Ein Dämpfer im "Kartoffelsack"

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Nach diesem Beginn kann die Judo-WM in Chelyabinsk für Österreich eigentlich nur besser werden.

Bei Ludwig Paischer reichen Kimono und Leistung nicht.

Der Salzburger scheitert gleich zum Auftakt nach schwachem Kampf an Ashley McKenzie aufgrund einer Waza-ari-Wertung, die der Brite für eine Abtauch-Technik einfährt.

Dass der Olympia-Zweite aber über drei Minuten braucht, um überhaupt erst in den Kampf zu finden, liegt unter anderem an einem zunächst „zu kleinen“ Kimono.

Die Wettkampfleitung erklärt das Gewand des zweifachen Europameisters wegen zu kurzer Ärmel für nicht regelkonform, weshalb der 32-Jährige mit einem der Veranstalter-Kimonos, die von den Kämpfern aufgrund des zumeist nicht passenden Schnitts als „Kartoffelsäcke“ bezeichnet werden, auf die Matte muss.

„Zu instabil im Kopf“

„Eigentlich darf ich mich von so etwas nicht aus der Konzentration bringen lassen. Aber es hat es letztlich doch getan“, resümiert Paischer seinen Kampf, in dem er bereits nach einer Minute die entscheidende Wertung gefallen ist.

„Momentan bin ich im Kopf zu instabil.“ Ein Grund dafür sind die wenigen Starts in diesem Jahr. Ein fünfter Platz beim Grand Prix in Samsun sowie ein siebter bei der EM in Montpellier ließen das Selbstvertrauen nicht in jene Höhen schießen, die Paischer das leicht wegstecken hätte lassen.

Zumal ein Kimono-Wechsel in einer Sportart, in der jeder Zentimeter mehr Stoff einen Griffvorteil für den Gegner darstellt, für die Athleten, die ihr gewohntes Trainingsutensil verlieren, als absoluter Albtraum gilt.

Bei seiner Vorstellung auf der Matte sah Paischer wenig Interpretations-Spielraum. „Das war eine Sch…-Leistung“, erklärt er knapp. „Ich konnte überhaupt nichts von dem umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte.“

Erstmals in seiner Karriere

Bundestrainer Marko Spittka stieß ins selbe Horn: „Das war zu wenig.“

Das Problem mit der Kimono-Kontrolle hatte auch der Deutsche nicht kommen sehen, schließlich habe man die Kimonos im Vorfeld selbst noch auf deren Ordnungsgemäßheit überprüft.

„Die sind hier päpstlicher als der Papst“, kritisiert Spittka die überharte Regelauslegung, der auch einige andere Athleten am ersten WM-Tag zum Opfer gefallen waren. Innerhalb der Trainerschaft wolle er das ansprechen, auf einen Protest aber verzichten.

Lupo, den Spittka in Ausrüstungs-Angelegenheiten als „Perfektionisten“ beschreibt, unterlief dieser Fehler zum ersten Mal in seiner Karriere. Mit dem gleichen Kimono hatte er heuer bei allen Turnieren gekämpft. Ohne Beanstandung.

Ob er mit dieser Jacke noch einmal einen Wettkampf-Start wagt? Paischer grinst nur und meint: „Probieren geht über studieren.“

Noch einmal nachgemessen

Spittka reagiert aus dem Vorfall und will ein weiteres Mal alle Kimonos der übrigen sieben ÖJV-Starter überprüfen.

Am Dienstag (Herren bis 66 kg und Damen bis 52 kg) hat Österreich niemanden mit dabei. Erst wieder am Mittwoch. Dann sind es mit Sabrina Filzmoser und Tina Zeltner (beide bis 57 kg) deren zwei.

Aus Chelyabinsk berichtet Reinhold Pühringer

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