Als der Hintern nicht mehr richtig saß

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Die Staatsmeisterschaften haben ihr Gewissheit gegeben.

Nun steht fest: Beate Schrott wird bei den Leichtathletik-Europameisterschaften von 12. bis 17. August in Zürich starten.

Die 26-Jährige gewann die nationalen Titelkämpfe in Amstetten in 13,22 Sekunden, die sie sogar ein wenig überraschten und bestärkten.

Eine wichtige Erfahrung, schließlich waren die letzten Monate nicht einfach für die Hürdensprinterin.

Eine hartnäckige Verletzung hatte der Olympia-Achten zuletzt eine neunwöchige Zwangspause beschert. Doch die Zeit der Leiden soll nun vorbei sein.

Schiefstellung im Becken

Was als Muskelverhärtung an der Oberschenkel-Rückseite begann, gab alsbald Rätsel auf. Die ursprüngliche Verletzung klang schnell wieder ab, der Schmerz kam jedoch wieder.

Und das obwohl die Zeiten bei Schrott verheißungsvoll waren. Vor dem Meeting in Salzburg Ende Mai, wo sie auf Anhieb in 13,14 das EM-Limit lief, verbesserte sie im Training sogar ihre Bestzeiten auf den flachen Strecken.

„Das war echt der Wahnsinn“, schildert die Niederösterreicherin im Gespräch mit LAOLA1. Doch das alles half nichts. Nach Salzburg kehrte der Schmerz zurück. Die Suche nach dessen Ursache führte die Projekt-Rio-Athletin in die Praxis von Doktor Harald Gumbiller.

Der Arzt fand heraus, dass sich der verantwortliche Nerv aufgrund einer Becken-Schiefstellung nicht beruhigte. „Das kommt wahrscheinlich davon, da Hürdensprint eine sehr asymmetrische Belastung ist“, so Schrott.

Nervöser als im Olympia-Finale

Die Sache mit dem Nerv ist nun ausgeheilt. Angst, dass sie noch mehr Zeit benötigt, um das Vertrauen in den Körper zurückzubekommen, hat Schrott nicht. „Das einzig Positive bei einem Nerv ist: Wenn er weg ist, dann ist er wirklich weg.“

Ihr Wissen über die menschliche Anatomie half der Medizin-Studentin, schneller als andere die Handbremse im Kopf zu lösen. Bei Trainer Philipp Unfried kam das Vertrauen erst allmählich zurück.

„Als sie das erste Mal im Training volle Batterie über zehn Hürden gelaufen ist, war ich total angespannt. Ich war nervöser als in London, Istanbul und Helsinki zusammen. Einen Blutdruckmesser hättest da nicht anstecken dürfen“, meint der ÖLV-Cheftrainer.

Die jüngsten Entwicklungen stimmen aber auch ihn recht positiv, dass der Nerv-Schmerz nun Geschichte sei.

Vorsichtige Zielsetzung

Unterm Strich sind neun Wochen Zwangspause eine lange Zeit. Eine Zeit, die so knapp vor einer EM auch Fragen mit sich bringt. Wie ist die Form? Wo wird sie bei der EM landen?

Schrott stellte sich diese selbst und zögerte deshalb die Entscheidung über einen EM-Start auch bis zu den Staatsmeisterschaften hinaus, um nach den U23-Meisterschaften, die sie außer Konkurrenz in 13,42 bestritt, eine zusätzliche Standortbestimmung zu haben.

Nach der Steigerung in Amstetten hält Schrott, deren Bestzeit bei 12,82 (2012 in Luzern) liegt, einen Platz im Mittelfeld für möglich. „Mein Ziel ist eine Zeit, die in Relation zu meiner Situation gut ist“, formuliert sie es sehr bedacht.

Was sie von Vornherein auf keinen Fall wollte? Nur des Dabeiseins wegen nach Zürich zu fahren.

Wo sie aber tatsächlich steht, darüber wird erst die EM Gewissheit bringen.

Reinhold Pühringer

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