EM-Team soll der Stamm für künftige Teams sein

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Die Debütantinnen Kira Grünberg mit österreichischem Rekord und Finalqualifikation im Stabhochsprung, 5.000-m-Läuferin Jennifer Wenth als Elfte und Zehnkämpfer Dominik Distelberger als Zwölfter haben die besten ÖLV-Platzierungen bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Zürich erreicht.

Vor zwei Jahren in Helsinki schauten drei Top-Ten-Ergebnisse heraus, dieses Ziel wurde klar verpasst.

"Wir sind auf gar keinen Fall total unzufrieden. Es wäre total vermessen zu sagen, dass man von einigen der Jungen Wunderdinge erwarten hätte können. Die brauchen noch zwei, drei, vier Jahre Zeit. Dann müssen sie den nächsten Schritt nach vor machen, um sich auf diesem Niveau noch besser verkaufen können", sagte Cheftrainer Philipp Unfried.

Junge bereiten Freude

Er freue sich, dass sich die jungen Athleten "sehr gut präsentiert" haben.

Mit Blick auf das gesamte 13-köpfige Team meinte er: "Fast alle haben sich in ihrem Leistungsbereich präsentiert, was extrem positiv ist, wenn man sich die Meldelisten angeschaut hat. Bei manchen hätte es sehr gut hergehen und die Konkurrenten schwächeln müssen, dass sich der eine oder andere Finalplatz ausgegangen wäre."

Finale war zu hoch gegriffen

Nicht kompensieren könnte man, so Unfried, einen Ausfall wie jenen von Beate Schrott, die vor zwei Jahren in Helsinki Vierte geworden war.

Die Hürdensprinterin war in Zürich zwar am Start, aufgrund einer Oberschenkelverletzung hatte sie im EM-Vorfeld aber fast zwei Monate keine Wettkämpfe bestritten.

"Bei dem Niveau in der Vorrunde wäre es vermessen gewesen zu sagen, dass sie da ins Finale rennt. Das spielt es nicht, die anderen schlafen auch nicht", weiß Unfried.

Aufarbeitung bei Vojta

Enttäuschend war die Leistung von Andreas Vojta, der sich über 1.500 wie bei den Kontinentaltitelkämpfen 2010 und 2012 den Finaleinzug zugetraut hatte, aber im Vorlauf ausschied und sogar disqualifiziert wurde.

"Das Finale war sein Ziel, das er vorher formuliert hat. Ich denke, er wird sich mit seinem Trainer Wilhelm Lilge zusammensetzen und in Ruhe analysieren. Man muss ihnen die Zeit geben, das wirklich gut aufzuarbeiten."

"Sie haben viel in die Vorbereitung investiert und sind sehr professionell vorgegangen. Andi hat sich am Tag vorher gut gefühlt und dachte, er kann alles zerreißen", sagte Unfried.

Trainer nehmen sich selbst in die Pflicht

Der Weg des heimischen Verbandes stimmt aber, da ist man sich im ÖLV sicher, aber es gibt überall noch Verbesserungspotenzial.

"Wenn wir Top-10-Athleten der Welt haben wollen, dann muss ich Top 10 sein, der Physiotherapeut, der Verband, alle Verantwortlichen müssen das sein. Und dann ist der Athlet, wenn wir Glück haben, auch Top 10", sagte Gregor Högler, der für den Leistungssport zuständige Vizepräsident im ÖLV.

Er komme aus der Wirtschaft, da heiße das kontinuierlicher Verbesserungsprozess.

"Du musst so lange verbessern, bis es nicht mehr geht. Und da sind wir am Anfang von der Struktur her und da hakeln wir und machen. Es ist ein junges Team. Ein bisserl Zeit brauchen wir noch. Aber es schaut nicht so schlecht aus", sagte der ehemalige Weltklasse-Speerwerfer.

Nur noch eine Norm

Freilich wird es nicht leichter, denn der Weltverband (IAAF) verändert das Limitsystem für Weltmeisterschaften, statt der A- und der schwächeren B-Norm, die kleineren Ländern mit meist nur einem Athleten pro Disziplin für die Teilnahme gereicht hatte, wird es nur noch eine Norm geben.

Wer die direkte Qualifikation nicht schafft, hat die Chance noch über die Jahresweltbestenliste zur WM zu kommen, nach der die Starterfelder aufgefüllt werden.

"In einigen Disziplinen wird es schwierig, wenn die Normen nochmals angezogen werden", erklärte Unfried.

Willkommene Plattform

Die Europameisterschaften sieht er für Österreichs Athleten als "gute Plattform, um sich einmal international gut zu präsentieren".

Aber das Ziel müsse trotzdem sein, einmal bei Olympischen Spielen zu starten.

"Je größer das EM-Team ist, desto größer ist der Pool an Athleten, die die härteren Limits in Angriff nehmen können."

Rohdiamant Distelberger

Das EM-Team in Zürich sei der Stamm für die künftigen Großereignisse.

"Ein paar von ihnen könnten auch für die Sommerspiele 2020 noch interessant werden. Viele sind ja total jung. Kira ist dann 27, da ist sie im besten Alter. Auch Wenth und Kain sind noch jung." 400-m-Hürdenläufer Thomas Kain war in Zürich persönliche Bestleistung gelaufen, aber in der Vorrunde ausgeschieden.

Und Mehrkämpfer Distelberger (24) gilt ohnehin als große Zukunftshoffnung. "Ein Rohdiamant", wie Högler sagte, der den ÖLV mit Freude in die Zukunft blicken lasse.

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