 Sekunden die Goldmedaille mit 0,16 Sekunden Abstand zum zweitplatzierten US-Amerikaner Walter Dix und widmete den Titel Bolt  - als Dank, dass dieser immer für ihn dagewesen sei.

Die Gebete erhört

"Seit ich nach Daegu gekommen bin, konnte ich nicht schlafen, hatte Alpträume von diesem Rennen. Ich habe daran gedacht, dafür gebetet", erzählte Blake, der in St. James geboren wurde und 2006 Bronze bei der Junioren-WM über 100 m gewonnen hat.

"Ich lebe, esse und schlafe für diese 100 Meter. Ich tue alles, was ich kann. Siegreich davon herauszugehen, ist wundervoll." Er sei ein Biest im Training, nichts wäre zu hart für ihn.

Was wirklich passiert wäre, wenn Bolt das Finale gelaufen wäre, wird man nie wissen. Es war ein Sieg von Blake, aber kein Sieg über Bolt.

Traum von eigener Legende

"Ich bin traumatisiert und habe gemischte Gefühle. Für Usain ist es sehr traurig, aber gleichzeitig genieße ich diesen Moment so sehr", gab Blake preis und erzählte, dass noch im Training über Fehlstarts gesprochen worden war.

Er denkt bereits jetzt an sein nächstes großes Ziel - Olympia. Mit dem Status, den er einmal erreichen will, möchte er helfen.

"Wenn ich an Afrika oder Haiti denke und all diese Dinge, die passieren, will ich eine Legende werden und den Leuten helfen. Wenn ich laufe, sind all diese Sachen in meinem Kopf, und ich bin nur auf eines konzentriert - den Sieg."

Aus den Gedanken verbannt hat er hingegen seine dreimonatige Dopingsperre aus dem Jahr 2009. Er war glimpflich davon gekommen, weil die stimulierende Substanz 4-Methyl-2-Hexanamin nicht auf der Dopingliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) gestanden war.

Kampfansage für nächste Bewerbe

Bolt hat sich hingegen von seinem Schock noch nicht erfangen. Nur wenige Zitate wie jenes gegenüber dem Weltverband (IAAF) nach dem verhängnisvollen "Missgeschick" des Weltrekordlers, Titelverteidigers und Topfavoriten sind ihm bisher für die Öffentlichkeit bestimmt über die Lippen gekommen.

"Sucht ihr nach Tränen? Das wird nicht passieren", hatte der entthronte Weltmeister am Sonntagabend auf seinem Weg durch die Katakomben und raus aus dem Stadion die Medien wissen lassen.

Ob er seinen 200-m-Titel verteidigen werde? "Das ist Freitag, richtig? Also das werden wir am Freitag sehen." Freitag stehen die Vorläufe und das Halbfinale auf dem Programm, Samstag folgt das Finale. Die 100-m-Staffel-Entscheidung ist als WM-Schlusspunkt am Sonntag angesetzt, auch in dieser Disziplin hat er 2009 Gold gewonnen.

Verband bedauert Bolt-Aus

Die neue Regelung wurde von der IAAF mit 1. Jänner 2010 eingeführt, die Athleten sind bereits mit dem ersten Fehlstart draußen. Vorher galt ab 2003, dass erst der zweite Fehlstart und dessen Verursacher geahndet wurde und der erste Frühstarter sich schadlos hielt.

Das hatte manche zu einem bewusst produzierten Fehlstart verleitet, mit diesen taktischen Spielchen sollten Gegner verunsichert werden.

"Natürlich ist die IAAF enttäuscht, dass Usain Bolt im 100-m-Finale einen Fehlstart hatte. Aber es ist wichtig, daran zu erinnern, dass die Glaubwürdigkeit des Sportes von ihren Regeln abhängig ist. Und die müssen konsequent und fair für alle Athleten angewandt werden", teilte die IAAF mit.

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