"Ein wahrhaft trauriger Tag"

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Bailey geschockt: "Ein wahrhaft trauriger Tag"

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Die Doping-Enthüllungen um die Sprintstars Tyson Gay (USA), Asafa Powell und Sherone Simpson (beide Jamaika) haben die internationale Leichtathletik in einen Schockzustand versetzt und einen dunklen Schatten auf die WM vom 10. bis 18. August in Moskau geworfen.

Einen Kontrapunkt versuchte der stellvertretende IAAF-Generalsekretär Nick Davies zu setzen.

"Die Glaubwürdigkeit unseres Anti-Doping-Programms und der Leichtathletik wird jedes Mal, wenn wir einen neuen Fall aufdecken, gestärkt, nicht geschwächt", erklärte er am Montag, um Schadensbegrenzung bemüht.

IAAF hält sich zurück

Der Weltverband (IAAF) wollte die aufsehenerregenden Fälle aber im Detail nicht weiter kommentieren. Davies bekräftigte in einer Stellungnahme jedoch den ungebrochenen Einsatz des Dachverbandes im Kampf gegen Doping, "weil wir eine ethische Verpflichtung gegenüber der Mehrzahl der Athleten haben, die an einen sauberen Sport glauben".

Neben Gay, Powell und Simpson, der Olympia-Zweiten von 2008 über 100 m, sind weitere drei jamaikanische Leichtathleten positiv getestet worden. Dies bestätigte die Anti-Doping-Agentur Jamaikas (JADCO). Zwei weitere Leichtathleten sollen aus dem Werfer-Bereich kommen, ein weiterer soll noch als Junior an den Start gehen.

In Gewahrsam genommen

Der Konditionstrainer des früheren 100-m-Weltrekordlers Asafa Powell soll nach einem Bericht der jamaikanischen Zeitung "The Gleaner" während eines Trainingslagers in Italien von der Polizei in Gewahrsein genommen worden sein. Demnach soll Powell der Polizei Mittel ausgehändigt haben, die der Trainer dem Athleten und auch Sherone Simpson gegeben haben soll.

Der 30-jährige Sprinter und Simpson sind positiv auf das Stimulanzium Oxilofrin getestet worden. Powell und seine Trainingsgruppe des MVP Track Clubs haben nicht zum ersten Mal ein Trainingslager in Lignano Sabbiadoro an der italienischen Adria-Küste absolviert.

Der Name des Trainers wurde zunächst nicht genannt. Powell und Simpson bestritten in einer Stellungnahme, wissentlich gedopt zu haben. Sie gaben aber zu, dass ihre Doping-Tests bei den nationalen Meisterschaften im Juni das verbotene Stimulanzmittel enthielt.

Unschuld beteuert

Auch Gay, der schnellste Mann in diesem Jahr über 100 m in 9,75 Sekunden, bestätigte selbst, bei einer Trainingskontrolle am 16. Mai positiv getestet worden zu sein. Auch er beteuerte seine Unschuld. Die Anti-Doping-Agentur der USA (USADA) kündigte an, die Analyse der B-Probe in Kürze vorzunehmen. Um welches Doping-Mittel es sich handelt, blieb zunächst unbekannt.

Die neuen Doping-Fälle werden nach Ansicht des deutschen Verbands-Präsidenten Clemens Prokop Spuren hinterlassen.

"Bei den schon länger unter Generalverdacht stehenden Sprintern werden diese positiven Tests für eine Verunsicherung in der Szene sorgen", sagte der Chef des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Für die Leichtathletik sei das "ein Schock", aber auch ein positives Zeichen. "Die Doping-Tests scheinen besser zu sein", meinte er.

Schwerer Spannungsabbau

Bei den Welttitelkämpfen vom 10. bis 18. August in Moskau fällt nun das mit Spannung erwartete 100-m-Duell zwischen Gay und dem Weltrekordler Usain Bolt (Jamaika) aus. "Nach dem Ausfall von Gay wird es einen schweren Spannungsabbau geben", befürchtete Prokop. Denn auch der WM-Start von Bolts-Trainingspartner, dem Titelverteidiger Yohan Blake, ist wegen einer Verletzung mehr als fraglich.

Der Trainer von US-Sprintstar Gay, Lance Brauman, hat sich nach der positiven Probe seines Schützlings unterdessen eindeutig gegen die Einnahme verbotener Substanzen positioniert.

"Es muss klar gesagt werden, dass wir die Nutzung von leistungssteigernden Mitteln nicht unterstützen, weder dazu anregen noch sie tolerieren", betonte Brauman am Sonntag (Ortszeit). Der Coach ist zusammen mit Gay und 13 weiteren Athleten im Trainingslager in Amsterdam.

"Ein trauriger Tag"

In der Szene reagierten viele Ex-Leichtathleten schockiert. "Es ist ein wahrhaft trauriger Tag für den Sport, den ich so respektiere, dessen Regeln ich befolgt und (in dem ich) bewiesen habe, dass man SAUBER Rekorde brechen und Meisterschaften gewinnen kann", sagte der kanadische Doppel-Olympiasieger Donovan Bailey und auch der ehemalige Weltklassesprinter aus Trinidad und Tobago, Ato Boldon, war schockiert:

"Zwei jamaikanische Olympia-Medaillengewinner positiv und Tysons News, dies ist ein brutaler Tag für unseren geliebten Sport."

Der britische Staffel-Olympiasieger von 2004, Darren Campbell, ist wohl nicht der einzige, der nach drakonischen Strafen ruft: "Wann wird es die lebenslange Strafe geben? Was muss noch passieren, bis es heißt 'Ok, genug ist genug'? Es ist lächerlich."

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