Gatlins subtile Drohung und die Angst der Gugl

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Justin Gatlin hat gut lachen.

Der US-Amerikaner stellt in 9,82 Sekunden nicht nur einen neuen Meeting-Rekord auf der Linzer Gugl auf, sondern läuft die zweitschnellste 100m-Zeit des Jahres. Für die schnellste (9,80) war der 32-Jährige vor zwei Wochen in Lausanne ebenfalls verantwortlich gewesen.

Gatlin ist heuer das Maß der Dinge, dominiert in der Abwesenheit von Superstar Usain Bolt, der heuer noch kein Rennen bestritt, die prestigeträchtigste aller Sprintstrecken. Zehn Starts, zehn Siege.

Ist er bei seiner Überform nicht ein wenig traurig, dass heuer weder Olympische Spiele noch Weltmeisterschaften auf dem Programm stehen? „Nein, für mich geht es darum, mit einem möglichst hohen Niveau in die WM-Saison zu kommen“, meint Gatlin im Gespräch mit LAOLA1.

So sei sein Training heuer auf keinen Höhepunkt ausgerichtet. „Es geht mir vielmehr um Konstanz.“ Nächstes Jahr sei dann freilich alles auf die WM in Peking ausgelegt. Nicht auszudenken, welche Zeiten für den ehemaligen Dopingsünder bei einer dementsprechenden Periodisierung möglich sind.

Muss die Konkurrenz Angst haben? „Nein“, schmunzelt der aufgeschlossene Sprint-Superstar und winkt bescheiden ab.

Den Zuschauern war’s wurst

20 Jahre hatte der alte Stadion-Rekord von Davidson Ezingwa (NGA/9,94) gehalten. Die Vorzeichen, dass die Bestmarke diesen Montag fallen würde, standen gut. Mit Ryan Bailey, Nesta Carter, Mike Rodgers und Kim Collins scharrten vier weitere Top-Stars in den Startblöcken.

Doch irgendwie schien das das Linzer Publikum nicht sonderlich zu jucken. Gerade einmal 2.000 Zuschauer fanden den Weg zu den Gugl Games, bei denen auch abseits der 100m-Show starke Starterfelder und Leistungen geboten wurden. Wie etwa die 65,82m des Ungarn Zoltan Kovago im Diskuswurf oder die 12,80 sek des US-Girls Ali Nia über 100m Hürden.

Doch das alles plus der bei der Eröffnung singenden Conchita Wurst schien nicht richtig zu ziehen, was bei den Veranstaltern für reichlich Stirnfalten sorgte.

Suche nach Antworten

„Was bringt es, wenn einige Athleten die Bahn regelrecht niederbrennen, wenn es keiner mitbekommt?“, schüttelt Robert Wagner den Kopf. Der Meeting-Direktor der vergangenen beiden Jahre hatte sich heuer aus Zeitgründen auf die Zusammenstellung der Starterfelder beschränkt, die sich sehen lassen konnten.

„Wenn wir wie vor zwei Jahren über 8.000 Zuschauer gehabt hätten, dann wären heute auch unter 9,80 Sekunden möglich gewesen. Schließlich spüren die Athleten es, wenn von den Rängen mehr kommt“, so Wagner.

Die Organisation übernahm heuer der oberösterreichische Leichtathletik-Landesverband. Das Resümee des OÖLV-Präsidenten, Hubert Lang, fiel ähnlich aus: „Tolle Sprintleistungen, aber ein großes Minus bei den Zuschauern.“

Bei den Ursachen, warum das Event nicht mehr Menschen anzog, fischt Lang selbst noch im Trüben. „Wir wissen es nicht. Möglicherweise auch, weil wir erst vor fünf Wochen mit der Organisation angefangen haben. Wir sind schließlich auch nur kurzfristig eingesprungen, damit das Meeting überhaupt stattfinden kann.“

Die letzten Gugl Games?

Zu den schwächelnden Zuschauerzahlen kam im Hinblick auf die Sponsoren erschwerend dazu, dass sich die Organisatoren keine teure TV-Übertragung mehr leisten wollten. Im September werden sich die Organisatoren mit Geldgebern, der Politik und Mitarbeitern an einen Tisch setzen und Ursachen sowie mögliche Konsequenzen besprechen.

„Man wird sich die Frage stellen müssen, ob es zu verantworten ist, dass 250.000 Euro an öffentlichen Geldern für eine Veranstaltung für knapp 1.500 Zuschauer ausgegeben werden“, drückt es Wagner in ungeschönter Form aus.

Haben wir gar die letzten Gugl Games erlebt? Lang kann den „Worste Case“ nicht ausschließen, schwächt aber ab: „Ich hoffe, dass wir uns stattdessen hinsetzen und gemeinsam erarbeiten, was wir nächstes Jahr besser machen.“

Aus Linz berichtet Reinhold Pühringer

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