WM-Auslosung: Nicht zum Hinschauen

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Ashley McKenzie heißt die erste Hürde, die sich bei den am Montag im russischen Chelyabinsk beginnenden Judo-Weltmeisterschaften dem österreichischen Team entgegenstellen wird.

Genauer gesagt stellt sich der Brite Ludwig Paischer in den Weg. Das ergab die Auslosung am Sonntag.

„Für eine erste Runde hätte ich es sicherlich einfacher erwischen können“, versuchte es der Salzburger zu nehmen, wie es kommt. Obwohl er gegen McKenzie, der nicht zuletzt aufgrund seines Mitwirkens in einer Big-Brother-Staffel auf der Insel C-Promi-Status genießt, eine 0:2-Bilanz aufweist, ist sich Paischer sehr wohl bewusst, dass es auch schlimmer hätte kommen können.

Damit bringt der 32-Jährige auch die generelle Haltung des ÖJV-Teams nach der Auslosung auf den Punkt. Selbst Bundestrainer Marko Spittka sprach in einer ersten Reaktion von „gemischten Gefühlen“.

Filzmoser gegen Dauerrivalin

Im Falle eines Auftaktsieges Paischers verrät ein Blick auf die Nebenpaarungen, dass der Olympia-Zweite von 2008 schon einen Sahne-Tag erster Güte erwischen müsste, um nicht schon vor Podestnähe auf dem Rücken zu landen. So droht etwa im Achtelfinale ein Duell mit dem Weltranglisten-Zweiten Amiran Papinashivili aus Georgien. Zum Vergleich: Paischer bewegt sich mit Platz 22 derzeit in etwas anderen Sphären des Rankings.

Nicht ganz so groß, aber dennoch schwierig erscheint die Aufgabe für die zweite große Medaillen-Sammlerin des vergangenen Jahrzehnts, Sabrina Filzmoser. Die Welserin bekommt nach einem Freilos die Siegerin aus Kifayat Gasimova (AZE) gegen Hana Carmichael (USA), wobei erstere zu favorisieren ist. Bereits neun Mal hat Filzmoser, die schon zweimal WM-Dritte war, mit der Aserbaidschanerin die Klingen gekreuzt und davon fünf Mal verloren.

Zu viel mit ihrer Auslosung beschäftigen wollte sich Filzmoser nicht. „Die Jahre haben mir gezeigt, dass ich so am besten fahre“, meinte sie vor dem ersten Training in Chelyabinsk. Im Viertelfinale könnte übrigens ein neuerliches Aufeinandertreffen mit Automne Pavia folgen. Gegen die Französin hatte sich Filzmoser im EM-Finale 2013 einen Trümmerbruch im Oberarm zugezogen.

Lieber nichts wissen

Spittka sprach vor dem Abflug in die russische Millionenstadt, die sich für die WM erstaunlich ins Zeug legt, sehr wohl aber von einer Medaille. Zwar hatte Verbands-Präsident Hans Paul Kutschera im Wissen der international starken Starterfelder tunlichst vermieden, einen Podestplatz als Ziel auszugeben, die Latte deswegen niedriger zu legen, kam dem Trainer aufgrund der zuletzt guten Ergebnisse jedoch nicht in den Sinn.

Stellt sich also die Frage, wessen Auslosung für eine Medaille gut ist?

Die verheißungsvollste hat wohl Kathrin Unterwurzacher. Nicht nur, dass die Tirolerin dank ihrer Setzung als Nummer vier des Turniers den Besten der Weltrangliste von vornherein aus dem Weg ging, blieben ihr auch ungesetzte Kracher wie etwa die Japanerin Miku Tashiro, die Ende Juni den Grand Prix in Budapest gewann, erspart.

 

Dabei weiß die dreifache Finalistin von U23-Europameisterschaften noch gar nichts von ihrem möglichen Glück. Denn ausgerechnet sie will ihre Auslosung erst am Kampftag erfahren. Ebenfalls bis 63 kg gilt Hilde Drexler in ihrem Auftaktmatch gegen Szandra Szogedi (GHA) von der Papierform als Favoritin.

Gegen Beute-Georgierin

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten gelten die Auftaktaufgaben von Tina Zeltner (Jovana Rogic /SRB), Marcel Ott (Konstantis Ovchinnikovs/LAT) und Bernadette Graf (Esther Stam/GEO), wobei es für Letztere gegen eine ehemalige Niederländerin geht, die aufgrund zu starker nationaler Konkurrenz seit heuer für Georgien startet. Eine Gegnerin, die schwer einzuschätzen ist.

Den in mehrfacher Hinsicht dicksten Brocken hat Daniel Allerstorfer an Land gezogen. Das Schwergewicht trifft mit Daiki Kamikawa auf den Weltmeister der Allkategorie (ohne Gewichtsklassen-Einteilung) von 2010. Damals war der Japaner der bislang letzte Kämpfer, der den alles überragenden Superstar Teddy Riner (FRA) eine Niederlage zufügen konnte.

„Ach, die Allkategorie ist ganz etwas anderes als das Schwergewicht, das kann man gar nicht vergleichen“, kommentierte der 21-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Er und der Rest des Teams werden noch das eine oder andere Video studieren, um gut eingestellt auf die Matte gehen zu können. Außer Unterwurzacher, die noch nicht weiß, was ihr am Donnerstag blüht…

 

Aus Chelyabinsk berichtet Reinhold Pühringer

Tag kg m/w Österreicher
Montag -60/-48 Ludwig Paischer
Dienstag -66/-52 -
Mittwoch -73/-57 Sabrina Filzmoser, Tina Zeltner
Donnerstag -81/-63 Marcel Ott, Hilde Drexler, Kathrin Unterwurzacher
Freitag -90/-70, -78 Bernadette Graf
Samstag -100, +100/+78 Daniel Allerstorfer
Sonntag Team-Events -
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