WM-Teilnahme? "Nur, wenn ich konkurrenzfähig bin"

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Es ist bislang nicht das Jahr des Dominik Distelberger.

Erst plagte sich Österreichs bester Zehnkämpfer mit einer hartnäckigen Entzündung in der Achillessehne herum.

Kaum war diese ausgeheilt, zog er sich eine Verletzung im Schultereckgelenk zu, die eine Operation erforderte und ihn erneut mehrere Wochen in seiner Saisonplanung zurückwarf.

"Das hat mich in ein Loch geworfen", gesteht der 25-Jährige im Gespräch mit LAOLA1. Lange Zeit zum Trübsal blasen gestattete er sich jedoch nicht. "Nach ein paar Tagen war ich schon wieder voll positiv."

Zusammenarbeit mit Eaton?

Kein einfaches Unterfangen, denn aufgrund der neuerlichen Verletzung musste er seine Teilnahme am legendären Meeting in Götzis absagen. Das Mösle-Stadion will er dennoch beehren. "Aufgrund des Publikums, es ist ja doch das größte Meeting, streut er den Fans im Vorarlberger Mehrkampf-Mekka Rosen.

Einen neuen Wekltrekord von Ashton Eaton - der US-Amerikaner hält mit 9.039 Punkten die Bestmarke - wird Distelberger nicht sehen.

Der Star musste sein Antreten kurz vor dem Start aufgrund von Rücken-Problemen absagen. Distelberger hofft künftig auf eine Zusammenarbeit mit dem 27-Jährigen US-Modelathlet. "Ich möchte die Chance nutzen, bei seinem Manager nachzufragen, ob sich da etwas machen lässt." Ein gemeinsames Trainingslager wäre für den ÖLV-Athleten eine fantastische Sache. 

Was gibt's schöneres als a bisl Radfahren?:-)

Posted by Dominik Distelberger on Donnerstag, 28. Mai 2015

"Komplett ungeduldig"

Im Vordergrund steht zunächst aber das persönliche Wohlbefinden. Seitdem ihm vor wenigen Tagen die Nähte gezogen wurden, spürt er förmlich die immensen Fortschritte, die sein Körper an den Tag legt.

„Ich habe 90 Prozent meiner Bewegungsfreiheit zurück, davor konnte ich nur bis 90 Grad heben.“ Für den Zehnkämpfer ein wahrer Segen, denn mit allzu viel Geduld wurde er nicht gesegnet. „Ich bin komplett ungeduldig“, grinst er und berichtet davon, sich auch in den letzten Wochen nicht tatenlos seinem Schicksal ergeben zu haben.

„Ich habe mir viel mit meinem Trainer (Herwig Grünsteidl, Anm.) überlegt, um weitertrainieren zu können.“ Die Beinpresse habe er beispielsweise mit nur einer Hand gemacht.

WM-Teilnahme in Gefahr

Trotz aller Trainingsflexibilität steht eine WM-Teilnahme Distelbergers in Peking (22. bis 30. August) weiterhin in Frage. „Wir müssen schauen, ob es Sinn macht“, will er nur mit entsprechender Fitness und großen Erfolgsaussichten an den Start gehen.

„Ich habe noch nichts für Weit- oder Stabhochsprung trainiert. Wenn ich dort sein sollte, will ich konkurrenzfähig sein und die Chance haben, vielleicht sogar das Limit für Rio zu schaffen“, hält er nichts von WM-Tourismus.

 

Heute wurde mir die Hakenplatte in der Schulter von Dr.Ulli Lanz und seinem Ärzteteam erfolgreich entfernt. Alles ist...

Posted by Dominik Distelberger on Freitag, 15. Mai 2015

 

Der Weltverband im Fokus

Apropos Limit: Diesbezüglich gab es in den letzten Wochen helle Aufregung, nachdem der Weltverband IAAF selbige für WM und Olympia in Rio ausgab. „Die sind verrückt“, erklärte etwa Hannes Gruber, Sportdirektor im heimischen Verband.

„Ich weiß nicht, ob sich der Weltverband damit einen Gefallen tut“, kann auch der 25-Jährige den strengen Regeln wenig abgewinnen und befürchtet, dass sich die IAAF ein Eigentor schoss. Am Ende des Tages müsse man sich den Vorgaben zwar ohnehin beugen, doch stellt Distelberger in Frage, ob man durch den gestiegenen Druck nicht auch das Risiko erhöht, dass manche Athleten deshalb zu unerlaubten Mitteln greifen.

„Es ist immer schwierig zu sagen, aber ob es so wirklich gut ist, muss man hinterfragen“, erklärt er. Diesbezüglich steht er auch mit dem österreichischen Rekord im Zehnkampf – noch – auf Kriegsfuß.

Ö-Rekord befleckt

Den hält seit Mai 1993 (siehe Factbox) Gernot Kellermayr mit 8.320 Punkten. Aufgrund dessen Dopingvergangenheit ist er jedoch mit einem dicken Fragezeichen versehen. Distelberger verbesserte seine persönliche Bestmarke im Vorjahr  in Götzis auf 8.168 und kam dem Rekord schon gefährlich nahe.

„Natürlich wäre es schön, ihn eines Tages zu knacken, erst recht wegen der Geschichte dahinter“, hofft Distelberger auf den großen Wurf, „mit meinen Bestleistungen bin ich auch schon knapp dran.“

Um ihn sein Eigen nennen zu dürfen, müsste wirklich alles zusammenpassen. Derzeit ist er weit davon entfernt, doch mit Blickrichtung Olympia in Rio muss man ihn auf der Rechnung haben. Dann schreiben wir 2016 – ein Jahr, das ganz nach dem Geschmack Distelbergers verlaufen soll.


Christoph Nister 

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