Sanchez: "Nur die wenigsten schaffen es zurück!"

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Felix Sanchez Superstar. Kein Athlet, keine Athletin wurde beim Comeback der Leichtathletik auf der Linzer Gugl mehr gefeiert.

Nach seinem Sieg über 400 m Hürden lief der frischgebackene Olympiasieger von London eine so ausschweifende Ehrenrunde, dass sich die nachfolgenden Bewerbe um fast zehn Minuten verzögerten.

Und der 34-Jährige, der schon bei den Spielen 2004 in Athen ganz oben stand, ließ es sich auch nicht nehmen, die „Gugl-Games“ zu beenden.

Mit zwei weiteren Ehrenrunden im Oldtimer-Porsche von Meeting-Direktor Robert Wagner.

Danach nahm sich das einstige Baseball-Talent Zeit für ein LAOLA1-Interview.

Herausgekommen ist ein Gespräch über richtigen Jubel, den Trubel nach Gold und die Heiterkeit in seiner Heimat, wenn Felix Sanchez läuft, springt und gewinnt.

 

LAOLA1: Mister Sanchez, hat es Ihnen in Linz so gut gefallen, dass sie statt 400 gleich 800 m gelaufen sind?

Felix Sanchez: Auf jeden Fall! Es hat sehr viel Spaß gemacht, nicht nur weil ich gewonnen habe. Ich liebe es, mit dem Publikum zu spielen, den Zuschauern eine gute Show zu bieten. Sie kommen ja auch wegen der Show, und nicht nur weil sie die Athleten starten und durchs Ziel laufen sehen wollen.

LAOLA1: Aber Sie haben ja gefeiert, als hätten Sie eine dritte olympische Goldmedaille gewonnen?

Sanchez (lacht): Ich liebe es zu feiern. Zu Beginn meiner Karriere habe ich so viele Rennen gewonnen, war vier Jahre ungeschlagen. Aber dann habe ich acht Jahre lang fast überhaupt nichts gewonnen. Deshalb kann ich es heute so sehr genießen, denn ich weiß, wie hart es ist Rennen zu gewinnen.

LAOLA1: Sie haben die „Gugl-Games“ mit zwei weiteren Ehrenrunden im Oldtimer-Porsche dann auch offiziell beendet. Damit machen Sie in Sachen Show ja fast schon Usain Bolt Konkurrenz?

Sanchez: Ach, der spielt in seiner eigenen Liga. Ich mache meine Show nur nach dem Rennen, bei Usain geht es schon vor dem Rennen los, dann hat er meistens auch während er läuft seinen Spaß und alles was danach kommt, ist sowieso seine Welt. Usain hat die Show einfach im Blut!

LAOLA1: Linz träumt von einem Bolt-Start in den nächsten Jahren. Sie waren bereits 2006 hier, wurden Vierter. Welche Erinnerungen haben Sie an damals?

Sanchez: Ich war zu dieser Zeit in keiner guten Verfassung. Aber ich kann mich noch an das Stadion erinnern, an die Metallsitze und an das Hotel mit dem guten Essen. Ich liebe euer Essen in Österreich, das ist großartig.

LAOLA1: Groß war die Begeisterung der dominikanischen Community in Linz. Waren Sie überrascht, dass Sie ihren Landsleuten so viele Autogramme schreiben mussten?

Sanchez: Ja, damit habe ich nicht gerechnet. Wir sind ein kleines Land, aber meine Landsleute sind rund um den Globus verstreut. Es ist sehr speziell für mich, dass mich die Menschen so unterstützen. Das fühlt sich für mich ein bisschen an wie daheim.

LAOLA1: Kommen wir zurück zum Sport. Sie haben ihre fast achtjährige Durststrecke nach dem Olympiasieg in Athen angesprochen. Wie schwierig war es, noch einmal an die Spitze zu kommen?

Sanchez: Sehr schwierig. In unserem Sport ist man schnell oben, aber wenn es einmal bergab geht, kommen nur noch die wenigsten zurück. Mir ist es gelungen, obwohl ich schon so alt bin. Zürich wird mein letztes Rennen in dieser Saison sein, dort feiere ich auch meinen 35. Geburtstag.

LAOLA1: Und wann wird Olympia-Gold gefeiert?

Sanchez: Das habe ich schon getan. Das war ein rauschendes Fest über drei Tage mit sehr wenig Schlaf. Deshalb bin ich auch in Stockholm so schlecht gelaufen. Aber ich konnte in Linz ein bisschen Schlaf aufholen, das war wichtig.

LAOLA1: Als Doppel-Olympiasieger sind Sie ein Leichtathletik-Star, aber in ihrer Heimat werden Sie als Superstar gefeiert.

Sanchez: Es ist verrückt, die Menschen lieben mich. Das ist so unglaublich wichtig für mich und das war auch ein Grund, warum ich immer weiter gekämpft habe, als es nicht so lief. Deshalb möchte ich die Menschen glücklich machen. Wir haben so viele Probleme in der Dominikanischen Republik, unsere Wirtschaft ist am Boden, es gibt viel Kriminalität und andere schlechte Dinge. Aber wenn ich gewinne und die Hymne wird gespielt, dann ist die Welt zumindest für ein paar Minuten in Ordnung.

LAOLA1: Sie laufen der Konkurrenz davon, feiern wie ein Junger, man darf also davon ausgehen, dass Sie 2016 in Rio de Janeiro noch einmal am Start stehen?

Sanchez: Nein, nein, nein. Dann bin ich wirklich zu alt. Es reden ja jetzt schon alle nur mehr vom alten Mann. Mein nächstes Ziel ist die Weltmeisterschaft in Moskau im nächsten Jahr, dann schauen wir weiter.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

Das Interview führte Stephan Schwabl

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