Gebreselassie gewinnt "Champions Race"

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Auf dem 16. Kilometer war es soweit.

Haile Gebrselassie hatte die 7:52 Minuten vor ihm gestartete Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe eingeholt und lief dem Sieg im "OMV Champions Race" im Rahmen des 29. Vienna City Marathons entgegen.

Der äthiopische Superstar wiederholte am Sonntag seinen Halbmarathon-Vorjahreserfolg in 60:52 Minuten, die britische Olympiahoffnung kam nach 72:03 Minuten ins Ziel auf den Wiener Heldenplatz.

Radcliffe kämpft sich durch

Auf dem roten Teppich vor der Hofburg sank die 38-jährige Radcliffe auf den Boden und brach in Tränen aus, Gebrselassie hatte auf sie gewartet und klopfte ihr tröstend auf die Schulter.

Nach einigen Minuten erfing sich die Britin und absolvierte unter dem Jubel der Zuschauer mit dem Afrikaner die Ehrenrunde. Das Rennen war eine eindeutige und klare Angelegenheit für den zweifachen 10.000-m-Olympiasiegers geworden.

Radcliffe kämpfte bis zum letzten Meter, sie spürte noch die Nachwirkungen einer überstandenen Bronchitis.

Von Anfang an Probleme

"Es lief für mich nicht gut heute, ich habe mich ab dem sechsten Kilometer nicht gut gefühlt, die Beine waren so schwer", erklärte Radcliffe anschließend.

"Aber die Atmosphäre war so schön und die Leute so nett, da wollte ich überhaupt ins Ziel kommen. Ich hoffte, dass mich Haile auf dem 19 Kilometer abfängt, aber nicht so früh. Es tut mir leid, ich konnte heute nicht mehr geben, vielleicht auch noch wegen der Krankheit."

Wien war für sie als Olympia-Test geplant gewesen, dieser Wunsch hat sich nicht erfüllt.

Tempomacher keine Hilfe

"Mein Rennen war gut, es war etwas windig, aber es ist fantastisch hier. Paula hatte keinen guten Tag, deshalb habe ich sie so früh eingeholt", erklärte Gebrselassie.

Seine zwei österreichischen Tempomacherinnen hatten von Beginn an keine Chance, ihre Aufgabe zu erfüllen, zu schnell startete Gebrselassie los.

Den kenianischen Hasen Philemon Rono hängte der frühere Marathon-Weltrekordler nach siebeneinhalb Kilometern ab.

Nicht perfekt klappte von Beginn an die Zusammenarbeit von Radcliffe mit ihren Begleiterinnen, die teilweise weit hinter oder vor ihr waren bzw. sie sogar behinderten, ehe sie nach zwei Drittel des Rennens zurückfielen.

Überholmanöver bei Kilometer 16

Der Vorsprung von Radcliffe war exakt die Differenz der persönlichen Bestzeiten der beiden. Gebrselassie hatte nach rund fünf Kilometern den Rückstand auf 6:18 Minuten verringert, 2:30 waren es neun Kilometer vor dem Ziel auf dem Heldenplatz.

Auf dem 16. Kilometer überholte Gebrselassie die Kontrahentin, blickte einmal kurz zu ihr und deutete mit der Hand, die ob der kühlen Temperaturen in einem weißen Handschuh steckte, an, sie möge ihm doch folgen.

Auf dem Gesicht der aktuellen Marathon-Weltrekordlerin zeigte sich aber nicht der leichteste Anflug eines Lächelns.

Neuer Streckenrekord durch Radcliffe

Die Durchgangszeiten von Radcliffe bei 5, 10 und 15 Kilometern waren 16:13, 33:31 und 50:53 Minuten, jene von Gebrselassie 14:12, 28:57 und 43:22.

Mit seinem Sieg im Vorjahr in 60:18 Minuten hatte der so verdienstvolle Langstreckenläufer die schnellste je in Österreichs gelaufene Zeit über 21,1 Kilometer erzielt, diese Marke verpasste er heuer knapp.

Radcliffe stellte neuen Streckenrekord in Wien auf, die schnellste je in Österreich gelaufene Halbmarathonzeit der Kenianerin Florence Kiplagat (August 2011 in Klagenfurt in 68:22 Minuten) verfehlte sie aber.

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