Sensation: Mayer wirft Jahres-Weltbestleistung

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Gerhard Mayer sorgt beim SVS-Einladungsmeeting in Schwechat für eine Sensation.

Der 34-Jährige schleudert den Diskus auf 67,20 Meter. Damit verbessert der Schützling von Trainer Gregor Högler nicht nur seinen eigenen österreichischen Rekord von 65,24 Meter aus dem Jahr 2010, sondern setzt sich an die Spitze der Jahres-Weltbestenliste. Diese führte bislang Martin Kupper (EST/66,67) an.

Obendrein bedeutet die Weite das Limit für die WM heuer in Peking sowie die Olympischen Spiele 2016 in Rio.

Mit der richtigen Portion Euphorie

„Ich habe gleich beim Abwurf gemerkt, dass der Diskus richtig super weggegangen ist, Dazu ist eine Windböe gekommen, es war ein perfekter Moment“, jubelt Mayer. „Ich bin überwältigt, was da passiert ist. Mit einer solchen Weite habe ich nur in meinen Träumen spekuliert.“

Als wäre das noch nicht genug, kommt für Mayer am Dienstag auch noch das private Glück dazu. „Er hat heute erfahren, dass er erstmals Vater wird“, verrät Högler gegenüber LAOLA1.

Auch wenn die Freude aus den Worten des Trainers nicht zu überhören ist, möchte der hauptamtlich beim ÖLV angestellte Högler die Weite weniger als „Sensation“, sondern viel mehr als „ÖLV-Produkt“ titulieren, weil man zuletzt neue Möglichkeiten ausgeschöpft habe.

„Wir haben zwei Wurf-Kreise gekauft und verlegt, welche die gleiche Beton-Mischung haben, wie sie bei den Olympischen Spielen in London verwendet wurde“, erklärt Högler. Zudem habe man erstmals im Winter in der Südstadt in ein Netz werfen können.

„In den Jahren zuvor haben wir auch schon in ein Netz geworfen, allerdings bei null Grad Celsius. Heuer konnten wir das bei 20 Grad tun und schon hat Gerhard auch keine Fuß-Probleme mehr.“ Für Högler ein ganz wichtiger Erfolgsbaustein. Mayers Hochform hatte sich somit bereits im Training abgezeichnet.

Blick zum Himmel

Darüber hinaus wollte sich der Trainer den Wind zunutze machen. Die richtige Brise zum richtigen Zeitpunkt verhilft der zwei Kilo schweren Scheibe zu ein paar Extra-Metern. Etwas, das Mayer noch nie so richtig ausnutzen konnte.

Seine alte Bestmarke hatte er im geschlossenen und damit praktisch windstillen Olympia-Stadion von Rom geworfen. „Die 67,20 Meter nun sind Gerhards erster Wind-Rekord“, weiß Högler, der dafür extra einige Quali-Meetings auf offenen Anlagen ansetzte.

„Ich habe mich in den letzten Wochen viel mit dem Wetter beschäftigt, bin zu einem kleinen Meterologen geworden“, scherzt der 42-Jährige, der am Dienstagmorgen bereits um sechs Uhr die möglichen Bedingungen begutachtete. „Da war ich mir noch nicht sicher, ob es heute mit dem Wind etwas wird.“

Im Namen der Rose

Sich so früh des Limit-Drucks entledigt zu haben, eröffnet für die begonnene Freiluft-Saison neue Möglichkeiten. „Gerhard ist 34 Jahre alt, insofern werden wir seine Starts dosiert und wohlbedacht wählen“, so Högler, der mit 84,03 Meter nach wie vor Halter des Ö-Rekords im Speerwurf ist.

Mit seiner Jahres-Weltbestleistung hat Mayer auch Kritiker widerlegt, die ihn schon zum alten Eisen zählten. Högler dazu: „Ich sehe das anders. Für mich ist Gerhard wie eine Rose, die man gut pflegen muss. Sie blüht dann vielleicht nur kurz, aber dafür umso schöner.“

Dass die JWBL aufgrund des frühen Zeitpunkts in der Saison freilich etwas zu relativieren ist, stimme zwar, nichtsdestoweniger übertrafen im Vorjahr mit Piotr Malachowski (POL/69,28), Robert Harting (GER/68,47) und Martin Maric (CRO/67,92) lediglich drei Athleten die 67m-Marke.

Reinhold Pühringer

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