Dauerbrenner Paischer in Paris "wieder heiß"

Aufmacherbild
 

Österreichs Judo-Team für den Grand Slam am Wochenende in Paris fällt in die Kategorie „überschaubar“.

Nach der verletzungsbedingten Absage von Hilde Drexler – das Seitenband im rechten Knie weigert sich nach wie vor standhaft gegen einen Einsatz – werden nur Ludwig Paischer (bis 60 kg) und Peter Scharinger (bis 73 kg) auf die Matte steigen. Beide werden dies am Samstag tun.

Und der Rest? Sabrina Filzmoser, deren Olympia-Quali ja bereits unter Dach und Fach ist, will sich einer ausgiebigen Vorbereitung auf London hingeben, deshalb wird sie nur das anschließende Trainingslager absolvieren. Max Schirnhofer meinte zuletzt auf Nachfrage von LAOLA1, dass er sich nun erst einmal auf seine Stärken im Training besinnen möchte, um anschließend noch einmal voll anzugreifen.

Das große Rechnen

Wie in vielen anderen Sommersportarten auch, steht die erste Jahreshälfte voll im Zeichen der Jagd nach den London-Tickets. Da kommt Paris, das letzte Grand-Slam-Turnier, das zur Quali zählt, freilich eine besondere Bedeutung zu.

Das ÖJV-Duo ist sich dieser Bedeutung natürlich bewusst. Scharinger liegt in der bereinigten Weltrangliste (pro Nation zählt nur der Bestplatzierte) als 29. momentan sieben Plätze hinter den besten 22, die fix für die Spiele qualifiziert sind.

Hört sich viel an, punktemäßig ist aber alles noch relativ eng zusammen. 62 Punkte fehlen dem Mühlviertler auf das Kontingent. Nur zum Vergleich: Platz fünf in Paris würde deren 60 bringen. Die Trauben hängen in der Seine-Metropole aber erfahrungsgemäß sehr hoch.

Viel Luft nach hinten

Bei Paischer liegt der Fall praktisch genau anders herum. Der Salzburger verlor im vergangenen Jahr in der Weltrangliste kontinuierlich an Boden, liegt aber unter anderem dank eines Weltcupsieges in Sao Paulo an der 15. Stelle und somit auf einem Olympia-Platz.

Bereinigte Weltrangliste (Quelle IJF)

22.

Palelashvili

ISR

306

23.

Choi

NZL

288

24.

Van Zyl

RSA

264

25.

Rothberg

EST

254

26.

Daculea

ROU

251

27.

Hafiz

EGY

250

28.

Nartey

GHA

242

29.

SCHARINGER

AUT

242

Zwar klingt das Polster von sieben Plätzen nicht mehr allzu beruhigend, doch ein Blick auf die Punkte verrät, dass sein Olympia-Start kaum mehr in Gefahr gerät. Der Rückstand des an Nummer 23 geführten Schweizers Chammartin beträgt bereits satte 146 Punkte.

Ähnlich sieht das auch sein Betreuer Taro Netzer: „Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen. Zudem hat Lupo noch einige Chancen, zu punkten. Vor allem die Europameisterschaft.“ Diese stellt gleichzeitig das Ende der Quali dar und findet Ende April im russischen Chelyabinsk statt. Punkte schaden aber so oder so nicht. Denn die ersten Acht der Rangliste werden auch in London auseinandergesetzt.

„Wieder heiß“

Paischer, der aufgrund seines Weltranglisten-Platzes – in der unbereinigten auf Rang 19 – Mitte Jänner nicht am Weltcup-Masters der besten 16 in Almaty teilnehmen durfte, konnte so seine Vorbereitung mit Trainingscamps in Straßwalchen, Mittersill und Rauris voll durchziehen.

Bereinigte Weltrangliste (Quelle IJF)

15.

PAISCHER

AUT

448

16.

Englmair

GER

384

17.

Castillo

MEX

380

18.

He

CHN

348

19.

Pessoa

CAN

316

20.

Dickins

AUS

314

21.

Jokinen

FIN

306

22.

Moudatir

MAR

288

In Peter Scharingers Gewichtsklasse haben 73 Starter gemeldet

Ganz ohne Zwischenfälle ging diese allerdings nicht über die Bühne. Wegen einer leichten Knie-Blessur musste er sich sogar einer MRI-Untersuchung unterziehen. Nichts Tragisches, geht man nach den Aussagen Netzers.

„Er ist in ausgezeichneter körperlicher Verfassung. Man kann sagen: Lupo ist wieder heiß!“, meint Netzer vielversprechend.

Der Dauerbrenner

Beim bislang letzten Grand Slam in Tokio musste sich Paischer zum Auftakt mit Naohisa Takato (JPN) einem 18-Jährigen geschlagen geben. Eine Niederlage, die deutlich machte, dass der Druck der nachrückenden Generation immer größer wird.

Insbesondere in den leichten Kategorien wird die Luft für die arrivierten Athleten immer dünner. Paischer gilt in dieser Hinsicht als absolute Ausnahme-Erscheinung. Kein anderer aktiver Leichtgewichtler konnte sich über einen so langen Zeitraum dermaßen konstant an der Spitze halten.

Mit seinen 30 Jahren ist er sogar der Älteste der Top-30 seiner Gewichtsklasse. Und das nicht einmal knapp. Die Nächstälteren folgen mit Davtyan (ARM) und Chimed-Yondon (MGL/beide 28) erst mit zwei Jahren Abstand. Der Altersschnitt der Top-20 ist dementsprechend niedrig und liegt bei 24,2 Jahren, ohne Paischer sogar bei 23,9.

Generell gilt: Umso schwerer, desto höher liegt der Altersschnitt. Einzige Ausnahme, die quasi die Regel bestätigt, ist die Klasse bis 90 kg, deren Schnitt der ersten 20 bei 25,5 liegt.

Bleibt zu hoffen, dass Paischer in Paris einmal mehr dem Ansturm der Jugend trotzen kann.

Reinhold Pühringer

Klasse

Altersschnitt der Top-20

Ältester

-60 kg

24,3 Jahre

Ludwig Paischer (AUT/30 Jahre)

-66 kg

25,6

Leandro Cunha (BRA/30)

-73 kg

26,1

Benjamin Darbelet (FRA/31)

-81 kg

26,7

Euan Burton (GBR/32)

-90 kg

25,5

Takashi Ono (JPN/31)

-100 kg

27,1

Ariel Zeevi (ISR/35)

+100 kg

27,5

Alexander Mikhaylin (RUS/33)

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen