Filzmosers WM-Traum nimmt Gestalt an

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Der Griff von Sabrina Filzmoser mit der rechten Hand am gegnerischen Kimono-Kragen wirkt noch leicht unsicher. „Aber wenn sie ihn erst einmal hat, hält er schon wieder bombenfest“, versichert Trainings-Kollegin Hilde Drexler.

Ja, sie steht wieder auf der Matte. Knapp zwei Monate nach dem im EM-Finale erlittenen Trümmerbruch im Oberarm streift Sabrina Filzmoser wieder den Kimono über. Und was die 33-Jährige im Training schon wieder zeigt, kann sich sehen lassen. Nichts zu sehen von einer Schonhaltung.

Ihr Ziel, bei den Judo-Weltmeisterschaften Ende August in Rio de Janeiro zu kämpfen, scheint Realität werden zu können. „Ich liege sogar vor meinem Plan“, verrät Filzmoser im Gespräch mit LAOLA1, die gerade zu einem Vorbereitungs-Camp ins spanische Castelldefels aufgebrochen ist.

Rückblende

Im Finale der Klasse bis 57 kg in Budapest war Filzmoser gegen Automne Pavia (FRA) derartig unglücklich auf den Arm gefallen, sodass der Oberarm-Knochen nur wenige Zentimeter oberhalb des Ellbogen-Gelenks zersplitterte. Mit einer Platte und einigen Schrauben wurde die komplizierte Fraktur von den Ärzten Hans-Paul Kutschera und Florian Frisee fixiert.

Filzmoser nach nur knapp zwei Wochen wieder auf Dachstein

Bereits drei Tage nach der OP meinte Filzmoser, dass es „bombenfest“ hält. Den Beweis erbrachte sie rund zwei Wochen später, als sie den Dachstein mit Steigeisen und Eispickel bezwang.

Wie war das möglich? „Ich habe praktisch nur den linken Eispickel benutzt“, grinst die Welserin. „Aber der Dachstein ist mein Hausberg. Das ist ungefähr so, als würde ich vor die Tür laufen gehen. Wenn ich Route oder Wetter nicht voll und ganz einschätzen hätte können, hätte ich es nicht gemacht.“

Lieber in heimischen Gefilden

Um die im Judo immanent wichtige Griffkraft nicht zu verlieren, hatte Filzmoser in Folge stets einen Knetball dabei. Anstelle der Sparrings-Partner musste dann eben dieser herhalten.

ÖJV-Cheftrainer Marko Spittka hätte seine Teamleaderin am liebsten mit ins Trainingslager nach Japan genommen. Dort hätte sie zwar nur Kraft- und Ausdauer-Einheiten absolvieren können, doch der Deutsche dachte dabei vor allem an das Mannschaftsgefüge. Filzmoser schlug das Angebot jedoch aus.

„Ich war schon so oft in Japan, weshalb ich genau weiß, dass der einzige Grund für mich dorthin zu fahren, viele harte Randoris (Sparring-Runden; Anm.) sind.“ Und die kamen für die Weltranglisten-Elfte zum damaligen Zeitpunkt noch viel zu früh.

Filzmoser zog es stattdessen vor, ihr Konditions-Programm in Österreich durchzuziehen. Mehr oder weniger auf eigene Faust, was sie keineswegs störte. Denn außer frischer Luft und reichlich Auslauf in alpinem Gelände, braucht sie nicht viel, um rundum zufrieden zu sein.

Ein an Verletzungen gewöhnter Körper

Die ständige Bewegung wirkte sich sehr positiv auf den Heilungsverlauf aus. Bereits die ersten Kontroll-Untersuchungen zeigten, dass sie deutlich vor den Erwartungen lag.

„Auf den Bildern hat man gesehen, dass der Knochen schon wieder ganz gut verbaut ist“, meint die zweifache Europameisterin, die sich dabei insbesondere dem Linzer Arzt Robert Kandelhart sowie gleich mehreren Physiotherapeuten anvertraute. "Robert kennt mich aufgrund der Verletzungen im Laufe der Jahre einfach am besten."

Ausgestanden ist die Verletzung aber noch nicht, weshalb sie mit Bedenken nach Castelldefels reist.

„Sollte ich Schmerzen bekommen, müsste ich halt aussetzen und stattdessen ein alternatives Programm machen“, sieht sie das nicht so schlimm. Schließlich hätte sie dann immer noch rund sechs Wochen, um bis Rio fit zu werden.

Davor möchte sie aber auf alle Fälle noch ein Turnier kämpfen. In erster Linie, um Sicherheit zu tanken.

Reinhold Pühringer

kg Verein
-60 Ludwig Paischer JU Flachgau
-81 Marcel Ott Galaxy Tigers Wien
+100 Daniel Allerstorfer UJZ Mühlviertel
-57 Sabrina Filzmoser Multikraft Wels
-57 Tina Zeltner JC Wimpassing
-63 Hilde Drexler Vienna Samurai
-63 Kathrin Unterwurzacher JZ Innsbruck
-70 Bernadette Graf JZ Innsbruck
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