Ist das der neue Judo-Teamchef?

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Spittka Wunschkandidat auf alleinigen Judo-Teamchef

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Einen neuen Judo-Herren-Teamchef wird es allem Anschein nicht geben.

Denn die ÖJV-Spitze überdenkt den ursprünglichen Plan von einem Damen- sowie einem Herren-Trainer und möchte stattdessen einen übergeordneten Trainer installieren.

„Eine endgültige Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen, aber die Tendenz geht derzeit in diese Richtung“, bestätigt Präsident Hans-Paul Kutschera.

Der Wunschkandidat auf den alleinigen Head Coach heißt Marko Spittka und ist im ÖJV kein Unbekannter. Der Deutsche stand bei einer Struktur mit Doppelspitze als Frauen-Nationaltrainer praktisch fest, soll nun aber die Geschicke des gesamten Teams lenken. Laut Verbands-Angaben möchte man spätestens im Rahmen des Trainingslagers Mittersill im Jänner das neue Modell vorgestellt haben.

Egal, welches Konzept sich letztendlich durchsetzt, soll es dahinter einen Trainer-Pool geben, der sowohl in die Betreuung der Top-Athleten eingebunden, als auch die Arbeit der Nachwuchs-Hoffnungen übernehmen soll.

Zampano als Denkanstoß

Die Planänderung des Judo-Verbands fußt auf zwei Faktoren. Zum einen stattete Ezio Gamba, Chef der europäischen Trainer-Kommission und russischer Nationaltrainer in Personalunion, der heimischen Förderation einen Besuch ab. In einem Vortrag erklärte der Italiener, der sich 1980 dem Westboykott widersetzte und in Moskau Olympia-Gold holte, dass es von entscheidender Bedeutung sei, ein Team zu formen.

„Nicht drei, vier oder fünf Zentren, sondern eines mit EINEM  Head Coach“, bekräftigte der seit kurzem 54-Jährige im Gespräch mit LAOLA1.

Zum anderen erwies sich die Suche nach einem Herren-Trainer bislang als schwierig. Gründe dafür sind die Lücke, die hinter dem der Pension entgegenkämpfenden Ludwig Paischer klafft, sowie die Tatsache, dass bereits etliche interessante Leute vom Markt sind.

Bereits länger im ÖJV

Somit könnte nun Spittka die sportlichen Geschicke des ÖJV in die Hand nehmen. Der 41-Jährige gewann bei den Spielen 1996 Bronze und diente sich zuletzt innerhalb des ÖJV als Nachwuchs-Coach hoch.

Dabei konnte er sich vor allem durch die Erfolge der beiden Innsbruckerinnen Kathrin Unterwurzacher und Bernadette Graf seine Sporen verdienen.

Erstere holte in den vergangenen zwei Jahren Gold und Silber bei U23-Europameisterschaften und Letztere wurde 2011 durch ihre Europa- sowie Weltmeistertitel in der U20 vom europäischen Verband (EJU) sogar als hoffnungsvollstes weibliches Talent ausgezeichnet.

Wien als europäischer Judo-Nabel

Mit der Beantwortung der Trainer-Frage kann der ÖJV alsbald eine Baustelle schließen. Eine andere – eine allerdings durchaus erfreuliche – tat sich am vergangenen Samstag auf. Im Rahmen des 64. EJU-Kongresses in Budapest wurde ÖJV-Boss Hans-Paul Kutschera zum Vize-Präsidenten der EJU gewählt und Wien wird neuer Sitz der EJU.

Mit beidem war zuletzt bereits hinter vorgehaltener Hand spekuliert worden. Kutschera ist als einer von insgesamt drei Vize-Präsidenten für den Bereich Marketing sowie für die Aufsicht über das Head Office zuständig. Seine Amtszeit geht über vier Jahre.

Das gewonnene Prestige liegt auf der Hand, doch wo liegen die Vorteile für das österreichische Judo? „Wir sind in der Informationskette weiter vorne und sind auch in die Prozesse eingebunden“, erklärt Kutschera. „Außerdem ergeben sich Synergien im funktionellen Ablauf“, bezieht er sich auf die Büro-Räumlichkeiten. Die EJU wird sich künftig die Räumlichkeiten im 20. Wiener Bezirk mit dem ÖJV teilen.

Die Beheimatung des EJU, die zuvor von Malta aus operierte, soll für den ÖJV keine Mehrkosten bedeuten. „Das trägt alles der europäische Verband“, so Martin Poiger. Der Technische Direktor Stellvertreter des ÖJV soll künftig auch als Direktor des neugeschaffenen EJU-Office fungieren.

Regelbuch wird erneut überarbeitet

Unter den Athleten sorgt indes das Durchsickern neuer Regeländerungen, die ab 2013 für den bereits angebrochenen olympischen Zyklus getestet werden sollen, für Unruhe. Neben Würge-, Hebel- und Haltegriffen, die fortan auch außerhalb der Wettkampffläche weiterlaufen sollen, sind es in erster Linie aber das totale Verbot des Fassens unterhalb des Gürtels sowie das Verbot des Grifflösens mit zwei Händen, was Kopfzerbrechen auslöst.

Selbst Gamba, der in dem Prozess miteingebunden war, zeigt sich über die beiden letztgenannten Änderungen nicht erfreut. „Ich kann mir schwer vorstellen, vernünftig kontern zu können, ohne auf ein Bein greifen zu dürfen", so die Trainer-Koryphäe.

Noch viel herber könnten die Auswirkungen im Griffkampf sein. „Ich habe etwas Angst, dass das Judo dadurch vielleicht nicht mehr so schnell ist. Weil wenn beide erst einmal zugefasst haben, ist es schwer daraus heraus einen Angriff zu machen." Er persönlich hätte sich deshalb eine Variante vorstellen können, bei der das Lösen mit zwei Händen zwar erlaubt ist, jedoch nur wenn dann gleich ein Angriff lanciert wird.

Positiv sieht er indes, dass Bestrafungen keine Wertung mehr für den Gegner bedeuten. „Dadurch wird die Wertigkeit von Würfen über jene von Bestrafungen gestellt“, hofft Gamba, dadurch weniger taktisch geprägte Kämpfe zu sehen. Bei Gleichstand gewinnt jener Kämpfer mit weniger Bestrafungen.

Reinhold Pühringer

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