Am Boden des Springbrunnens

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Medaillen-Fischen in Astana

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Wir haben nachgemessen: Die Tiefe des Springbrunnens misst bei ausgestreckten Fingern gerade einmal die Hälfte unseres Unterarms. Das wirft die Frage auf: Wie hätte Marko Spittka durch diesen hindurch SCHWIMMEN wollen?

Der Trainer der ÖJV-Damen hatte zu Beginn der Judo-WM in Astana angekündigt, das „Gewässer“ nebst des Hotels trotz der recht bescheidenen Temperaturen zu durchqueren. „Ich wär zur Not auf allen vieren durch gerobbt“, gibt er zu verstehen, dass er es irgendwie schon geschafft hätte.

Doch es bleibt ihm erspart. „Leider“, wie er selbst einwirft. Denn seine Damen bleiben bei den letzten Weltmeisterschaften vor den Olympischen Spielen in Rio ohne Edelmetall. Dabei war Bernadette Graf am Freitag haarscharf dran, musste sich nach einem Halbfinaleinzug schlussendlich aber doch mit Rang fünf begnügen, der im Judo aufgrund des fehlenden vierten Platzes wie „Blech“ wiegt.

Doch selbst wenn letztlich oft nur Medaillen zählen, lässt der fünfte Rang mit Blick auf Rio auch positive Schlüsse zu.

Der Auslage entgangen

Dem Selbstvertrauen hätte es freilich gut getan, knapp ein Jahr vor dem Highlight unterm Zuckerhut die erste WM-Medaille seit der Bronzenen von Sabrina Filzmoser 2010 einzufahren, doch viel wichtiger ist für Graf zu diesem Zeitpunkt wohl die Gewissheit, bei der weltweiten Spitze dabei zu sein.

Für die 23-jährige Innsbruckerin war es die dritte WM ihrer noch jungen Karriere. Allerdings die erste, bei der sie um Medaillen mitkämpfte. Zumal sowohl im Halbfinale gegen Maria Bernabeau (ESP) als auch im Bronze-Kampf gegen die dreifache Weltmeisterin Yuri Alvear (COL) augenscheinlich nicht viel fehlte.

Nach dem Verpassen ihrer ersten WM-Medaille überwog bei Graf die Enttäuschung. Selbstredend, wenn man zuvor im Halbfinale stand. Nichtsdestotrotz wahrt der fünfte Platz den Hunger auf die Spitze, wie sie auch in einer ersten Reaktion durchblicken ließ: „Ich werde bei den nächsten Turnieren wieder voll angreifen, um ganz vorne dabei zu sein.“

Hinzu kommt, dass sie sich nicht in die Rolle einer Gejagten begibt. Denn wie die WM eindrucksvoll demonstrierte, ist die Halbwertszeit von Judo-Größen keine lange. Insbesondere am Freitag war das Favoritensterben augenscheinlich. Fünf Ex-Weltmeister mussten bereits in den Vorrunden die Segel streichen.

Dazwischen liegt nicht viel

„Ja, die Spitze ist breiter geworden“, konstatierte der trocken gebliebene Spittka nach der für ihn bereits geschlagenen WM. Der fünfte Platz von Graf bewahrt das Damen-Team, welches aufgrund der drei Top-Ten-Platzierungen in der Weltrangliste mit hohen Erwartungen nach Astana geflogen war, vor größeren Zweifeln.

Abseits von Graf war die Ausbeute nämlich mager. Sabrina Filzmoser und Kathrin Unterwurzacher blieben mit Achtelfinal-Einzügen unter ihren eigenen Ansprüchen. Gleiches gilt für Tina Zeltner, die in der zweiten Runde rausflog.

Wenngleich die Ergebnisse auf der anderen Seite zu relativieren sind, denn eine Bestrafung machte in Kasachstan oft schon den Unterschied. Fest steht: Das Treiben auf der Matte ist für den Laien nicht ansehnlicher – und wohl auch nicht verständlicher – geworden, aber jedenfalls sind die Top-Leute zusammengerückt.

Aus Astana berichtet Reinhold Pühringer

 

Marko Spittka: "Bei einer WM-Medaille schwimme ich durch diesen Springbrunnen."Wer will den Damen-Trainer baden gehen sehen? :-)

Posted by Judo Austria on Dienstag, 25. August 2015

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