Leider nur ein Fingerzeig

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Ein Fingerzeig, der aber nicht ausreicht

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Fast zwei volle Monate lang hatte es gedauert, bis Österreich das erste Weltcup-Podest des neuen Judo-Kalenderjahres einfährt.

Doch dann sind es mit Peter Scharinger und Marcel Ott gleich zwei heimische Athleten, die in Prag im direkten Duell um einen Podestplatz kämpfen.

Mit dem besseren Ende für Ersteren, der sich im Bronze-Kampf der Gewichtsklasse bis 73 kg nach Ablauf der vollen fünf Minuten mit einer Yuko-Wertung für einen Opferwurf (Tomoe-nage) durchsetzt.

Viel näher bringt dies den Mühlviertler Scharinger, der im Gegensatz zu Ott noch Chancen auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen hat, an ein London-Ticket allerdings nicht heran.

Kommt nicht viel dazu

Für sein Abschneiden in Prag erhält Scharinger 40 Punkte für die Weltrangliste, die zur Olympia-Quali herangezogen wird.

Allerdings kommen aus den vergangenen zwölf Monaten nur die fünf besten Ergebnisse in die Wertung. Bei Scharinger fällt als schlechtestes nun ein 36-Zähler-Resultat raus, womit sein effektiver Gewinn gerade einmal magere vier Punkte beträgt.

In der Weltrangliste macht der 26-Jährige somit nur zwei Plätze gut, womit er an 28. Stelle des bereinigten Rankings (nur der Beste pro Nation zählt) liegt. Die besten 22 qualifizieren sich direkt für London.

Ein Hintertürl

Zur Quali zählt jetzt nur noch die Europameisterschaft im April im russichen Chelyabinsk. Für Scharinger wird es also eng.

Bei der EM im Vorjahr zeigte der Heeressportsoldat mit einem fünften Platz allerdings, dass ihm bei kontinentalen Titelkämpfen durchaus etwas zuzutrauen ist.

Sollte es sich für die ersten 22 der bereinigten Weltrangliste am Ende nicht ausgehen, bleibt noch die Hoffnung auf einen kontinentalen Quali-Platz. Dieser dürfte bei momentanen Stand aber an Hilde Drexler gehen. Die Wienerin, die am Sonntag in Warschau kämpft, hat jedoch noch gute Chancen, einen Fix-Platz zu ergattern.

Bis zur Bewusstlosigkeit

Für Scharinger, dessen gute Auftritte heuer bislang unbelohnt blieben, bedeutet sein viertes Weltcup-Podest seiner Karriere großen Auftrieb.

Schließlich landete der Pürnsteiner im Laufe des Turniers fünf Siege, lediglich im Viertelfinale musste er sich dem späteren Sieger Florent Urani aus Frankreich durch Festhalter geschlagen geben.

Dabei hatte Scharinger gerade erst eine Runde zuvor seine ganze Gefährlichkeit am Boden eindrucksvoll demonstriert, als er Seisenbacher-Schützling Zebeda Rekhviashvili (GEO) bewusstlos würgte (Interview mit Peter Seisenbacher).

Probleme mit dem Wasserlassen

Mit einer etwas ungewohnten Herausforderung sah sich Scharinger allerdings im Vorfeld des Turniers konfrontiert. Zwar sind Doping-Kontrollen für ihn nichts Neues, doch so knapp vor einem Turnier ist das für einen Judoka mit nicht zu unterschätzenden Schwierigkeiten verbunden.

Denn Scharinger, der mehrere Kilos abnehmen muss, um in der Klasse bis 73 kg starten zu können, befand sich bereits voll im Entwässern - also jener Phase, wo durch weniger Trinken wenige Tage vor dem Wettkampf noch die letzten Kilos herausgekitzelt werden - als am Donnerstag plötzlich die Kontroleure anklopften und etwas Urin haben wollten.

Tja, zu dumm nur, dass da nichts mehr raus wollte. Um nach einer gefühlten Ewigkeit dann doch irgendwann zu können, musste Scharinger extra Wasser trinken, was freilich seine Gewichtsplanung durcheinander brachte. Wie der dritte Platz aber zeigt, war letztlich alles halb so wild.

Gegenseitig antreiben

Auch wenn es für Ott in Prag knapp nicht reicht, darf sich der Wiener über das beste Weltcup-Resultat seiner Karriere freuen. Zudem sorgt er auch dafür, dass Österreich seit langem wieder einmal zwei Kämpfer in einer Gewichtsklasse hat, die auf diesem Niveau mithalten können.

Mit vier Vorrunden-Siegen, drei davon durch Ippon, stößt der erfolgreichste Kämpfer der abgelaufenen Bundesliga-Saison sogar bis ins Halbfinale vor, wo er dem Moldawier Victor Scvortov unterliegt.

Die weiteren Österreicher des ersten Wettkampftages scheiden in der Vorrunde aus, wobei der Mühlviertler Georg Reiter (bis 66 kg) immerhin zwei Runden übersteht.

Reinhold Pühringer

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